Tiere

Mauersegler in Not: Vögel fallen wegen Hitze aus den Nestern

Hiltrud Buddemeier päppelt die kleinen Mauersegler auf. Sie sind wegen der Hitze häufig aus ihren Nestern gefallen.

Hiltrud Buddemeier päppelt die kleinen Mauersegler auf. Sie sind wegen der Hitze häufig aus ihren Nestern gefallen.

Foto: Svenja Hanusch / FUNKE Foto Services

Herne.  Weil es zu heiß war, sind viele Mauersegler in Herne aus ihren Nestern gefallen. Hiltrud Buddemeier vom BUND kümmert sich um die kleinen Tiere.

Etwas verschlafen blinzeln die kleinen Mauersegler zwischen ihren Tüchern sitzend ins Licht. Sie sind morgens noch nicht so munter. „Das sind richtige Langschläfer“, sagt Hiltrud Buddemeier vom BUND und nimmt vorsichtig eins der Küken aus der Transportbox. Vier von ihnen hat sie zur Zeit in Pflege. Die jungen Vögel waren letzte Woche aus ihrem Nest gehopst – weil es ihnen zu warm war.

„Es war einfach zu heiß für die Vögel“, erklärt Hiltrud Buddemeier. In den vergangenen Jahren sei es immer wieder vorgekommen, dass die Jungtiere aus dem Nest fallen, wenn die Temperaturen zu hoch sind. „Die halten das nicht mehr aus und lassen sich dann einfach fallen.“ Dabei verletzten sich die Jungtiere in der Regel nicht, da sie sehr leicht sind.

Eine größere Gefahr seien Katzen: „Manchmal denke ich, die wissen genau, dass jetzt die Zeit ist und dann schon in der Nähe der Nester lauern.“ Glücklicherweise wissen Hiltrud Buddemeier und ihre Mitstreiter, wo die Mauersegler nisten und halten dort die Augen offen, um die Tiere schnellstmöglich aufzuheben und in Sicherheit zu bringen.

Ideale Brutbedingungen: schwülwarmes Wetter und zahlreiche Insekten

Einige Küken hat sie auch abgeholt: „Der Kommunale Ordnungsdienst hatte welche gefunden und aufgehoben. Da bin ich wirklich sehr dankbar.“ Seither päppelt Hiltrud Buddemeier die Kleinen nun – keine einfache Aufgabe, denn sie müssen alle drei Stunden futtern. Die erste Mahlzeit hatten sie heute morgen um 6 Uhr. Gut in ein Tuch gewickelt, damit sie ruhig bleiben, steckt Hiltrud Buddemeier ihnen Heimchen in den Schnabel. Im Gegensatz zu vielen Singvögeln haben Mauersegler nicht den Reflex, dass sie automatisch ihren Schnabel aufsperren. Bis alle vier genug haben – aktuell rund zehn Heimchen – vergehe eine gute halbe Stunde.

In diesem Jahr seien die Mauersegler spät aus Südafrika zurückgekommen, um zu brüten. Dabei fanden sie ideale Bedingungen vor: schwülwarmes Wetter und zahlreiche Insekten. „So groß und dick waren die Mauersegler noch nie“, freut sich Hiltrud Buddemeier, denen die Vögel am Herzen liegen. Seit Jahren werden es weniger, was unter anderem an fehlenden Nistplätzen liegt. Eine gute Woche werde es sicherlich noch dauern, bis die kleinen Mauersegler flügge sind. Bis dahin werden sie alle drei Tage gewogen und gut im Auge behalten. „Man muss darauf achten, dass sie keine Lausfliegen haben. Die sind nämlich sehr blutrünstig und können für so ein junges Tier den Tod bedeuten.“

Die entscheidenden Federteile fehlen noch

Zwar sind die Jungvögel schon recht proper, aber die entscheidenden Federteile fehlen noch: „Es sind noch nicht alle Federkiele gewachsen und solange die nicht vollzählig sind, können sie nicht fliegen“, erklärt Hiltrud Buddemeier und klappt einen der Flügel auf. Der kleine Mauersegler lässt dies unaufgeregt über sich ergehen – solange es weitere leckere Heimchen für ihn gibt.

Sind die Flügel vollständig, lässt Hiltrud Buddemeier die Mauersegler vom Dach der Biologischen Station aus starten. „Die brauchen immer etwas Luft unterm Kiel.“ Wenn sie etwas mehr Zeit hat, fährt sie in den Erin-Park in Castrop-Rauxel: „Da ist alles sehr grün und von den großen Hügeln können die Mauersegler gut hochsteigen.“

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