Asylbewerber

Viel mehr Flüchtlinge als üblich sind in Herne schwer krank

Ein Arzt untersucht in einer Unterkunft einen pakistanischen Flüchtling. In Herne ist die Zahl der schwer kranken Asylbewerber zuletzt stark gestiegen, ihre Lage sei „nicht optimal“, so die Stadt.

Foto: Marijan Murat/dpa

Ein Arzt untersucht in einer Unterkunft einen pakistanischen Flüchtling. In Herne ist die Zahl der schwer kranken Asylbewerber zuletzt stark gestiegen, ihre Lage sei „nicht optimal“, so die Stadt. Foto: Marijan Murat/dpa

Herne.   In Herne sind viele Flüchtlinge schwer krank. Ihre Situation, klagt der Flüchtlingsrat, sei „sehr grenzwertig“. Und das sagt die Stadt.

Die Zahl der Flüchtlinge in den Herner Unterkünften ist weiter gesunken. Das könnte sich ab März wieder ändern, wenn im Rahmen der so genannten Familienzusammenführung Asylbewerber insgesamt mehrere hunderttausend Angehörige nach Deutschland holen, sagt Sozialdezernent Johannes Chudziak. Sorgen bereitet der Verwaltung unterdessen auch die hohe Zahl an kranken Flüchtlingen.

Die Flüchtlingszahlen stagnierten auch deshalb, da Herne genug Menschen aufgenommen habe: „Das Aufnahme-Soll ist vorerst erfüllt“, so Chudziak. 584 Plätze seien in den Unterkünften frei. Durch besagte Familienzusammenführung rechnet er aber mit einem „erheblichen Zuwachs“ der Flüchtlingszahlen, konkret: mit einem Plus von 460 Menschen – „sehr vorsichtig geschätzt“.

Kranke leben konzentriert an der Ackerstraße

Die vielen kranken Flüchtlinge seien derzeit konzentriert an der Ackerstraße untergebracht, berichtete Brigitte Bartels, Leiterin des städtischen Fachbereichs Soziales, im Sozialausschuss. Überproportional viele der zugewiesenen Menschen litten etwa an Schizophrenie, Depressionen, Amputationen oder Krebs. „Anfangs waren wir etwas überfordert“, bekannte sie. Und: „Es gab Zeiten, da war es schwierig, das mit den Sozialarbeitern zu stemmen.“ Mittlerweile habe sich die Lage etwas entspannt, auch deshalb, weil zwei ehrenamtliche Ärzte und eine Pflegekraft im Einsatz seien. Sie betreuten aktuell etwa 14 Schwerstkranke und weitere 30 bis 40 schwer Kranke.

Dass so viele Kranke in Unterkünften leben müssten, damit könne er sich „nicht anfreunden“, sagte SPD-Ratsherr Thomas Spengler im Ausschuss. Er bezweifele, dass sie dort richtig untergebracht seien. „Das finden wir auch nicht optimal“, antwortete Sozialdezernent Chudziak. Die Stadt versuche aber, das Beste aus der Situation zu machen.

Folge sind Zwischenfälle in den Einrichtungen

„Sehr grenzwertig“ nennt Anja Stahl vom Flüchtlingsrat die Lage der Schwerkranken in den Unterkünften. Die pflegerische Versorgung sei nicht optimal, oft sei sie sogar dem Zufall überlassen, ob gerade ein Helfer vor Ort sei, sagt sie zur WAZ.

Ähnlich äußert sich Gustav Haarmann, ehrenamtlicher Arzt in der Unterkunft. Viele Krankheiten, etwa Schizophrenie, seien in den Unterkünften gar nicht handhabbar. Für psychisch Kranke fehlten sogar Therapieplätze. Folgen seien unter anderem auch „Zwischenfälle“ in den Einrichtungen, sprich: „körperliche Angriffe“. Eine bessere medizinische Betreuung wäre wünschenswert. So wie jetzt, bilanziert der Mediziner, sei sie „nicht ausreichend“.

Die Familienzusammenführung, sagt Anja Stahl vom Flüchtlingsrat, werde vielen helfen, sich besser zu integrieren: „Für Flüchtlinge, die ihre Familien wiedersehen, ist das eine Riesenentlastung.“

>>>> WEITERE INFORMATIONEN: Zahl der Flüchtlinge

Aktuell leben laut Stadt 733 Flüchtlinge in den sieben Herner Notunterkünften an der Dorstener-, Buschkamp-, Acker-, Süd-, Augusta- und Sedanstraße sowie am Zechenring. Minderjährig sind 227 Flüchtlinge. Zum Vergleich: Vor anderthalb Jahren lebten dort noch 1500 Asylbewerber.

Die meisten Flüchtlinge kommen aus Syrien (102), dem Irak (64), Eritrea (50), Guinea (61) Nigeria (42), Armenien (39), der Türkei (36) und Ghana (33).

Bis Mitte dieses Jahres, so die Stadt, habe Herne insgesamt 645 Flüchtlinge aufgenommen, etwa 160 seien mittlerweile in eine eigene Wohnung umgezogen.

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