Engagement

Die Raben-Gang und ihre Kommune

Vor dem Start: 15 der inzwischen fast 100 Vereinsmitglieder von Kommune Korax trafen sich am Jagdhaus „Im Kühl“.

Vor dem Start: 15 der inzwischen fast 100 Vereinsmitglieder von Kommune Korax trafen sich am Jagdhaus „Im Kühl“.

Foto: Tim Gelewski / IKZ

Iserlohn.  Im Zeichen des Raben: Bei Kommune Korax geht es einerseits ums Feiern, anderseits möchten sich die fast 100 jungen Leute für die Umwelt einsetzen.

Am Anfang steht die Utopie, doch war die Utopie dieser kleinen Gruppe junger Iserlohner 2017 zunächst eine recht bescheidene. Feiern wollte man. Mit Stil. Und guter Technomusik. Weil die Waldstadt in dieser Hinsicht bekanntlich recht wenig im Programm hat, veranstaltete man eigene Partys. Zum Beispiel im Naherholungsgebiet Dröschede. Mit 30 Leuten. Der Anfang ist gemacht.

Nun, drei Jahre später, ist aus der Gruppe ein gemeinnütziger Verein namens „Kommune Korax“ mit fast 100 Mitgliedern, hauptsächlich in ihren Zwanzigern, hervorgegangen. Viele der Mitglieder haben in Iserlohn studiert oder tun es noch. Feiern will man auch weiter gern. Sich aber auch für die gute Sache einsetzen, bevorzugt für den Umweltschutz. „Eine Gruppe voller Raben, die eine Idee hat: Guten Techno mit liebevollem Krimskrams zu verbinden“, heißt es auf der Homepage. „Der Rabe (Korax), das Mystische daran gefiel uns“, begründet der Vereinsvorsitzende Lucas van Laak die Wahl des Namens. Politisch sei man nicht.

Am vergangenen Samstag nun traf sich ein Teil der Raben-Gang (Selbstbeschreibung) zu einer großen Aufräumaktion am Jagdhaus „Im Kühl“. „Anpacken statt Abladen“ lautet das Motto. Und betrachtet man genauer, wie „die Kommune“ vorgeht, so kann man dies vielleicht als Gegenentwurf etwa zu Vatertagswanderungen verstehen, bei denen einige der Teilnehmer doch immer wieder Müll hinterlassen. „Wir machen gewissermaßen das Gegenteil“, sagt Tim Häfferer, der die Pressearbeit bei der Gruppe macht.

Müll aufsammeln statt hinterlassen – dazu Musik aus der Box und ein Bierchen dabei: ein bisschen erinnert das an die Eventkultur, die sich auch bei „Fridays for Future“ beobachten lässt, wo ebenfalls Spaß mit Einsatz für eine gute Sache kombiniert wird.

„Wir wollten schon länger was machen, wussten aber nicht was“, erklärt Tim Häfferer den Wandel von der reinen Party- zur Umweltschutz-Gruppe. „Wir wollten was machen. Und wir hatten die Leute dazu, auch welche, die sich mit Marketing und Social Media auskennen“, sagt auch Lucas van Laak.

Irgendwann sitzt eine Gruppe von fünf oder sechs Leuten im „Kühl“ mit Inhaber Christian Speerschneider zusammen. Der hat die Kontakte zur Stadt und zum Ordnungsamt. Nach einer ersten kleineren Müllsammlung im Wald im Juni wird der Termin am Samstag für eine größere Aktion angesetzt. Die Stadt und Lobbe stellen einen Container für den gesammelten Müll. „Wir haben zusammen die Dortmunder Straße abgefahren“, erzählt Fabienne Kersting, die im Verein für „Gemeinnütziges und Soziales“ zuständig ist. So wissen die Sammler, wo größere Haufen Unrat zu finden sind.

Am Straßenrand und im angrenzenden Wald nämlich wird hier immer wieder Müll abgeladen. Noch mehr, als in der Coronazeit die Wertstoffhöfe geschlossen hatten. „Davon hat der Förster erzählt“, sagt Lucas van Laak. Und in der Tat kommt bei der Sammlung bis 17 Uhr einiges zusammen. Vom „Kühl“ gibt es Erbsensuppe für die Mittagspause.

Für die Zukunft plant die Kommune Korax weitere Aktionen wie die vom Wochenende. „Vielleicht auch Waldverschönerungen oder Bienenprojekte“, sagt Fabienne Kersting.

Vereinsheim in Zentrumsnähe wird aktuell noch gesucht

Partys soll es ebenfalls weiter geben. Gut 15 hat die Gruppe inzwischen veranstaltet, neben Iserlohn auch in Münster zusammen mit dem befreundeten Kollektiv „Techno am Aasee“. Letztes Jahr kamen 150 Leute zu einer Open-Air-Party („Schlarabenland“) ins Forsthaus Löhen, wo es wenn möglich im September weitergehen soll. Zuletzt (vor Corona) kamen gut 300 Leute zu einer Party in die „Wilde Ente“. „Wir haben gemerkt, da geht was“, sagt Lucas van Laak.

Bis der Verein gegründet war, bedurfte es allerdings einige Hürden zu nehmen: „Es ist schon komisch, wenn es da trotz Notar Fehler in der Satzung gibt“, blickt Lucas van Laak auf den Kampf mit der hiesigen Bürokratie zurück. „Im zweiten Anlauf hat es dann geklappt.“

Und damit nicht genug: „Wir suchen aktuell nach einem Vereinsheim in Zentrumsnähe, in dem man sich handwerklich austoben kann und wo sich Vereinsmitglieder treffen können“, sagt Lucas van Laak noch. Als Verein will „Kommune Korax“ nämlich weiter wachsen und ist offen für neue Mitglieder. „Tritt‘ ein in ein Schlaraffenland voll fließendem Wein und Honig, lass‘ Dir die Bässe auf den Bauch träufeln und die Melodien um den Mund schmieren, sei einfach Du selbst“, heißt es dazu auf der Homepage (www.kommune-korax.de/siehe auch Instagram). „Werde Teil von etwas ganz besonderem.“

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