Chrom-VI-Debatte

Erdbeben in der Wirtschaft befürchtet

Expertenrunde bei Dornbracht: Der CDU-Europaabgeordnete Dr. Peter Liese (re.)beantwortet Fragen. Foto:Toms Mutulis

Expertenrunde bei Dornbracht: Der CDU-Europaabgeordnete Dr. Peter Liese (re.)beantwortet Fragen. Foto:Toms Mutulis

Sümmern.   Dr. Peter Liese spricht mit Unternehmern über mögliches Chrom-VI-Verbot.

In der Schlussphase des Europa-Wahlkampfes sind Unternehmen mit Galvanik – beispielsweise in der Sanitärbranche – gefragte Objekte. Aus diesem Grund besuchte jetzt die SPD-Europaabgeordnete Birgit Sippel die Firma Keuco in Hemer, am Montag war der CDU-Europaabgeordnete Dr. Peter Liese zu Gast bei Dornbracht in Sümmern. Hintergrund ist das drohende Verbot von Chromtrioxid (Chrom VI), welches 2012 als krebserregender Stoff eingestuft worden ist. Von einem Verbot wären rund 1500 Unternehmen innerhalb der EU betroffen. Befürchtet wird ein Verlust von tausenden von Arbeitsplätzen, viele davon auch in Südwestfalen. Bei Dornbracht hatten sich rund 70 Unternehmer beziehungsweise leitende Mitarbeiter eingefunden, um mit Dr. Peter Liese die Problematik zu diskutieren. Der hatte als weiteren Gast Carsten Bermig aus dem Kabinett von EU-Kommissarin Elżbieta Bieńkowska mit nach Sümmern gebracht.

Hoffen auf die EU-Kommission

Am Rande des Treffens, an dem für Dornbracht Uwe Dietrich teilnahm, nährte Dr. Peter Liese die Hoffnung, dass die EU-Kommission einen Antrag zur Genehmigung der Verchromung mit Chrom VI, der von einem Unternehmenskonsortium, darunter Dornbracht, gestellt worden ist, genehmigen wird. Carsten Bermig widersprach dem nicht. Dann wäre die Kuh zunächst für vier Jahre vom Eis. Wegen der Langwierigkeit der Beantragung, so Uwe Dietrich, müsse dann im Prinzip kurz darauf schon wieder ein neuer Antrag gestellt werden. Dornbracht hat daher auch ein weiteres Eisen im Feuer. Einen Einzelantrag, der bei Genehmigung eine Verwendung von Chromtrioxid über einen Zeitraum von zwölf Jahren ermöglichen würde. Einige Unternehmen, so hieß es während der Veranstaltung im Dornbracht-Campus, sollen bereits über eine solche Genehmigung verfügen. Wer am Ende welche Genehmigung in der Tasche hat, darin sieht Uwe Dietrich auch eine Frage der Wettbewerbsfähigkeit. Er räumte aber ein, dass die prüfenden Behörden gewissenhaft vorgehen würden. Belohnt würden die Unternehmen, die in sichere Technik investiert hätten und auch alle Kontrollen und Vorschriften umsetzen würden.

In der Diskussionsrunde sprach ein Unternehmer davon, dass es in der Wirtschaft ein Erdbeben geben könne, wenn der vorsichtige Optimismus in Sachen Chrom VI sich nicht bewahrheite. Und es wurde gefragt, ob man sich in Brüssel überhaupt bewusst sei, was mit dieser Entscheidung alles auf dem Spiel stehe.

Für kleinere Betriebe wird es so oder so schwer

Dr. Peter Liese gab sich überzeugt, dass die Unternehmen in Südwestfalen verantwortungsvoll mit dem Chrom-VI-Verfahren umgehen würden. Dazu gehören beispielsweise auch regelmäßige Kontrollen der Luft auf Chromtrioxid-Belastungen. Für kleinere Betriebe, beispielsweise Lohngalvaniken, wird es schwierig genug, auch wenn es nicht zu einem Verbot kommt. Denn es ist immer ein Nachweis zu führen, dass es keine Alternative zu Chrom VI gibt. Kleine Betriebe, die für viele Kunden aus unterschiedlichen Branchen tätig sind, fürchten, dann für jeden Auftrag einen wasserdichten Nachweis führen zu müssen. Die Wirtschaft wünscht sich, dass hier generelle Nachweise für bestimmte Branchen oder Produktgruppen reichen. Laut Experten gebe es in vielen Anwendungen derzeit keine Alternativen zu Chrom VI in gleicher Qualität und mit gleicher Funktionalität.

Die bei Dornbracht versammelten Unternehmer applaudierten dafür, dass sich Dr. Peter Liese als Abgeordneter in der Thematik einbringt. Liese führte nach eigenen Angaben auch ein Gespräch mit dem Vizepräsidenten der Europäischen Kommission, Jyrki Katainen. Aus Lieses Sicht würde ein Chrom-VI-Verbot auch aus einem anderen Grund keinen Sinn machen. Produktionen und Arbeitsplätze würden dann beispielsweise nach Marokko, in die Türkei oder nach China verlagert, Standorte mit deutlich schlechteren Vorschriften in Sachen Arbeitnehmerschutz und Umwelt.

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