Abitur 2019

Höchste Sicherheit: Wie Abi-Aufgaben geheim bleiben

Streng geheim: Mit USB-Stick ausgestattet und mit Mittelstufenkoordinator Horst-Uwe Jäger als Zeuge lädt Nicole Nowak am Vortag der Abiturprüfungen die Aufgaben herunter.

Streng geheim: Mit USB-Stick ausgestattet und mit Mittelstufenkoordinator Horst-Uwe Jäger als Zeuge lädt Nicole Nowak am Vortag der Abiturprüfungen die Aufgaben herunter.

Foto: Klaus Pollkläsener/FMS

Herne.   Entschlüsselungscodes und Rechnerwechsel: Bei den Downloads der Prüfungen für das Zentral-Abitur gilt auch in Herne die höchste Sicherheitsstufe.

Deutsch, Mathe und Englisch sind schon geschafft. Aber heute geht es weiter mit den diesjährigen Abiturprüfungen. Und mit den Naturwissenschaften Chemie und Biologie stehen wohl für einige Schüler nicht gerade die Lieblingsfächer an – um es vorsichtig auszudrücken. Wie schön wäre es da, im Vorfeld schon mal einen Blick auf die Prüfungsfragen zu werfen. Damit das nicht geschieht, müssen die Schulen strengste Sicherheitsstandards einhalten.

Es ist Montag, kurz vor 13 Uhr, der Tag vor den Abiturprüfungen in Biologie und Chemie. Nicole Nowak, Schulleiterin am Haranni-Gymnasium, schreitet zur Tat. Und wie für ihre Schüler am nächsten Tag, spielen auch bei ihr Formeln und Codes eine wichtige Rolle. „Rund um die Abituraufgaben gilt die höchste Sicherheitsstufe“, betont die Sprecherin der Herner Gymnasien.

Verfahren wurde mit dem Zentral-Abi eingeführt

Seit im Jahr 2007 das Zentral-Abitur geschrieben wird, hat Düsseldorf eine Vielzahl an Vorschriften eingeführt, um zu verhindern, dass die Aufgaben frühzeitig in Schülerhände gelangen und um Angriffe von Hackern vorzubeugen. „Bereits im Vorfeld bekommen wir Briefe vom Schulministerium, in denen wir Codes erhalten“, erläutert Nicole Nowak. Einen Tag vor den Prüfungen stellt Düsseldorf die jeweiligen Aufgaben zum Download bereit.

Nowak trifft sich in einem ruhigen, abgeschiedenen Raum irgendwo in der Schule mit Horst-Uwe Jäger, Mittelstufenkoordinator am Haranni. Gemeinsam mit ihm wird sie gleich die Abitur-Unterlagen herunterladen. „Es gilt das Vier-Augen-Prinzip“, erklärt sie. Neben ihr müsse immer ein Kollege der erweiterten Schulleitung anwesend sein. In einem Protokoll wird mit Unterschrift festgehalten, wer dies ist. Der Download müsse in einem genau vorgegebenen Zeitfenster erfolgen.

„Wir laden dann an einem Rechner verschlüsselte Daten runter“, sagt sie. Dafür muss die Schulleiterin einen langen Entschlüsselungscode eingeben. Die Datei wird auf einen USB-Stick gezogen. Mit dem Stick muss Nicole Nowak an einen Rechner wechseln, der nicht mit dem Internet verbunden ist.

Entschlüsselungscode für den Download

„Dieses Verfahren hier in NRW hat von Anfang an 100-prozentig funktioniert“, betont Horst-Uwe Jäger. Die Aufgabenübermittlung sei bequem und vor allem sicher. In Baden-Württemberg würden die Aufgaben noch per Post verschickt. Er ist wie die Schulleiterin von dem Verfahren überzeugt. „Das System hat keine Lücken“, sagt er. Wenn was nach außen dringe, dann eher durch menschliches Versagen, wenn ein Lehrer was seinen Schülern verrate. Das habe jedoch strafrechtliche Konsequenzen, so Jäger.

Aufgaben über Nacht im Schulsafe

Die Aufgaben werden ausgedruckt den Fachlehrern vorgelegt. Im Fach Chemie ist dann beispielsweise eine Aufgabe gesetzt und bei der zweiten kann der Lehrer für seinen Kurs zwischen zweien entscheiden, welche er für seine Schüler für angemessener hält. Die gewählten Aufgaben werden kopiert und in einem Umschlag versiegelt in den Safe gelegt. Erst vor den Schülern wird er wieder geöffnet. Wo sich der Safe befindet, möchte Nicole Nowak aber lieber nicht sagen – sicher ist sicher.

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