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Herner kommt vom Heavy Metal zum Romantik-Drama

Am Drehort: Filmemacher Mirko Witzki dreht einen Film mit den Schauspielern Michael Glantschnig und Lena Conzendorf am Rhein-Herne-Kanal.

Foto: Rainer Raffalski

Am Drehort: Filmemacher Mirko Witzki dreht einen Film mit den Schauspielern Michael Glantschnig und Lena Conzendorf am Rhein-Herne-Kanal. Foto: Rainer Raffalski

Herne.   Mirko Witzki dreht seinen ersten Spielfilm. Die WAZ besuchte Dreharbeiten am Kanal. Der Herner hat große Erwartungen an seine Produktion.

Rhein-Herne-Kanal, Höhe Ruderverein Emscher. Das ideale Setting für einen Film über den Pott. Fast nirgendwo ist das Ruhrgebiet so Ruhrgebiet wie hier. Doch nichts da. Hier wird kein typischer Revier-Film gedreht, keiner von diesen Streifen, die immer den gleichen Stereotypen von der Currywurst-kauenden ehrlichen Haut durchnudeln. Von denen gibt’s schon genug: „Bang Boom Bang“, „Nordkurve“, zuletzt „Radio Heimat“. Und die ganzen Schimanskis. Selig sein sollen sie.

In Mirko Witzkis „Catching Glimpse“ (heißt in etwa „Blick erhaschen“) haben die Charaktere englisch klingende Namen. Die beiden Protagonisten heißen Lian und Avaleen – das sind selbst für britische Verhältnisse höchst eigenwillige Vornamen. Aber wie sang schon Johnny Cash: „A Boy named Sue“. Eltern, die sich selbst verwirklichen wollen, können mit der Namensgebung ihrem Kind das ganze Leben versauen. Ziemlich versaut ist das Leben von Lian schon. Er lottert nach dem Tod des Vaters abgestumpft vor sich hin, bis er die Kellnerin Avaleen kennenlernt. Sie verlieben sich, doch sie verschweigt ihm ein bitteres Geheimnis. So weit, das reicht. Schließlich will der Film auch geschaut werden. Im Sommer 2018 soll es eine Premiere im Gelsenkirchener Filmpalast geben.

In der Nachbarstadt ist Mirko Witzki geboren, aufgewachsen ist er in Wanne-Eickel, wo er heute noch wohnt. Und das mit diesem Englisch-Dings hat gute Gründe: „Ich will weg von diesen typisch deutschen Stereotypen, die nerven mich gewaltig“, sagt der 28-Jährige. Und noch etwas: Der Film soll bei den Oberhausener Kurzfilmtagen eine wichtige Rolle spielen. Und bei der Berlinale. Also eine internationale Sache. „Catching Glimpse“ ist ein 22-minütiges Kurzfilm-Drama; Witzkis Master-Arbeit für die Dortmunder Fachhochschule wird zum Teil über Crowdfunding, also Spendengelder, finanziert.

Sechs Drehtage

Witzki gibt sich und seiner Crew sechs Drehtage. Die Techniker sind Profis, kriegen ihr Gehalt. Den Hauptdarsteller darf man kennen. Michael Glantschnig („Wishlist“) stand bereits für den James-Bond-Film „Spectre“ vor der Kamera. Er stellt seine Dienste für eine kleine Münze zur Verfügung. Jetzt macht er einen Spaziergang am Kanalufer mit Lena Conzendorf, die die Avaleen spielt. Klappe. Annäherung. Zur Liebe reicht’s noch nicht. Die kommt später. „Ich fand das Drehbuch, das Mirko mir geschickt hat, unglaublich schön“, sagt der 26-Jährige. Die Botschaft ist: „Liebe und weitermachen – das ist möglich!“

Mit Liebe hat sich Regisseur Witzki bislang nicht wirklich in seiner Arbeit beschäftigt. Er hat zumeist Videos für Heavy Metal-Bands gedreht. Er ist in der Szene gut vernetzt; sein linker Unterarm ist vollständig tätowiert. Das gehört sich so, heavy, Man.

Doch in Wirklichkeit ist er ein ruhiger, ausgeglichener Typ, der Mirko Witzki. Das zumindest bestätigt Franziska von Harsdorf. Die Schauspielerin ist eigens aus Wien angereist; zuvor hatte sie Witzki bei einem Rock-Dreh in Bayern kennengelernt. „Es kann drunter und drüber gehen, er bleibt gelassen. Mirko ist unglaublich professionell“, sagt die 21-Jährige.

Jetzt stehen etwa zehn Tischlampen auf dem Steg am Kanal. Das ist der Zufluchtsort, den Avaleen Lian zeigen will. Klappe. Es fängt an, ganz zart zu nieseln. Egal, das Wetter steht nicht im Drehbuch. Gestern wurde auf der Halde Hoheward gedreht. Da gab’s einen Sonnenuntergang. Romantisches Ruhrgebiet. Muss es auch geben.

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