Fotografie

„Auslöser“ als Dokument der Zeitgeschichte

Über den Iserlohner Fotojournalisten Klaus Rose schrieb der Düsseldorfer Autor Udo das Buch „Der Auslöser".

Über den Iserlohner Fotojournalisten Klaus Rose schrieb der Düsseldorfer Autor Udo das Buch „Der Auslöser".

Foto: Cornelia Merkel / Michael May IKZ

Iserlohn.  Udo Achten veröffentlicht „Der Auslöser“, ein Buch über den Fotografen Klaus Rose (82), der seinen Beruf als Berufung versteht.

„Der Auslöser“ nennt der Düsseldorfer Autor Udo Achten sein neues Buch über den Iserlohner Bildjournalisten Klaus Rose. Es ist mehr als eine Biografie des selbstständigen Fotografen, der sich auf Themen aus der Arbeitswelt, Soziales, Politik, Umwelt und medizinische Themen fokussiert.

Es ist ein Stück Zeitgeschichte, das in Fotos, Reportagen und Zeitdokumenten den Lebensweg des 82-jährigen Iserlohners begleitet, der durch seine Fotos in über sechs Jahrzehnten die Entwicklung der Bundesrepublik begleitete. Dabei geriet der gebürtige Hannoveraner mehr als einmal in die Mühlen der politischen Strafjustiz.

Gewerkschafter kritisiert die Kriminalisierung

In seinem Vorwort kritisiert der frühere IG-Medien-Chef Detlev Hensche die Kriminalisierung des Bildberichterstatters Klaus Rose nach Reisen in die DDR und die Teilnahme der Weltjugendspiele in Moskau: Das Landgericht Lüneburg verurteilte ihn 1959 wegen „Staatsgefährdung“ und „Aufnahme landesverräterischer Beziehungen“ zu einer Bewährungsstrafe und verbot Reisen in kommunistische Länder.

Dabei hatte der damals 17-jährige Klaus Rose lediglich am Rande eines Kongresses den damaligen DDR-Staatsratsvorsitzenden Walter Ulbricht um die Entsendung eines Referenten zum Ost-Westdialog des Hannoverschen Jugendforums gebeten und Lichtbildervorträge über die Weltjugendfestspiele in Moskau 1957 gezeigt.

„Der Fall Rose war kein Einzelfall“, verweist Autor Udo Achten auf ähnliche Vorkommnisse und politische Strafjustiz im Klima des Kalten Krieges. Das griff damals auch das Politikmagazin „Panorama“ auf und beschäftigte dann den niedersächsischen Landtag mit Presseschelte. „Staatsgefährdende Fotografie“ heißt ein weiteres Kapitel über Roses Auseinandersetzung mit der Polizei nach Fotos von Demonstrationen. Der Bildjournalist drückte dabei auf den Auslöser, um mit seinen Fotos Gegenbewegungen auszulösen.

„Die BRD war damals alles andere als ein liberaler Rechtsstaat“, sagt Klaus Rose rückblickend, der durch sein Elternhaus geprägt war und sich heute noch darüber aufregt, dass nach dem Krieg Nazis hohe juristische Ämter bekleideten.

Proteste gegen Behinderung und eingestellte Verfahren

Er habe mehrfach Probleme mit der Justiz bekommen, als er bei Demonstrationen und Prozessen fotografierte. Öffentliche Proteste gegen die Behinderung und Verfolgung seiner Berichterstattung führten dazu, dass spätere Verfahren aber eingestellt wurden.

Klaus Rose dokumentierte ab Mitte der 60er Jahre bis 1990 den Wandlungsprozess des Ruhrgebiets mit der Kamera. Mit Udo Achten brachte er dazu bereits den Bildband „Unser Leben. Soziale Bewegungen und Arbeitskämpfe im Ruhrgebiet 1965 - 1989“ heraus.

Der frühere Arbeitsminister Guntram Schneider steuerte ein Grußwort bei: „In der Rückschau wecken die Bilder teilweise Nostalgie, aber sie verklären nicht. Dass sie dabei Emotionen wecken, ist gerade ihre Stärke.“

Die Städtische Galerie Iserlohn zeigte dazu eine viel beachtete Ausstellung, von denen Teile auch in der NRW-Landesvertretung in Berlin zu sehen waren. Die bei der damaligen Zusammenarbeit gewonnenen Einblicke in Roses Arbeit vor und hinter der Kamera hat der Düsseldorfer Publizist Achten in dem jetzt vorgelegten Buch durch Interviews und viele Telefonate vertieft, erzählt Rose von einer zweijährigen Zusammenarbeit am „Auslöser“.

Und sonst? „Das Ruhrmuseum in Essen hat jetzt meine historischen Fotos gekauft. Ich digitalisiere sie gerade“, erzählt Klaus Rose im Gespräch mit unserer Zeitung. Das fotografische Erbe soll so für die Nachwelt erhalten bleiben.

„Und die Deutsche Presseagentur hat 40.000 Fotos von mir im Archiv. Früher war das mal Konkurrenz von mir, heute sind das Partner.“ Beim Besuch in seinem Haus am Schleifenweg erklärt der agile Senior, der seinen Beruf auch im hohen Alter immer noch Berufung betrachtet, dass er nur seinen Fokus verändert hat: „In Zeiten von Corona konzentriere ich mich auf Waldschäden. Ich dokumentiere sie im Iserlohner Stadtwald im Frühjahr, Sommer, Herbst und Winter.“

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