Schule

Corona-Herausforderung bisher gemeistert

Schülersprecher Florian Jung (vorne) freut sich mit einigen seiner Mitschüler und den Verantwortlichen über die teilweise Rückkehr zur Schulnormalität.

Schülersprecher Florian Jung (vorne) freut sich mit einigen seiner Mitschüler und den Verantwortlichen über die teilweise Rückkehr zur Schulnormalität.

Foto: Torsten Lehmann / IKZ

Iserlohn.  Das Privatgymnasium Iserlohn war rechtzeitig „wachgerüttelt“ worden und hatte sich entsprechend vorbereitet.

Wenn am Freitagnachmittag in der Mensa des Privatgymnasiums Iserlohn die Zeugnisse an die 18 Abiturienten feierlich ausgegeben werden, werden auch Schulleiter Karl-Heinz Marx, Internatsleiterin Susanne Hartken-Rohe und Oberstufenkoordinator Michael Schmidt wohl einmal mehr erleichtert aufatmen, dass die Schule am Seilersee so gut durch die bisherige Coronazeit gekommen ist.

Das habe vor allem unter anderem daran gelegen, dass man schon vorbereitet war, als am Freitag, dem 13. (!) März, die Nachricht von den Schulschließungen am darauffolgenden Montag am Reiterweg eintraf. „Es gab ja dafür viele Anzeichen und wir wollten nicht überrascht werden“, erinnert sich Karl-Heinz Marx, dass die Schule rechtzeitig ihre Hausaufgaben gemacht hatte. Schließlich war man aber ja auch schon am 20. Januar „wachgerüttelt“ worden, als es einen der bundesweit ersten Verdachtsfälle auf eine Covid-19-Erkrankung unter den Schülern gab. Glücklicherweise hatte sich der chinesische Internatsschüler, der zwei Wochen zuvor aus seiner Heimat zurückgekehrt war, aber nur einen Magen-Darm-Infekt eingefangen.

Plötzlich war die Angst vor dem Virus ganz nah

„Da bin ich auch das erste Mal damit konfrontiert worden, dass Corona plötzlich ganz nah sein kann“, berichtete Michael Schmidt, der Biologie und Erdkunde unterrichtet und auch mit seinen Schülern den Klassenraum nicht verlassen durfte bis zur Entwarnung durch das negative Testergebnis nach einer knappen Stunde. „Wir haben schon ein bisschen Angst gehabt“, erinnert sich Yijun Li. Anders als sein jüngerer Mitschüler hatte der 21-Jährige, der vor vier Jahren aus Shanghai an den Seilersee kam, die Weihnachtsferien nicht für einen Heimaturlaub genutzt. Trotz des täglichen Austauschs mit zuhause via Messengerdiensten & Co. hatte er auch tatsächlich erst kurz davor von der da noch Epidemie in Wuhan gehört.

„Dass man innerhalb des kurzen Zeitraums in und um die Schule vorsorglich direkt alles abgeriegelt war, ist sehr, sehr gut gewesen, denn wenn es doch etwas gewesen wäre, hätte es sich ja dann durch das Internatsleben relativ schnell verbreiten können“, stellt Jana Windbergs, Internatsschülerin aus der Stufe Q1, fest. Und der Großeinsatz von Feuerwehr und Rettungskräften an jenem Januar-Montagmorgen am Privatgymnasium hatte den positiven Nebeneffekt, dass man sich ab da regelmäßig mit den Gesundheitsbehörden dazu ausgetauscht hat, und auch im schulischen Bereich eine ganze Reihe von „To-Dos“ vorbereitet wurden, die an dem Freitagnachmittag im März dann nur noch mal aufgearbeitet werden mussten. „Schon mittags hatte man uns da gesagt, dass wir bitte vorsorglich unsere Schulsachen mit nach Hause nehmen“, berichtet die 17-Jährige, die jedes Wochenende nach Bedburg bei Neuss nach Hause fährt. Dass sie dort erst einmal die nächsten Wochen im Homeschooling lernen würde, wusste sie und die anderen knapp 50 Schüler, die ebenfalls heimfuhren, da aber noch nicht. Nicht nach Hause konnte hingegen gut die Hälfte der 20 internationalen Schüler, die dann während des Lockdowns im Internat blieben und dafür alle in Einzelzimmern untergebracht wurden.

Digitaler Ersatzunterricht ist mehr als Einscannen und per E-Mail versenden

„Wir hatten glücklicherweise bereits zu dem Zeitpunkt für die Oberstufe über unseren Träger, die ESO-Gruppe, der die Schüler grundsätzlich mit MS Office ausstattet, Zugänge für Microsoft Teams einrichten lassen“, freute sich Michael Schmidt. Die jüngeren Jahrgänge folgten in den Wochen danach. Darüber konnten dann Aufgaben gestellt und Videokonferenzen abgehalten werden. Dass war nicht nur interessant für die nach Hause gefahrenen Internats- und die Tagesschüler aus Iserlohn und Umgebung, sondern auch wichtig mit Blick auf das 18-köpfige Lehrerkollegium, von dem knapp die Hälfte durch Vorerkrankungen oder Alter zur Risikogruppe zählen. „Das Einscannen von Aufgaben und Erstellen einer pdf, die per Email versendet wird, ist aber noch kein digitaler Ersatzunterricht“, macht Karl-Heinz Marx deutlich, dass die Lehrer gefordert waren und letztlich die an sie gestellten Erwartungen aber auch erfüllt hätten. Die Ausstattung der Schule ermöglichte es, dass auch nach der Rückkehr der Schüler in den Präsenzunterricht eventuell gefährdete Lehrer noch zu Hause bleiben konnten und trotzdem über Leinwand unterrichten und die Schüler dank des Mikrofons mitten im Klassenraum hören konnten.

„Am Anfang war es schon erst so das Gefühl unter den Schülern: Jetzt haben wir Zusatz-Ferien“, berichtet Schülersprecher Florian Jung. Aber gerade zu Beginn sei auch die Menge der Aufgaben sehr groß gewesen, so dass der Aufwand pro Hauptfach bei drei bis vier Stunden gelegen habe. „Im normalen Unterricht nimmt man eben mehr mündlich durch, lernt das quasi nebenbei. Zuhause fehlt dann doch der direkte Input von den Lehrern. Da muss man sich alles selber erarbeiten.“

Bei Menge der Aufgaben fehlte erst die Erfahrung

Bei der Menge der Aufgaben, so räumt Karl-Heinz Marx ein, habe dem Kollegium zunächst einfach die Erfahrung gefehlt. So habe man sich beispielsweise in der Stufe Q2 dann auch nur auf die Abifächer konzentriert. „Denn eine Kollegin hatte beispielsweise 91 Rückläufer von Arbeitsaufträgen in nur einer Woche. Die kann man ja gar nicht alle nachgucken.“ Es hätte dann aber immer anschließend Musterlösungen gegeben, und einige davon stammten sogar von den Schülern.

Dass am Freitagnachmittag anders als an den anderen Gymnasien eine – natürlich bei Wahrung der Abstands- und Hygieneregeln – normale Abi-Zeugnis-Übergabe stattfinden kann, ist zum einen neben der diesmal zwar größeren, aber immer noch überschaubaren Schülerzahl den 300 Quadratmetern in der Mensa zu verdanken, die genug Platz zum Feiern und zum Aufatmen lassen.

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