Gericht

Herner Mobilfunk-Shop-Betreiber nimmt Rentner 12.500 Euro ab

Der Shop-Betreiber hatte dem 84-jährigen Rentner aus Wanne-Eickel 12.500 Euro in bar abgeluchst.

Der Shop-Betreiber hatte dem 84-jährigen Rentner aus Wanne-Eickel 12.500 Euro in bar abgeluchst.

Foto: Sanja Radin / Getty Images/iStockphoto

Herne.  Der Ladenbetreiber aus Eickel versprach dem 84-Jährigen immer wieder Problemlösung gegen Bares. Warum die Richter ihm trotzdem eine Chance gaben.

Weil er zwei hochbetagte Senioren nach Strich und Faden betrogen hat, ist ein Mobilfunk-Shop-Inhaber (27) aus Eickel am Bochumer Landgericht zur maximalen Bewährungshaftstrafe von zwei Jahren verurteilt worden. Einem 84-jährigen Wanne-Eickeler hatte der Shop-Betreiber allein mehr als 12.500 Euro in bar abgeluchst.

Geständnis und Entschuldigung vor Gericht

Richter Michael Janßen zählte den Angeklagten in der Urteilsbegründung unmissverständlich an: „Noch schäbiger als das, was Sie getan haben, geht es eigentlich nicht. Das waren ganz hässliche Taten.“ Dennoch habe der 27-Jährige durch sein jetziges Auftreten im Berufungsprozess noch einmal die Kurve gekriegt und sich so letztlich eine Bewährungschance verdient.

Anders als in erster Instanz am Schöffengericht in Wanne-Eickel im April 2019 (Urteil: zweieinhalb Jahre Haft) hatte der Mobilfunk-Shop-Betreiber jetzt doch ein schonungsloses Geständnis abgelegt, sich auch persönlich entschuldigt und zudem zugesagt, den angerichteten Schaden durch monatliche Ratenzahlungen wiedergutzumachen. Die erste Rate in Höhe von 1000 Euro überreichte der 27-Jährige dem betroffenen Ex-Stammkunden noch im Gerichtssaal in bar.

Der gehbehinderte 84-Jährige akzeptierte die Entschuldigung zwar, gab allerdings auch preis, wie sehr der Betrüger ihm und seiner Ehefrau geschadet hatte. „Die fest eingeplante Feier zu unserem 60-jährigen Ehejubiläum mussten meine Frau und ich ausfallen lassen. Unser über die Jahre hinweg angespartes Geld dafür war ja futsch.“

Vertrauen des 84-Jährigen kalt ausgenutzt

Der Rentner hatte sich im Sommer 2017 mehrmals mit Problemen an seinem Smartphone an den Shop-Betreiber gewendet. Der Angeklagte hatte das Vertrauen des Seniors kalt ausgenutzt und dem 84-Jährigen immer wieder vorgespiegelt, dass dieser vermeintlich kostenpflichtige Abonnements abgeschlossen habe, aus denen er nur durch Bargeld-Zahlungen an ihn wieder rauskomme.

Der 84-Jährige übergab dem Shop-Betreiber, der nicht selten auch zum Schein telefonierte, um sein Bemühen zu unterstreichen, daraufhin mal 3000, mal 2000 Euro, mal 2500 Euro. Insgesamt nahm der Shop-Betreiber dem Rentner unfassbare 12.500 Euro ab. Bei einem weiteren älteren Herrn hatte er zunächst unbemerkt einfach einen zusätzlichen Neuvertrag abgeschlossen und so zu Unrecht 1200 Euro Provision eingestrichen.

Laut Urteil (Betrug und Urkundenfälschung) muss der Eickeler Mobilfunk-Shop-Betreiber den angerichteten Schaden komplett zurückzahlen.

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