Fridays for Future

Geschwänzt oder sozial engagiert?

Auch wenn die Schulleiter grundsätzlich mit der „Fridays for Future“-Bewegung sympathisieren, müssen sie die Schulpflicht überwachen. Auch morgen wieder, wenn die nächste Demo ansteht.

Auch wenn die Schulleiter grundsätzlich mit der „Fridays for Future“-Bewegung sympathisieren, müssen sie die Schulpflicht überwachen. Auch morgen wieder, wenn die nächste Demo ansteht.

Foto: Michael May / IKZ Michael May

Iserlohn.  „Fridays for Future“ ruft am Freitag die Schüler wieder auf die Straße. Doch was sagen eigentlich die Iserlohner Schulleiter zu den Klimastreiks?

„Fehlstunden wegen sozialen Engagements“ – so kann man das Schulschwänzen für eine Fridays-Demo auch sehen. Und so soll es tatsächlich auch auf dem einen oder anderen Zeugnis des letzten Schuljahres gestanden haben, wenn ein Schüler freitags lieber für die Umwelt demonstriert hat, statt zur Schule zu gehen.

Der Normalfall ist das freilich nicht, zeigt aber, dass es durchaus Sympathien seitens der weiterführenden Schulen für die „Fridays for Future“-Bewegung und die Aktivisten in Iserlohn gibt. Morgen, zum bundesweiten Streiktag für ein besseres Klima, ruft auch die Iserlohner „Fridays“-Gruppe wieder zur Demo auf – größer als je zuvor soll sie werden (siehe Bericht unten). Und dazu haben die Initiatoren auch im Vorfeld die Schulen angeschrieben, um um Unterstützung für die Demo zu werben und gegebenenfalls Wandertage, Exkursion oder Ausflüge für die Demonstration zu verwenden.

Schulleiter müssen Einhaltung der Schulpflicht überwachen

Eine Nachfrage bei den drei weiterführenden Schulen mit Oberstufe in Iserlohn zeigt aber, dass das trotz aller Sympathie nicht so einfach ist. „Wir müssen natürlich im Rahmen des Schulgesetzes bleiben“, sagt Barbara Brühl, Leiterin der Gesamtschule Iserlohn. Und das sehe nun mal vor, dass sie die Schulpflicht zu überwachen hat. Ein Wandertag zur Demo sei höchst problematisch. Schließlich dürfe kein Lehrer seine Schüler politisch beeinflussen, und kein Schüler dürfe zu Demonstration gezwungen werden. Gleiches gelte für ein Exkursion, bei der ein geschlossener Kurs am Ende nur eine beobachtende Rolle einnehmen könne, und nicht aktiv demonstrieren könne. Zudem müsse ein Unterrichtsgang auch in den Unterricht eingebunden, vorbereitet und nachbereitet werden. Von daher könne sie eine Exkursion nur in Ausnahmefällen genehmigen. Die gebe es aber durchaus. Schon bei der letzten Demonstration habe es einen Antrag eines Kurses gegeben, dem auch stattgegeben worden sei.

Die selben Problem sieht auch Stefan Schmoldt, Leiter des Stenner-Gymnasiums. Eine Exkursion müsse eingebunden sein und dürfe keinen Zwang zur Demonstration darstellen. Und Georg Peters, stellvertretender Leiter des Märkischen Gymnasiums, ergänzt, dass es den Klassen freigestellt sei, ihren Wandertag für diesen Zweck einzusetzen, was dann aber von allen – Lehrern, Schülern und Eltern beschlossen werden müsse. Dementsprechend gering sei der Rücklauf. Zumal auch dann die Aufsichtspflicht bestehe, was bei einer großen unübersichtlichen Demonstration mit Straßensperren nicht ohne sei und für die jüngeren Jahrgänge im Grunde von vornherein ausscheide.

Iserlohner Gymnasien wollen alternative Aktionen planen

Gleichwohl sind beide Iserlohner Gymnasien bemüht, das Thema Nachhaltigkeit verstärkt aufzugreifen und zukünftig an den Demons­trations-Freitagen eigene Aktionen und Projekte in der Schule durchzuführen. „Von der Sache her ist das, was die Schüler wollen, ja absolut wünschenswert“, sagt Stefan Schmoldt, der die „Fridays“-Bewegung grundsätzlich für unterstützenswert hält. Eine von der Schule abgesegnete Demonstrationsbeteiligung sei aber eben nicht ganz leicht.

Bleibt denjenigen, die teilnehmen möchten und keinen Kurs mit genehmigter Exkursion besuchen, am Ende doch nur das Schwänzen. Das im Übrigen an den drei Schulen in der Vergangenheit nicht sonderlich ins Gewicht gefallen sei. Genaue Zahlen seien schwer zu nennen, da sich einige auch krank melden. Im Falle des unentschuldigten Fehlens drohen auch keine ernsteren disziplinarischen Maßnahmen. Es bleibt zunächst bei dem entsprechenden Vermerk auf dem Zeugnis. Es sei denn, der Klassenlehrer oder Stufenleiter sieht es anders und nennt das ganze „Fehlstunden wegen sozialen Engagements“.

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