Komödie

Stehende Ovationen in Herne für den „Kurschattenmann“

Premiere in der „Kömödie im Park“: Klaus Mahlberg als Frauenheld Ulrich, der nicht nur Alice (Heike Gruß) bedrängt.

Premiere in der „Kömödie im Park“: Klaus Mahlberg als Frauenheld Ulrich, der nicht nur Alice (Heike Gruß) bedrängt.

Foto: Klaus Pollkläsener / FUNKE Foto Services

Herne.  Seinem Charme kann keine widerstehen, und er belügt sie alle: „Der Kurschattenmann“ begeisterte in der Eickeler Komödie am Park das Publikum.

Spätestens seit der Kampagne „Me too“ dürfte dieser Männertyp ausgedient haben. Unverdrossen und von keiner Ablehnung irritiert, scharwenzelt Ulrich um die Frauen herum, die in Bad Pyrmont Erholung für die Seele suchen. Grapscht sie an, will sie küssen, stellt ihnen nach - und trotzdem lieben sie ihn. Auch wenn der „Kurschattenmann“ ein Lügner und Betrüger ist, wie sich im Laufe der amüsanten Komödie von René Heinersdorff herausstellt. In der Eickeler Komödie am Park hatte das - auch schon am Kudamm gespielte -Stück am Samstag Premiere, inszeniert von Klaus Mahlberg, der selbst als Frauenheld im Kurklinikmilieu brilliert.

Für jede Frau eine andere Legende

Um Mahlberg herum agiert das beliebte Ensemble des gemütlichen Zimmertheaters. Vier Frauen schlagen sich vor der sanft mandarinenfarbigen Kulisse des Kurhotels mit dem Mann herum, der sich bei der einen als Kapitän ausgibt und bei der anderen als Architekt und Erfinder der „wassergetragenen Säulenfundamente“. Und allen gaukelt er vor, sie seien so einzigartig wie die Kosenamen, die er ihnen verpasst hat. „Grashüpfer“. Oder „Flamingo“. Da ist Isabel (Karin Krebs), die resolute Pflegedienstleitung, die seit zehn Jahren mit Ulrich liiert und nie aus Bad Pyrmont hinausgekommen ist, sowie als Gäste die naive Witwe Edith (Sonja Kitsch) und die aufgekratzte Alice (Heike Gruß), denen die Depressionen nicht anzumerken sind.

Ulrich Rösner benutzt stets dieselbe Masche, geht mit den Frauen aus, bestellt teuren Wein und Jahrgangsgrappa, um sich am Ende einladen zu lassen: Leider kann ja keiner seinen 500-Euro-Schein wechseln … Und aus dem tauben Daumen, den Ulrich grundsätzlich ins Spiel bringt, lässt sich ebenfalls prima Kapital schlagen. Erst als die rasante Oda (Kristina Keppler) dazustößt, die den anderen Patientinnen selbst so einige Ungereimtheiten auftischt, wachen die Damen langsam auf und sinnen auf Rache.

Frauen schlagen den Betrüger mit seinen eigenen Waffen

Wie Seepferdchen und Co. dem Frauenheld alter Schule dann beikommen, macht den Reiz der Komödie aus, auch wenn die Entwicklung nicht ganz überraschend ist und die Geschichte an manchen Stellen mehr Tempo vertragen könnten. Beim Mitternachtsdinner wird es dann allerdings noch einmal so turbulent, dass das Publikum sich gar nicht wieder einkriegen will vor Lachen. Die Ladys schlagen Ulrich mit seinen eigenen Waffen und lassen seine Parallelwelten krachend einstürzen.

Und am Ende wird es auch noch leicht philosophisch. „Wir sind frei“, gibt Oda den anderen mit. „Wir können gehen. Lasst uns an uns selbst glauben.“ Wer von den vier Frauen Ulrich schließlich bekommt, soll hier nicht verraten werden.

Eine vergnügliche Komödie also, von allen Darstellerinnen und dem einzigen Mann mit Schwung interpretiert. Das Publikum belohnte sie bei der Premiere mit stehenden Ovationen.

Leserkommentare (0) Kommentar schreiben