Raser

Blitzer sollen den Bleifuß bremsen

Sie sollen Raser abschrecken: Moderne Radarmessgeräte wie dieses in Hamburg können bis zu vier Fahrspuren gleichzeitig kontrollieren.

Sie sollen Raser abschrecken: Moderne Radarmessgeräte wie dieses in Hamburg können bis zu vier Fahrspuren gleichzeitig kontrollieren.

Foto: dpa Picture-Alliance / Christophe Gateau

Iserlohn.  Während die Ermittlungen zu den Raser-Unfällen andauern, erreicht die Debatte über das Problem das Rathaus. Blitzer und Tempo 30 könnten helfen.

Ein Monat ist vergangen, seit Einsatzkräfte von Polizei und Feuerwehr in der Nacht auf Karfreitag zum Trümmerfeld auf der Mendener Straße ausrückten, wo ein 28-jähriger Hemeraner mit massiv überhöhter Geschwindigkeit einen schweren Unfall verursacht hatte. Fast wäre ein Taxifahrer zum Opfer des Rasers geworden, der 28-Jährige überlebte durch unfassbares Glück in seinem völlig zerstörten Ford Focus ST. Die Ermittler vernehmen noch immer die mehr als 20 Zeugen, teilte Polizeisprecher Dietmar Boronowski mit, noch sei der Fall nicht an die Staatsanwaltschaft übergeben worden.

Staatsanwaltschaft prüft Anklage nach Paragraf 315d

Zweieinhalb Monate liegt ein ähnlich heftiger Crash auf der Hans-Böckler-Straße zurück, bei dem ein 24-jähriger Iserlohner verunglückte: Wegen viel zu hoher Geschwindigkeit flog er bei einem Überholmanöver mit seinem Audi aus der Kurve und auch dabei grenzt es an ein Wunder, dass nur leichte Verletzungen und enorme Sachschäden zu beklagen sind. Hier ermittelt inzwischen die Staatswaltschaft, bestätigte ein Sprecher. Ob schließlich tatsächlich Anklage im Sinne des neuen Strafgesetzparagrafen 315d zu illegalen Straßenrennen erhoben wird, werde sich frühestens in zwei bis drei Monaten zeigen, hieß es.

Während die kriminaltechnische und juristische Aufarbeitung andauert, haben die Diskussionen über die Raserei auf den heimischen Straßen inzwischen die Politik erreicht. Die SPD-Fraktion im Rat hat beantragt, dass sich der Verkehrsausschuss mit dem Aufstellen von Radarmessgeräten an den beliebten „Rennstrecken“ befasst: Dazu zählen die Dortmunder Straße, die Hans-Böckler-Straße, die Mendener Straße und nicht zuletzt der Abschnitt der Bundesautobahn A 46 zwischen den Abfahrten Zentrum und Seilersee. Auch dort könnte die Stadt Iserlohn beschließen, „Blitzer“ aufzustellen, erklärt Rolf Kaiser (SPD), der Vorsitzende des Verkehrsausschusses: „Früher lag das noch in der Hand des Märkischen Kreises beziehungsweise von Straßen NRW. Das hat sich geändert, auch wenn nicht jeder in der Verwaltung das mitbekommen hat.“ Natürlich müssten Kommunen die Kosten übernehmen und die Installation in Absprache mit dem Straßenbetreiber vornehmen, könnten diese aber jederzeit selbst beschließen.

Finanzielle Schwierigkeiten erwartet Kaiser nicht, denn bekanntlich spülten Radarmessgeräte auch Einnahmen ins Säckel der Stadt. „Später eher als früher, aber irgendwann rechnet sich die Installation“, versichert der Sozialdemokrat. In Frage kämen dabei die moderneren, säulenförmigen Geräte, die bis zu vier Fahrspuren auf einmal kontrollieren können. Viele der alten „Starenkästen“ funktionierten zwar noch, würden aber nicht mehr neu gebaut.

Die Verwaltung könnte mehr tun als Fotos zu schießen, ergänzt Rolf Kaiser: „In Großstädten wie Köln und Berlin gibt es inzwischen auf Hauptverkehrsadern, die durch Wohngebiete führen, ab 22 Uhr eine Geschwindigkeitsbegrenzung auf 30 Stundenkilometer.“ Das hätte zugleich den Vorteil, die nächtliche Lärmbelästigung zu reduzieren. Zu dieser Empfehlung komme auch der Gutachter, der im Zuge des Lärmaktionsplans beauftragt worden ist. Zu mehr Mut für Tempo-30-Strecken hatte vor kurzem schon Frederic Rudolph, Experte für Verkehr und Klimaschutz aus Wuppertal, bei einer Veranstaltung der Initiative „Kultur und Natur Drüpplingsen“ aufgerufen – demnach wären sogar drei Fliegen mit dieser Klappe zu erlegen.

„Die Hauptsache ist, dass sich etwas bewegt. Die Unfälle, die wir hatten, sind schlimm genug“, betont Rolf Kaiser, der in der morgigen Sitzung des Verkehrsausschusses auf breite Unterstützung für diese Bestrebungen hofft. Tempolimits stoßen in Deutschland nicht immer auf Verständnis bei den Bürgern, aber im Lichte der zunehmenden Aggressivität im Straßenverkehr, die auch die Polizei feststellt, könnte die Akzeptanz gestiegen sein. Die ersten neuen „Blitzer“ könnten frühestens Ende 2020 im Stadtbereich in Betrieb gehen, glaubt Rolf Kaiser.

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