Flottmann-Hallen

Künstler präsentieren Ausstellung „Lento furioso 2“ in Herne

Der Künstler Peter Nagel (Bild) stellt gemeinsam mit Christoph Platz Werke in  den Flottmann-Hallen aus.

Der Künstler Peter Nagel (Bild) stellt gemeinsam mit Christoph Platz Werke in den Flottmann-Hallen aus.

Foto: Dietmar Wäsche / FUNKE Foto Services

Herne.  Lento furioso 2: So heißt eine Ausstellung in Herne mit Werken von Peter Nagel und Christoph Platz. Gezeigt wird eine „skulpturale Wunderkammer“.

Mit der Ausstellung „Lento furioso 2“ laden die Flottmann-Hallen zu dem Besuch „einer skulpturalen Wunderkammer“ ein. Die aus der klassischen Musik entliehenen Begriffe bezeichnen einerseits ein langsam, locker, geschmeidig vorgetragenes, andererseits ein rasend bis wütend gespieltes Werk.

Peter Nagel und Christoph Platz haben die Flottmann-Hallen mit Wand- und Bodenarbeiten für eine gemeinsame Aufführung genutzt, die sich zwischen Ruhe und Raserei bewegt. Der Besucher mag zunächst ein wenig irritiert und überrascht sein angesichts der Fülle der Arbeiten. Nach einiger Zeit wird aber deutlich, welche Arbeiten von welchem Künstler sind und welchen Teil sie in dem Gesamtwerk spielen.

Bildhauer arbeitet mit Holz und Farbe

Christoph Platz ist der klassische Bildhauer, der mit Holz und Farbe arbeitet. Immer wieder tauchen in seine Arbeiten Kleidungsstücke auf, die ohne die bekleidete Person auskommen. Oft kombiniert er sie mit ganz alltäglichen Dingen, die er aus dem Holz arbeitet. Da steht eine blaue Anzugjacke auf dem Boden, von deren Kragen farbige Kissen ausgehen. Ein großer Affe starrt auf ein Arschleder, das von der Decke hängt.

Ein anderer Affe hält einen großen leeren, roten Rahmen in der Hand. Die Rotorblätter eines Hubschraubers laufen auf der einen Seite in einen Oberkörper, auf der anderen in den Unterkörper eines Mannes. „Meine Arbeiten entwickeln sich oft aus den eigenen Arbeiten und dem Nachdenken darüber“, sagt Platz. Es sind humorvolle und nachdenkliche Kommentare zu alltäglichen Erfahrungen.

Alltagsgegenstände in neuen Zusammenhängen

Peter Nagel arbeitet mit Alltagsgegenständen, die er kombiniert, abformt und in neue Zusammenhänge versetzt. Da werden Bürsten zu einer großen Fläche auf dem Boden montiert. Er gießt Fundstücke in durchsichtiges Polyesterharz ein, so dass gleichmäßig geformte Körper oder auch ein Rednerpult entstehen. Aus rohen Holzleisten zimmert er ein riesiges Nashorn, vor dem ein kleiner Schütze steht. Kleine Nashörner aus Bronze laufen in die Wand, um an anderer Stelle überraschend wieder aufzutauchen. Einen großen Nashornkopf kombiniert er aus vielen unterschiedlichen Plastikteilen. Auf einer anderen Wand erstreckt sich ein großes Werk aus Rädern, deren Zentren mit Bildern und Texten gefüllt sind. „Ich möchte den Betrachter erst einmal ein wenig ablenken“, erklärt Nagel zu seinen Werken.

Beide Künstler haben es geschafft, immer wieder Bezüge zwischen ihren Arbeiten aufzubauen. Da gibt es bestimmte betonte Achsen. Andere Arbeiten reagieren aufeinander oder schaffen ganz bewusst Kontraste. Da weisen die Arme und Hände von Peter Nagel auf das von der Decke hängende Selbstporträt von Christoph Platz hin. Sie scheinen es mit ihren unterschiedlichen Gesten zu kommentieren. Und je länger man die Ausstellung betrachtet, so stellen sich nach und nach auch Gemeinsamkeiten ein: Nagel und Platz sind an Alltagsgegenständen und alltäglichen Situationen interessiert. Sie schaffen mit ihren Interpretationen aber völlig neue und überraschende Zusammenhänge, die immer zum Nachdenken anregen.

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