Corona-Krise

Iserlohner Schausteller wollen „Hand in Hand“ helfen

Unter den wachsamen Augen von Valentin Mikli (links) und seinem Sohn Valentin dreht auch Thorsten Schick die Kurbel der Drehorgel.

Unter den wachsamen Augen von Valentin Mikli (links) und seinem Sohn Valentin dreht auch Thorsten Schick die Kurbel der Drehorgel.

Foto: Vanessa Wittenburg / IKZ

Iserlohn.  Der Iserlohner Schausteller Valentin Mikli besuchte mit seiner historischen Drehorgel das Altenheim St. Pankratius – sehr zur Freude der Bewohner.

Kein Platz ist an den großen Fenstern des Altenheims St. Pankratius mehr frei: Dicht gedrängt sitzen die Bewohner in allen Stockwerken und beobachten den Innenhof der Wohnanlage am Dicken Turm. „Danke“ steht in farbigen Lettern und mit mehreren tiefroten Herzen versehen auf Plakaten, die an den Scheiben kleben. Und dieser Dank gilt Valentin Mikli, der mit seiner Drehorgel aus dem 18. Jahrhundert für einen Lichtblick in der Zeit der Corona-Isolation sorgt.

„Normalerweise holen wir die Orgel nur noch zu Schaustellerhochzeiten raus. Aber die älteren Leute kennen die Klänge noch gut, daher wollte ich ihnen auf diese Art eine Freude machen“, erklärt der Schausteller, der auch seinen Sohn Valentin als Verstärkung mitgebracht hat. Und die Orgel-Melodien kommen gut an bei dem Publikum in den „Logen“ des Altenheims: Es wird geklatscht, gejubelt und schließlich werden auch die Rufe nach einer Zugabe laut. Und die bekommen sie auch – zuerst vom stellvertretende Bürgermeister Thorsten Schick und dann auch vom Leiter des Stadtmarketing Dirk Matthiessen, die sich beide selbst davon überzeugen können, dass das Drehen an der Orgel ganz schön in die Arme geht. „Das ist wirklich anstrengender als es aussieht“, muss Schick danach zugeben.

Schausteller wünschen sich mehr Möglichkeiten

Nach einer letzten Abschiedsnummer für die Bewohner, die sich herzlich mit lauten Rufen bedanken, nutzen die Schausteller natürlich auch die Gelegenheit, um sich mit Thorsten Schick über ihre aktuelle Situation in der Corona-Krise zu unterhalten. Durch die Absagen sämtlicher Volksfeste in naher und auch fernerer Zukunft stehen die Schausteller nicht nur ohne Einkommen da, sondern hätten auch sonst nur wenige Möglichkeiten, ihr Überleben zu sichern. „Uns geht es nicht darum, Gelder zu bekommen. Uns fehlt die Richtung“, erklärt Valentin Mikli, der sich wünscht, Möglichkeiten zu bekommen, seine Dienste anzubieten und so Geld verdienen zu können, beispielsweise mit einem Standort für seine Bratwurstbude.

Thorsten Schick weiß um die Probleme der Schaustellerfamilien und verspricht, entsprechende Konzepte und Möglichkeiten zu prüfen: „Wir müssen immer die möglichen Folgen abwägen, um das größtmögliche Maß an Sicherheit garantieren zu können. Doch es gibt sicherlich Möglichkeiten, wie auch die Innenstadthändler davon profitieren können.“

Planungen für die Zukunft quasi unmöglich

Valentin Mikli, der jetzt in der fünften Generation Schausteller ist, möchte bis es wieder losgehen kann jedoch nicht „Däumchen drehend zu Hause sitzen“. Deshalb hat er sich entschieden nach dem Besuch am Dicken Turm auch weitere Alten- und Pflegeeinrichtungen zu besuchen und mit seiner Musik zu unterhalten. Weiter planen kann er noch nicht: „Der Rest ist momentan noch Zukunftsmusik.“

Leserkommentare (0) Kommentar schreiben