Pfingst-Brauchtum

Der Ballotsbrunnen als Autoschalter

Der „Ballotsbrunnen“ als Drive-in: Das IBSV-Königspaar Angelika Schmerl und Ralf Löschmann „servieren“ am Autofenster.

Der „Ballotsbrunnen“ als Drive-in: Das IBSV-Königspaar Angelika Schmerl und Ralf Löschmann „servieren“ am Autofenster.

Foto: Stefan Drees / IKZ

Iserlohn.  Die Idee des IBSV, den Ballotsbrunnen-Brauch wegen Corona räumlich zu verlegen, ist honoriert wirden.

Viele Iserlohner haben dieses Bild auf der Festplatte: Es ist 6 Uhr morgens an einem Feiertag, wo das Leben eigentlich noch ruhen sollte. Aber auf den Waldwegen zum Ballotsbrunnen herrscht Betrieb wie an einem Samstagmorgen auf der Wermingser. Am gestrigen Pfingstmontag hätte dieses Bild bei herrlichem Sommeranfangswetter wieder Realität werden können. Hätte – denn wir leben ja immer noch in der Zeit von Corona. Belohnt wurde der IBSV immerhin für seine Idee, einen der prominentesten Iserlohner Bräuche als „Drive-in“ auf den Strobler Platz zu verlegen. Zahlreiche Autos fuhren am Ausgabetresen vor, wo das IBSV-Königspaar Angelika Schmerl und Ralf Löschmann samt Hofstaat das Wasser, welches ja das Leben um ein Jahr verlängern soll, ausschenkten. Einige fuhren auch mit dem Rad am Strobler Platz vor, andere kamen – wie gewohnt – zu Fuß, um noch einen Waldspaziergang folgen zu lassen.

Das zweite Autokommt aus Berlin

Schon um 5.58 Uhr stehen drei Autos an der Zufahrt zum Strobler Platz, wie Hilke Müsse berichtet. Das zweite davon mit Berliner Kennzeichen. Am Steuer eine Frau, die ihre Mutter in Iserlohn besucht hat und bei Facebook von der Aktion erfahren hatte, berichtet König Ralf Löschmann. Einige Besucher kommen auch mit größeren Behältnissen, beispielsweise mit einer Kaffeekanne, um den Gesundheitsspender bevorraten zu können. Alina Brinkmann hat sogar vier große leere Mineralwasserflaschen im Rucksack. Und auch an eine problemlose Befüllung hat sie gedacht und einen Einfülltrichter mitgebracht.

Nach sieben Uhr zieht der Strom derer, die auch in diesem Jahr nicht auf den Brauch verzichten wollen, nochmals an. Um 7.45 Uhr, also 15 Minuten, bevor die Zapfhähne nach oben gedreht werden, erscheint auch IBSV-Oberst Wolfgang Barabo auf der Alexanderhöhe. Er habe dem Königspaar nicht die Show stehlen wollen, begründet er sein relativ spätes Erscheinen. Denn die pfingstmontägliche Brauchtumsveranstaltung sei ja nun mal Sache von Königspaar und Hofstaat. Er und auch Oberstleutnant Wolfgang Kuche sind überrascht, dass doch so viele Menschen den Weg auf die Höhe gefunden haben. Kuche spricht von „einem kleinen Lichtblick in Richtung Normalität“.

Mit zahlreichen Pylonen ist der Fahrweg auf dem Strobler Platz geregelt. Besucher, die es nicht nur bei einem Becher Wasser belassen möchten, finden am Coffee-Bike Alternativen. Und wer den Anblick des Ballotsbrunnens vermisst: Ein Fotoplakat schaffte da ein wenig Abhilfe, eingerahmt von Aufstellern mit Vereinslogo.

Das Königspaar Angelika Schmerl und Ralf Löschmann trägt stilecht Gesichtsmasken mit Krone. Die Gefühlslage ist aber irgendwie gemischt. „Die schönste Zeit für uns als Königspaar wäre jetzt gekommen“, sagt Ralf Löschmann. Mit Ballotsbrunnen, Zapfenstreich, Kommers und schließlich dem großen Fest auf der Höhe. Aber in diesem Jahr ist eben alles anders. Ein Trost: Wegen der besonderen Lage bleibt das IBSV-Königspaar für zwei Jahre im Amt. Alles das, was es jetzt schmerzlich vermissen muss, kann ja im kommenden Jahr nachgeholt werden . . .

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