Umwelt

Herner Händler: Hersteller sollen Plastikersatz entwickeln

Löffel und Strohhalme sind noch Plastikprodukte, die Giorgio Piva von der Eisdiele Capri benutzt. Er geht davon aus, dass Hersteller Ersatzlösungen auf den Markt bringen werden.

Löffel und Strohhalme sind noch Plastikprodukte, die Giorgio Piva von der Eisdiele Capri benutzt. Er geht davon aus, dass Hersteller Ersatzlösungen auf den Markt bringen werden.

Foto: Carsten Siegmund

Herne.   Herner Gastronomen stehen dem Verbot von Kunststoffartikeln aufgeschlossen gegenüber, haben aber Forderungen an die Industrie.

Auf Plastikteller und -besteck „kann ich durchaus verzichten“, sagt Birgit Weuder-Schulz - weist im Nachsatz aber auf eine entscheidende Bedingung hin: „Wenn es dafür geeignete Alternativen gibt.“ Die Inhaberin der Imbiss-Stube „Holzkohle-Grill“ an der Bahnhofstraße steht nach eigenen Worten dem EU-Entschluss, Geschirr und weitere Artikel aus Kunststoff zu verbieten, sehr aufgeschlossen gegenüber. Der Umwelt zuliebe habe sie auch selbst schon Alternativen ausprobiert, doch weder seien die Kunden begeistert gewesen, weil beispielsweise Frittenschalen nicht die notwendige Stabilität aufwiesen, noch habe es finanziell gepasst, erklärt die 60-Jährige. „Die Produkte waren drei Mal so teuer wie Plastikvarianten“. Wenn aber nun Gesetze verabschiedet werden, Kunststoff weitgehend zu verbannen, sieht sie die Hersteller von Verpackungsmaterialien in der Pflicht, neue und praktikable Lösungen zu entwickeln - aus Papier, Pappe oder anderen Stoffen.

Mit ihrer Meinung steht Weuder-Schulz nicht allein. Gerhard Herzog, Inhaber der Grillstube „Currywurst“ an der Heidstraße, sagt deutlich: „Die Industrie muss sich jetzt Gedanken machen“. Gastronomische Betriebe seien dabei außen vor. Bei einer solchen Umstellung komme es aber auch darauf an, „dass vernünftige Preise am Markt bestehen“.

Herzog hat sich aber auch unabhängig von dem Vorgehen der EU bereits mit den örtlichen Aufsichtsbehörden in Verbindung gesetzt und ihnen folgendes Modell vorgeschlagen: Kunden bringen ihre Teller oder Kunststoffdosen mit. Doch der Vorschlag sei aus Hygienegründen nicht zulässig, habe man ihm erklärt, sagt Herzog.

Die großen Mengen an Plastiktellern und -schalen, die tagtäglich über seine Ladentheke gehen, sind auch Sükrü Durgac vom Kebaphaus Doydoy an der Bahnhofstraße nicht recht. Wenn es die Möglichkeit für einen passenden Ersatz gebe, dann sei er sofort dabei, erklärt der 47-Jährige, der den Imbiss schon seit über zwei Jahrzehnten betreibt. Die Entscheidung der EU finde er richtig, gibt er zu verstehen, die Berge an Plastikmüll seien auch nicht mehr akzeptabel.

Sascha Regmann von der Herner Umweltinitiative „Blue Sea - Für den Schutz der Meere“ berichtet, dass bei den zahlreichen Aufräumaktionen am Rhein-Herne-Kanal weggeworfenes oder liegen gelassenes Plastikgeschirr den größten Anteil am Müllaufkommen ausmache.

Angesichts solcher Umweltbelastungen sei das geplante Verbot zahlreicher Kunststoffartikel der richtige Schritt, betont Markus Köther, Theaterleiter der Herner Filmwelt. Die Folgen bekommen nach seinen Worten ohnehin nicht nur die Gastronomiebetriebe zu spüren, sondern der gesamte Freizeitbereich.

Pragmatische Lösung

In der Eisdiele Capri sieht Geschäftsleiter Giorgio Piva den geplanten Änderungen eher gelassen entgegen. Strohhalme und Löffel seien inzwischen einige der wenigen noch verbliebenen Artikel aus Kunststoff. Da werde es sicherlich Ersatz geben. „Glas, Metall, Bambus bieten sich als Alternative an“, sagt Sascha Regmann. Es werde kaum noch Plastik verwendet, heißt es auch vom Firmenchef der „Asia & Co“-Filialen. Im Sinne der Nachhaltigkeit bestehe nicht erst seit dem Vorstoß der EU die Bereitschaft, die noch vorhandenen Kunststoffartikel wegzulassen.

Paraskevi Dimitriadu, die seit 37 Jahren den Tasso-Grill am Eickeler Markt betreibt, gibt sich pragmatisch: Wenn die Behörden die Auflagen genau formuliert haben, werde man Wege finden, sie umzusetzen.

EU-Staaten sollen eigene Gesetze verabschieden

Der Text zu dem Verbot von Plastikgeschirr, Wattestäbchen und Strohhalmen usw. soll, so das Bundesumweltministeriums, bis Mitte Januar vorliegen.

Bis 2021 sollen die EU-Staaten eigene Gesetze verabschieden, um die Verbote zu regeln.

Der Hotel- und Gaststättenverband NRW geht, so Sprecher Thorsten Hellwig, davon aus, dass alternative Verpackungsprodukte zu marktüblichen Preisen angeboten werden.

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