Design

Die Briefmarke verzeiht keine Fehler

Stefan Klein (li.) und Olaf Neumann mit einem Satz der Briefmarken-Dauerserie „Blumen“, von ihnen gestaltet für die Deutsche Post.

Stefan Klein (li.) und Olaf Neumann mit einem Satz der Briefmarken-Dauerserie „Blumen“, von ihnen gestaltet für die Deutsche Post.

Foto: Sebastian Blesel

Iserlohn.Sie sind bis auf die höchsten bayerischen Gipfel gekraxelt, um ein Edelweiß in seiner natürlichen Umgebung abzulichten, durchforsteten die Botanischen Gärten in Dortmund und Bochum und erwanderten so manchen Kilometer auf der Suche nach den schönsten Blumen-Motiven: Die einerseits aufwendige, andererseits aber um so interessantere Arbeit für die Briefmarken-Dauerserie „Blumen“ der Deutschen Post ist für die beiden Iserlohner Grafik-Designer Stefan Klein und Olaf Neumann seit gut 15 Jahren eine echte Herzensangelegenheit geworden.

Briefmarken sind die Visitenkarten ihres Landes

Zehn neue Blumen erstrahlen im nun 60 Blüten umfassenden Strauß der Dauerserie, deren Motive seit 2004 in der Iserlohner Ideenschmiede gestaltet werden und seitdem hinaus in die ganze Welt gehen. „Briefmarken sind einfach Visitenkarten ihres Landes“, sagt Olaf Neumann im Gespräch mit der Heimatzeitung und holt gleich mehrere Ordner aus dem Regal, in denen all die Briefmarken zu finden sind, die Klein und Neumann mittlerweile für die Post als Herausgeberin der Dauerserien sowie für das Bundesfinanzministerium entworfen haben. Wie viele das bis heute sind? „Hunderte“, sagt Stefan Klein, der auf die kühne Behauptung, dass eine Briefmarke doch schnell gemacht ist, mit Naserümpfen reagiert. „Auch wenn es sich um kleine Motive dreht – die Briefmarke verzeiht keine Fehler, die schon beim Fotografieren gemacht werden“, erklärt der Designer. Und ob es nun um ein großes Plakat geht oder eben um eine nur wenige Zentimeter große Marke – „grafisch stellen sich die gleichen Herausforderungen“, wie Olaf Neumann erklärt. Auf den ersten Blick muss zu erkennen sein, um was es geht, Platz für lange Erklärungen gibt es nicht. „Im Fall der Blumen-Serien sind wir von den Motiven her eher den klassischen Weg gegangen“, fügt Neumann an, betont aber auch, dass die Iserlohner Designer dabei doch Neuland betreten haben: Die Blumen-Briefenmarken waren die ersten, die ein Foto, nicht eine Zeichnung oder einen Stich zeigten. Und die erste Dauerserie, die im Rasterdruckverfahren in der Bundesdruckerei hergestellt wurden. „Die Post suchte damals ein neues Design, und wir konnten mit unserer Bewerbung überzeugen“, erinnert sich Stefan Klein. Einen Namen hatten sich die beiden Iserlohner Designer bei der Post schon zwei Jahre zuvor gemacht, als sie den ersten Preis bei einem Wettbewerb für die Gestaltung von Marken zum Thema Erneuerbare Energien gewonnen hatten.

Mittlerweile gehören Klein und Neumann zum erlesenen Kreis der rund 50 Briefmarken-Designer in Deutschland. Und obwohl dies „nur zehn Prozent unserer Arbeit“ ausmacht, möchten beide die einzigartigen Erlebnisse nicht missen, die sie bei ihren Recherchen hatten: Tête-à-Tête mit Nofretete nachts allein im Museum, Kaffeetrinken mit dem Enkel des Erfinders der Glühbirne, freier Eintritt in die Dornier-Halle, wo die „Do X“ gehütet wird, Treffen mit Ministern und Sportstars – und dann noch selbst Autogramm geben, wenn neue Marken offiziell präsentiert werden.

„Die Briefmarken haben uns manche Tür geöffnet und spannende Begegnungen ermöglicht – und wir haben viel erfahren und gelernt. Früher konnte ich gerade mal Rosen von Tulpen unterscheiden, heute weiß ich, was eine Kuhschelle ist“, sagt Stefan Klein und schmunzelt.

Heute Jury-Mitgliederfür Europa-Marken

Die Kompetenz der Iserlohner Designer hat sich mittlerweile europaweit rumgesprochen: Stefan Klein und Olaf Neumann sitzen heute selbst in der Jury für die Vereinigung „PostEurop“ und entscheiden mit darüber, welche Europa-Marken die Schönste ist.

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