Interview

Neue Polizeipräsidentin will gegen Wohnungseinbrüche kämpfen

Kerstin Wittmeier ist seit wenigen Wochen Polizeipräsidentin. Ihr Top-Thema - auch in Herne - ist die Bekämpfung der Wohnungseinbrüche.

Kerstin Wittmeier ist seit wenigen Wochen Polizeipräsidentin. Ihr Top-Thema - auch in Herne - ist die Bekämpfung der Wohnungseinbrüche.

Foto: Ingo Otto / Funke Foto Services

Herne.   Die neue Polizeipräsidentin Kerstin Wittmeier hat die Bekämpfung der Wohnungseinbrüche als eins ihrer Top-Ziel definiert.

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >

Das Polizeipräsidium Bochum hat seit Mitte Oktober eine neue Polizeipräsidentin. Kerstin Wittmeier leitet die Behörde, die auch für Herne zuständig ist. Im Gespräch mit der WAZ-Redaktion erläutert sie, welche Schwerpunkte sie bei ihrer Arbeit sieht.

Frau Wittmeier, Sie haben fünf Jahre lang das Polizeipräsidium Oberhausen geleitet. Waren Sie überrascht, als die Anfrage kam, nach Bochum zu gehen?

Wittmeier: Keiner hat damit gerechnet, dass Diana Ewert die Behörde verlässt. Da war es nicht völlig ausgeschlossen, dass ich angesprochen werde, trotzdem kam der Anruf überraschend.

Welche Unterschiede können Sie nach den ersten Wochen feststellen?

Das Polizeipräsidium ist wesentlich größer, es ist für drei Städte zuständig. Es gibt neue Dinge, die ich kennenlerne. Hier gibt es eine Bereitschaftspolizei, eine Hundestaffel sowie die Reiterstaffel Nordrhein-Westfalens. Ich bin gerade dabei, jede einzelne Einheit kennenzulernen.

Und Ihr erster Eindruck?

Ich habe eine nette und offene Behörde vorgefunden. Hier sind hoch motivierte Mitarbeiter, die einen guten Job leisten. Die Polizei arbeitet schnell und effizient. Das ist woanders nicht immer so. Geht nicht, gibt es hier nicht. Das ist übrigens auch mein Credo. Ich versuche immer, Lösungen für ein Problem zu finden.

Haben Sie auch schon Herne und seine Dienststellen besucht?

Ja. Ich habe die Wache in Herne besucht. Ich habe mir auch vorgenommen, im kommenden Jahr mal bei einer Streife mitzufahren. Am Donnerstag habe ich Oberbürgermeister Frank Dudda getroffen. Schnell haben wir festgestellt, dass die Bekämpfung des Wohnungseinbruchs für uns beide das Top-Thema im Bereich der Kriminalitätsbekämpfung bleiben wird.

Es hat vor einiger Zeit mal Überlegungen gegeben, die Wachen in Herne und Wanne-Eickel an einem Ort zentral zusammen zu legen. Gibt es solche Überlegungen noch?

Unser Grundsatz lautet: Wir schließen keine Liegenschaften. Daran hat sich nichts geändert. Die Menschen wollen ihre Polizei vor Ort haben, die Polizei muss in der Fläche präsent sein. Die Erwartungshaltung der Bevölkerung ist hoch und das Bedürfnis nach Sicherheit noch gestiegen.

Das subjektive Gefühl der Sicherheit ist aber gerade durch die gestiegene Zahl der Tageswohnungseinbrüche eher gesunken. In Oberhausen hatten Sie mit Ihrem Konzept in dieser Hinsicht offenbar guten Erfolg.

Das stimmt, man kann Konzepte aber nicht von der einen auf die andere Behörde übertragen. Die Bekämpfung der Tageswohnungseinbrüche ist das Top-Ziel des Polizeipräsidiums Bochum. Wir werden im Januar Bilanz ziehen. Wir gehen davon aus, dass sich an diesem Ziel nichts ändern wird. Es wiegt schwer, wenn Menschen das Gefühl der Sicherheit in den eigenen vier Wänden geraubt wird. Deshalb müssen wir alles geben, um die Zahlen in den Griff zu bekommen.

Mit welchen Instrumenten wollen Sie das schaffen?

Es war von den Kollegen eine hervorragende Idee, das Einbruchsradar zu installieren, auf dem die Orte der Einbrüche gezeigt werden. Das hilft, die Menschen zu sensibilisieren. Bei der Prävention sind wir auf die Zusammenarbeit mit der Bevölkerung angewiesen.

Seit einigen Monaten gibt es mit den Flüchtlingen ein weiteres überragendes Thema, was die Menschen bewegt, aber auch verunsichert. Welche Strategie verfolgen sie in dieser Hinsicht?

Einerseits ist es wichtig, jenen Menschen, die zu uns kommen, ein sicheres Umfeld zu bieten. Dazu gehört, dass wir ihnen ein anderes Bild von Polizei geben, als sie es aus ihren Heimatländern kennen. Andererseits müssen wir die Ängste der Bevölkerung ernst nehmen. Wir müssen beide Seiten bedienen.

Gibt es denn Auffälligkeiten im Bereich der Herner Flüchtlingsunterkünfte?

Nein. Es gibt zum Beispiel keine gestiegene Kriminalität. Aber wir müssen die Unterkünfte im Blick behalten. Je länger die Menschen in Großunterkünften leben, desto mehr Spannungen wird es geben. Das wäre bei uns selbst aber nicht anders. Je länger der Zustand mit den großen Unterkünften anhält, desto mehr Arbeit wird auf die Polizei zukommen. Das lässt sich nicht verhindern, Da werden wir gefordert sein.

Kann die Polizei die Aufgaben überhaupt noch bewältigen?

Wir sind durch die Flüchtlinge nicht an einer Grenze angekommen, an der wir sagen, dass wir das mit unserem Personal nicht schaffen. Das Präsidium Bochum hat sich relativ früh mit dem Thema Personalentwicklung beschäftigt. Und sich darauf vorbereitet - und zwar völlig unabhängig von den Flüchtlingsströmen - zu sagen, wir müssen uns so aufstellen, dass wir mit weniger Personal unsere Arbeit noch leisten können. Und dass der Personalabbau für den Bürger nicht spürbar ist. Das ist eine große Herausforderung. Im Moment spüren wir den Abbau noch nicht. Wie die Zukunft aussehen wird, wissen wir nicht, weil wir nicht wissen, welche Aufgaben auf uns zu kommen.

In den vergangenen Wochen war des Öfteren von sogenannten No-Go-Areas die Rede. Sehen Sie die Gefahr dieser Problematik auch für Herne?

Das habe ich in Herne nicht so erlebt. Rechtsfreie Räume kann es aus meiner Sicht nicht geben. Die darf es nicht geben! Auch die schwierigen Stadtteile in Duisburg sind keine rechtsfreien Räume. Solche Stadtteile kenne ich hier nicht.

In wieweit belastet die Terrorgefahr die Polizei bei ihrer Arbeit?

Da sind wir permanent dran. An der Gefährdungslage hat sich nach meiner Einschätzung nichts geändert. Wenn wir eine konkrete Gefährdung hätten, würde uns das sicher stark belasten. Bisher sind wir verschont geblieben. Aber hundertprozentige Sicherheit werden wir als Polizei nicht gewährleisten können.

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >
Leserkommentare (4) Kommentar schreiben