Corona-Pandemie

Iserlohner Chefarzt schreibt an Bundes- und Landesminister

Dr. Alexander Höfle

Dr. Alexander Höfle

Foto: Michael May

Iserlohn.  Dr. Alexander Höfle kritisiert die Finanzierung von Coronatests in einem offenen Brief.

Über das Messen mit zweierlei Maß bei der Erstattung von Corona-Test-Kosten macht sich Dr. Alexander Höfle, Facharzt für Chirurgie, Viszeralchirurgie, Proktologie und Chefarzt für Allgemein- und Viszeralchirurgie am St.-Elisabeth-Hospital überaus kritische Gedanken. Diese hat er jetzt in einem offenen Brief an Bundesgesundheitsminister Jens Spahn und Landesgesundheitsminister Karl Josef Laumann formuliert. Das Höfle-Schreiben im Wortlaut:

„Sehr geehrte Herren Minister, die Coronakrise hat unser Land und die Welt fest im Griff. Bisher ist es der Politik gut gelungen, den Kollaps unseres Gesundheitswesens zu verhindern. Trotz aller Diskussionen ist dies sicher eine gute Leistung unserer Politiker und Regierung. Jetzt, wo unser Land langsam in die Normalität zurückkehren soll, werfen sich viele Probleme auf. Unter anderem reagiert die Politik damit, dass Urlaubsrückkehrer aus Risikogebieten einer Testpflicht unterliegen und diese Tests kostenlos für diese durchgeführt werden können. Eine sehr schöne Leistung unseres Staates für Menschen, die sich den Luxus leisten konnten, ins Ausland und sogar in Risikogebiete zu reisen.

Ambulante Operationennicht weiter aufzuschieben

In den Krankenhäusern und Arztpraxen muss zunehmend wieder Normalität zurückkehren, weil die dringende Versorgung der Bevölkerung notwendig ist und diese Institution wieder betriebswirtschaftliche Leistungen generieren müssen, da die Überbrückungsgelder oder Ersatzleistungen für das Gesundheitswesen deutlich reduziert werden. Damit die Krankenhäuser nicht von Coronawellen überrannt werden, werden zur Zeit alle stationären Patienten einem Coronatest unterzogen. Das Testergebnis soll nach Möglichkeit zum Zeitpunkt der stationären Aufnahme des Patienten vorliegen, bei Notfallpatienten werden inzwischen entsprechende Separierungen dieser Patientengruppe durchgeführt, bis das Ergebnis vorliegt beziehungsweise die Behandlung mit entsprechend hohen Schutzmaßnahmen für das Personal durchgeführt. Diese Tests für die stationären Patienten werden den Krankenhäusern zusätzlich erstattet, wobei die Höhe und der Modus noch nicht genau festliegt. Aber irgendwie wird dies wohl finanziert werden, denn das ist von den politischen Vertretern zugesichert worden. Zu den notwendigen Versorgungen, die in Krankenhäusern und Arztpraxen durchgeführt werden, gehören auch ambulante Operationen und ambulante Untersuchungen, wie Darmspiegelung, Magenspiegelung, kleinere und größere Operationen, die in Praxen und in Krankenhäusern ambulant durchgeführt werden beziehungsweise ambulant durchgeführt werden müssen, da sie nur bei ambulanter Durchführung entsprechend vergütet werden. Die Leistung unter stationären Bedingungen zu erbringen, ist nur in Ausnahmefällen möglich. Für diesen großen Patientenkreis ist es nicht möglich, einen Coronatest durchführen zu lassen, da niemand die Kosten übernimmt. Diese ambulanten Operationen, ambulante Untersuchungen, können nicht weiter aufgeschoben werden, bis Corona endet, denn wir haben alle gelernt, die Coronakrise wird nicht schlagartig enden, und das Ende ist bisher völlig ungewiss.

Gesellschaftspolitisch halte ich es für ein Unding, dass Urlaubsrückkehrer aus den so genannten Risikogebieten ihre völlig richtige Testverpflichtung kostenlos durchführen lassen können, aber Menschen, die sich einer notwendigen medizinischen Maßnahme ambulant unterziehen müssen, die Kostenübernahme verweigert wird.

Deshalb mein Vorschlag: Prüfen Sie die Möglichkeit, ob auch nicht diese Coronatests übernommen werden, wenn der Behandler vor der ambulanten Maßnahme dies für sinnvoll erachtet, um sich und die Mitarbeiter des Gesundheitswesen etwas schützen zu können. Gleichzeitig wird unser gesamtes Gesundheitswesen hierdurch noch besser geschützt, in dessen Schutz und Ausbau bisher sehr viel Geld im Rahmen der Coronakrise investiert wurde. Falls die Einführung an den Kosten scheitern sollte, kann ich nur vorschlagen zu überlegen, ob die Urlaubsrückkehrer nicht in Zukunft an ihren Testkosten beteiligt werden.

Verzicht auf Applaus, wennRealität anders aussieht

Ich weiß bzw. wir alle wissen, ein Virus ist nicht gerecht, aber die Finanzierung einer Urlaubsreise und ihrer Nebenkosten (Testkosten) ist ein Luxusproblem im Vergleich zur Finanzierung von notwendigen medizinischen Maßnahmen. Ansonsten kann ich gern auf den abendlichen Applaus für die vielen Mitarbeiter im Gesundheitswesen verzichten, wenn die politisch gewünschte Realität anders aussieht.“

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