Neuer Schulleiter

Hauptschule wieder mehr in den Fokus rücken

Schulrat Winfried Becker (2. v. re.) überreichte die Ernennungsurkunde an Oliver Dege. Mit ihm freuen sich der Leiter des Schulverwaltungsamtes, Wolfgang Kolbe (re.), und der stellvertretende Schulleiter Rudolf Holtappel, der die Hauptschule Martin Luther in den vergangenen 18 Monaten kommissarisch führte.

Foto: Torsten Lehmann

Schulrat Winfried Becker (2. v. re.) überreichte die Ernennungsurkunde an Oliver Dege. Mit ihm freuen sich der Leiter des Schulverwaltungsamtes, Wolfgang Kolbe (re.), und der stellvertretende Schulleiter Rudolf Holtappel, der die Hauptschule Martin Luther in den vergangenen 18 Monaten kommissarisch führte. Foto: Torsten Lehmann

Iserlohn.  Mit dem 46-jährigen Iserlohner Oliver Dege übernimmt erstmals ein Quereinsteiger die Leitung einer Hauptschule im Märkischen Kreis. Die HS Martin Luther hält er auch in Zukunft für sehr notwendig.

Voller Elan und Motivation präsentierte sich am Freitagmorgen der neue Leiter der Hauptschule Martin Luther bei seiner offiziellen Ernennung. „Ich möchte deutlich machen, dass die Hauptschule keine Einbahnstraße ist, dass man bei uns alle Abschlüsse wie an einer Sekundarschule machen kann und dass diese Schulform in Iserlohn noch lange nicht abgeschrieben ist“, sagte Oliver Dege.

Der gebürtige Dortmunder, der aber schon mit drei Jahren Iserlohner wurde und bis heute blieb und mit seiner Frau und seinem Sohn (3) in Kalthof lebt, ist zudem der erste Quereinsteiger, der im Märkischen Kreis die Leitung einer der jetzt acht Hauptschulen übernimmt.

Nach seinem Abitur 1991 am Märkischen Gymnasium hatte Dege zunächst ein Bauingenieur-Studium an der Uni Dortmund absolviert und auch sieben Jahre lang in einem Mendener Ingenieurbüro gearbeitet. „Ich habe aber schnell gemerkt, dass das nicht der Beruf ist, den ich bis zu meiner Rente machen möchte“, sagt der 46-Jährige. Zu seiner wahren Berufung fand er nach der Rückkehr an die Uni, als er ein Jahr lang als wissenschaftlicher Mitarbeiter unter anderem Studenten unterrichtete.

Durch ein Programm, das Ingenieure in Schulen bringen sollte, konnte er einsteigen, sein Diplom wurde als erstes Staatsexamen anerkannt und durch den „berufsbegleitenden Vorbereitungsdienst“ wurde er zu einem Lehrer wie jeder andere auch: „Zum Referendariat mit voller Stundenzahl kam an den Wochenende noch das pädagogische Grundlagen-Studium – das waren schon zwei harte, aber auch sehr lohnenswerte Jahre“, blickt Dege zurück. Auch die erste Stelle als Lehrer an der Hauptschule Westerfilde war dann eine Herausforderung, gilt der Dortmunder Stadtteil doch auch als ein sozialer Brennpunkt.

Ein Jahrzehnt unterrichtete er dort, die letzten eineinhalb Jahre übernahm er kommissarisch die Leitung der Schule, deren Schließung da aber schon feststand. „Anfangs waren wir noch ein Dutzend Kollegen, zuletzt dann nur noch vier und 50 Schüler.“ Im April bewarb er sich auf die Leiterstelle an der Hauptschule Martin Luther, die seit 18 Monaten kommissarisch vom stellvertretenden Schulleiter Rudolf Holtappel geführt wurde, der am Ende des Schuljahres pensioniert wird.

Viele lobende Worte vonSchulrat Winfried Becker

Nach dem Eignungsfeststellungsverfahren, dessen erfolgreiches Bestehen die Voraussetzung für die Führungsposition ist, arbeitete Dege seit den Sommerferien noch an der zweiten Iserlohner Hauptschule in Letmathe, die mit der „Martin Luther“ eng kooperiert. Am Freitagmorgen wurde er im Kreis der 25 Lehrer, die bei ihrer Arbeit mit den 270 Schülern noch von neun außerschulischen Kräften im Ganztagsbereich unterstützt werden, von Schulrat Winfried Becker offiziell in seine neue Aufgabe eingeführt. „Sie sind selber motiviert und motivieren Ihre Kollegen und Schüler. Sie haben eine aktive Vorbildfunktion. Sie leben, was Sie sagen, und Sie begründen dem Kollegium offen, warum Sie so handeln wie Sie handeln“, konnte Becker aus seinen bisherigen dienstlichen Begegnungen nur Positives über Oliver Dege berichten.

Der so Gelobte möchte aber statt seiner Person lieber die Hauptschule Martin Luther mehr in den Mittelpunkt rücken. Denn in den vergangenen Monaten habe er, wenn er von seiner möglichen neuen Aufgabe erzählt habe, öfter die Frage gehört: „Ach, die Schule gibt es noch?“ An ihrem künftigen Fortbestand hat Oliver Dege nicht nur aufgrund der stets vielen Rückläufer nach der 6. Klasse keinen Zweifel: „Unsere Schüler brauchen dieses kleine System einer Hauptschule mit den klaren Strukturen, der langen Bindung an einen Lehrer und an eine Klasse, die dabei auch ein bisschen Familienersatz ist, und mit erfahrenen Kollegen, die sie auf die Berufsvorbereitung trimmen.“

Für manchen „ein Sprungbrett in die Oberstufe“

Denn dann, so habe er es im vergangenen Jahrzehnt öfter erlebt, könne die Hauptschule für manchen Schüler „ein Sprungbrett in die Oberstufe“ sein. Und gerade auch mit Blick auf die Berufsorientierung könne er als „Spätberufener“ helfen, habe er doch selber früher junge Menschen ausgebildet. „Bei meiner Arbeit mit den Schülern ist es auf jeden Fall ein Vorteil, auch mal etwas anderes gemacht und über den Tellerrand geschaut zu haben.“

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