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Der etwas andere Schützenzug quer durch Iserlohn

Normalerweise jubeln hier die Gäste vom Balkon des Wichelhovenhauses dem Schützenzug zu – doch dieses Mal winkt hier niemand zurück.

Normalerweise jubeln hier die Gäste vom Balkon des Wichelhovenhauses dem Schützenzug zu – doch dieses Mal winkt hier niemand zurück.

Foto: Kevin Pinnow

Iserlohn.  Keine gesperrten Straßen, keine Musik und keine Zuschauer – und trotzdem irgendwie schön

Normalerweise wäre es jetzt rappelvoll rund um die Annastraße. Königspaar, Kompanien, Musikgruppen – alle würden Aufstellung nehmen für den großen Schützenzug, der in wenigen Minuten beginnt. Doch heute ist es hier ruhig und leer, fast wie ausgestorben. Kein Schützenfest, kein Schützenzug. Zumindest kein offizieller. Denn ein kleiner Tross rund um das Königspaar Ralf Löschmann und Angelika „Geli“ Schmerl setzt sich trotzdem langsam in Bewegung in Richtung Alexanderhöhe.

Die Idee zu diesem „virtuellen Schützenzug“ hatte Steffi Köchig. Das Prinzip ist ganz einfach: Jeder der Lust hat, sollte an diesem Wochenende die Schützenzugstrecke abgehen, die Route mit dem Smartphone tracken und auf der Facebook-Seite posten. Als Belohnung gibt es eine Urkunde für die „Schützenumzugsteilnehmer 2020“ – und immerhin ein wenig Schützenfeststimmung.

Mehr fahrende Autos als jubelnde Zuschauer

„Hier ist eigentlich direkt schon Halligalli“, sagt Königin „Geli“ nach der ersten Kurve. Doch von Menschen an den Straßenrändern fehlt jede Spur. Niemand jubelt ihnen zu. Nur ein paar Autos fahren vorbei. Auch etwas unübliches. „Ich kenne das gar nicht, dass wir an roten Ampeln stehen bleiben müssen“, sagt Martina Löschmann, als der „Zug“ in die Isenburg abbiegt. Von dort aus geht es in die Friedrichstraße, vorbei an einem Café. „Was macht ihr hier?“, fragt ein Mann. „Na, Schützenzug!“ Alle lachen.

Auf der Wermingser Straße stimmen sie ein paar Lieder an, die weiß-grünen Fähnchen schwenken sie im Takt. „Halt“, schreit „Geli“ plötzlich am Alten Rathausplatz. „Hier müssen wir kurz warten, hier staut es sich immer.“ Dann kann es weitergehen in Richtung Theodor-Heuss-Ring.

„Horrido, Horrido“, rufen sie lautstark auf Höhe des Wichelhovenhauses und winken in Richtung des Balkons – doch dort steht heute niemand. Immerhin aus den Autos winken ein paar Leute zurück, auch die vorbeifahrende Polizei grüßt mit einem freundlichen „Horrido“.

„Hier an der Schauburg trinke ich immer ein kühles Bier“, sagt Hans-Jörg Jäschke. Darauf muss er an diesem Tag verzichten, ohne Stärkung geht es auf die Schluss-Etappe in Richtung Stadtbahnhof, wo sich der Schützenzug bekanntlich auflöst, und die Kompanien und Musikgruppen für sich auf die Höhe ziehen. „Hier tobt immer noch mal der Bär“, sagt Martina Löschmann mit etwas Wehmut in der Stimme. Man merkt: Sie allen sehnen sich nach einem „richtigen“ Schützenzug – aber auch der „etwas andere“ war irgendwie schön. Darauf wird angestoßen. Mit einem dreifachen „Horri-do, Horri-do, Horri-do“.

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