Einzelhandel

Iserlohner stehen zu ihrem Karstadt

Im Beisein der drei Vizebürgermeister übergaben Betriebsräte die Unterschriften für den Erhalt an den Beigeordneten Martin Stolte.

Im Beisein der drei Vizebürgermeister übergaben Betriebsräte die Unterschriften für den Erhalt an den Beigeordneten Martin Stolte.

Foto: Cornelia Merkel

Iserlohn.  Betriebsräte von Galeria-Karstadt-Kaufhof und Karstadt Feinkost übergeben über 5200 Unterschriften an den Beigeordneten Martin Stolte.

Über 5200 Unterschriften für den Erhalt von Galeria Karstadt Kaufhof und Karstadt Feinkost in Iserlohn haben am Dienstag die Betriebsräte an den Beigeordneten Martin Stolte im Beisein der drei stellvertretenden Bürgermeister Michael Scheffler, Thorsten Schick und Karsten Meininghaus übergeben. „Und wir machen weiter“, kündigten die Karstadt-Vertreter bei der offiziellen Übergabe vor dem Haupteingang an, bei der sich Kunden wie Ingeborg Grüber mit ihrer Unterschrift solidarisierten.

Die Iserlohner Politiker und die Verwaltung wollen über Parteigrenzen hinweg alles dransetzen, dass die Konzernleitung ihre Schließungspläne rückgängig macht, bekräftigt Michael Scheffler. Er erinnert an das einstimmige Votum des Rates, Solidarität mit den Beschäftigten zu zeigen und für den Erhalt des Frequenzbringers am Schillerplatz zu kämpfen, auch mit Blick auf den gesamten Iserlohner Einzelhandel (wie berichtet).

„Wenn die bis zum 30. Juni 2021 kündigen, wieso machen die jetzt schon Nägel mit Köpfen?“ CDU-Landtagsabgeordneter Thorsten Schick kritisiert die Entscheidung, das Warenhaus bereits zum 31. Oktober zu schließen. In vielen Branchen gebe es derzeit Nachholbedarf. Auch bei Galeria Karstadt Kaufhof: „Seit die Leute wissen, dass wir schließen, machen wir bombastische Umsätze. Das ist der helle Wahnsinn“, berichtet Karstadt-Betriebrat Matthias Stracke.

Michael Scheffler verweist auf andere Einzelhändler und Gastronomen, die kämpfen, auch wenn sie seit Beginn der Corona-Pandemie enorme Einbußen zu verkraften haben. Die Stadt könne dem Unternehmen bei der Miete entgegen kommen, zeigt Karsten Meininghaus einen gangbaren Weg auf.

„Wir wollen vernünftige Verhandlungen auf Augenhöhe“, erklärt Beigeordneter Martin Stolte, dass sich die Stadt als Eigentümerin der Immobilie seit der Kündigung Ende Juni gesprächsbereit gezeigt habe: „Iserlohn ist bereit, sich zu bewegen. Wir mischen uns ein wo wir helfen können. Man hat uns zugesagt, dass wir mit dem Generalbevollmächtigten sprechen können. Unser Gesprächsangebot besteht rund um die Uhr und ist direkt nach der Kündigung rausgegangen.“

Die SPD-Bundestagsabgeordnete Dagmar Freitag hat ihrerseits die Geschäftsleitung angeschrieben und um Gespräche mit der Iserlohner Verwaltungsspitze gebeten, auch mit Blick auf die Schillerplatzpläne: „Iserlohn als größte Stadt im Märkischen Kreis hat für das Einkaufsverhalten der hier lebenden Menschen eine besondere Bedeutung. Durch einen Rückzug von Karstadt aus Iserlohn würden rund 100 Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen ihren Arbeitsplatz verlieren; die Innenstadt einen zentralen Ankerpunkt für Kundinnen und Kunden. Dass ein Vollsortimenter insbesondere im ländlichen Raum für eine älter werdende Gesellschaft eine besondere Bedeutung hat, ist Ihnen zweifellos bekannt. Die Stadt Iserlohn ist Eigentümerin der Karstadt-Immobilie – ein Faktor, der aus meiner Sicht eine entscheidende Rolle für weitere Gespräche sein könnte. Darüber hinaus liegt die Iserlohner Filiale zentral am Schillerplatz, für den zur Zeit eine komplette Überplanung erfolgt, was auch für Karstadt mehr als interessant sein dürfte.“

„Schlussverkauf“ wirbt das Warenhaus im Schaufenster und auf allen drei Etagen. Die Beschäftigten haben eigene Porträts ins Schaufenster gehängt mit dem Hinweis: „Wir wollen weiterhin für Sie da sein! Mit uns verschwindet auch ein Teil von Iserlohn!“

Karstadt-Kunde Hans-Jürgen Dütemeyer erklärt gegenüber unserer Zeitung auch Bezug nehmend auf die Mahnwache am vergangenen Samstag: „Protestieren vor dem Karstadt-Gebäude beeindruckt niemand bei der Geschäftsleitung. Die Bevölkerung muss jetzt ganz viel kaufen, damit man der Geschäftsleitung in Essen vorführt, was für ein Einkaufsvolumen vor Ort existiert. Die Iserlohner haben nicht erst seit dem Abbau der Schillerplatz-Brücke und den Bauarbeiten an der Sparkasse für rückläufige Umsätze gesorgt.“ Der 82-jährige Iserlohner mutmaßt: „Die meisten Iserlohner sind sich gar nicht bewusst, was Iserlohn verloren geht, wenn Karstadt schließt und die Kunden abwandern in größere Nachbarstädte.“

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