Emscherstraße

Landesaktion gegen Vermieter: Herne kontrolliert Wohnblock

Im Wanner Wohnblock an der Emscherstraße 76-96 leben derzeit nach Angaben der Stadt rund 700 Menschen.

Im Wanner Wohnblock an der Emscherstraße 76-96 leben derzeit nach Angaben der Stadt rund 700 Menschen.

Foto: Bastian Haumann / FUNKE Foto Services

Herne.  Das Land geht gegen den Vermieter Altro Mondo vor. Bei einer landesweiten Aktion fanden auch Kontrollen an der Emscherstraße in Wanne statt.

Die Stadt ist am frühen Dienstmorgen mit rund 30 Mitarbeitern zu einer Kontrolle in den Wanner Wohnblock Emscherstraße 76-96 ausgerückt. Herne war Teil einer vom NRW-Bauministerium initiierten Aktion „zur Aufdeckung von Missständen“ in Häusern der DEGAG/Altro Mondo, die zeitgleich in zehn Kommunen stattfand. Zumindest in Herne hatte der seit Jahren wegen zahlreicher Missstände in der Kritik stehende Vermieter möglicherweise im Vorfeld Wind von der unangemeldeten Kontrolle bekommen.

„Der heutige Zustand ist nicht repräsentativ“, sagte Sigrid Mertens, Leiterin des Kommunalen Ordnungsdienstes, am Dienstagmorgen zur WAZ beim Blick auf den relativ sauberen Außenbereich. Wilfried Kohs (Grüne) kann dies bestätigen. „Noch am Montagmorgen hat es im Außenbereich ausgesehen wie in den schlimmsten Zeiten“, sagt der Wanner Bezirksverordnete, der seit zwei Jahren regelmäßig in der Siedlung aktiv ist, auf Anfrage. Überall habe sich Abfall und Sperrmüll gestapelt. Anwohner hätten zudem von Ratten und Kakerlaken berichtet.

Vorwurf: Hausmeister wochenlang nicht vor Ort

Nach WAZ-Informationen soll der vom Verwalter Altro Mondo für die von derzeit rund 700 Menschen bewohnte Siedlung beauftragte Hausmeister wochenlang nicht vor Ort gewesen sein - angeblich, weil er nicht bezahlt worden sei. Erst seit dem vergangenen Donnerstag sei er wieder an der Emscherstraße, berichtet Wilfried Kohs.

Die Bilanz der Stadt nach dem mehrstündigen Einsatz: „Wir haben bei unserer Begehung zahlreiche Mängel festgestellt, die wir nun Altro Mondo mitteilen“, so Ordnungsdezernent Johannes Chudziak. Die Firma werde aufgefordert, diese umgehend zu beheben. Die Stadt benannte unter anderem defekte Haustüren, beschädigte Briefkästen und leichte Brandschutzmängel. Die Situation sei zwar schon mal wesentlich schlimmer gewesen, so Chudziak. Offenbar zeige auch die Arbeit der städtischen Wohnungsaufsicht Wirkung. „Gleichwohl gibt es noch viele Mängel. Altro Mondo ist weiter stark in der Pflicht.“

Abfall wird aus dem Fenster geworfen

Grünen-Politiker Wilfried Kohs spricht von „einem Auf und Ab“ in der Siedlung und kritisiert „die Spielchen“ von Altro Mondo. Vieles hänge davon ab, ob ein Hausmeister vor Ort sei. Er glaube jedoch nicht mehr daran, dass sich die Lage dauerhaft verbessert. Und auch einige Mieter trügen eine Mitverantwortung an unhaltbaren Zustände: Immer wieder werde Abfall einfach im Außenbereich abgelegt oder auch aus Fenster und Balkon geworfen.

Das Land begründete seine Initiative in einer Pressemitteilung mit den zahlreichen öffentlich gewordenen Missständen in mehreren Kommunen. Das Bauministerium führt unter anderem defekte Aufzugsanlagen Heizungsanlagen, Schimmelbefall und Vermüllung in Wohnungsbeständen von DEGAG/Altro Mondo an. Und: Zahlungsrückstände für Wasser-, Abwasser-, Strom- und/oder Wärmeleistungen oder Maßnahmen zur Instandhaltung würden oftmals erst auf wiederholtes Tätigwerden von Behörden betrieben oder ausgeglichen. „All das passiert auf den Rücken von Mieterinnen und Mietern“, erklärte Bauministerin Ina Scharrenbach (CDU), die bereits in der Vergangenheit die betroffenen Kommunen an einen Tisch geholt hatte.

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