Soziales

Iserlohner Suchtberater: „Weniger Bildung – höhere Suchtgefahr“

Uta von Holten und Thomas Kreklau haben im vergangenen Jahr 451 Menschen bei der Caritas-Suchtberatung betreut.

Uta von Holten und Thomas Kreklau haben im vergangenen Jahr 451 Menschen bei der Caritas-Suchtberatung betreut.

Foto: Jennifer Katz / IKZ

Iserlohn.  Die Angebote der Caritas-Beratungsstelle wurden auch im vergangenen Jahr stark nachgefragt.

Immer mehr Menschen, die abhängig von Glücksspielen sind, suchen die Hilfe der Psychosozialen Suchtberatung des Caritas-Verbandes Iserlohn, Hemer, Menden, Balve auf. Deren Mitarbeiter Uta von Holten und Thomas Kreklau fürchten, dass die Zahlen künftig weiter steigen werden.

Im Bericht des vergangenen Jahres sind 23 Klienten, die spielsüchtig sind, von ihnen betreut worden. „Besonders hohe Suchtgefahr besteht bei Geldspielautomaten und bei Sportwetten“, sagt Uta von Holten. Sie und ihr Kollege würden sich in diesem Bereich strengere Regelungen wünschen, befürchten aber mit Blick auf den im Juni 2021 auslaufenden Glücksspiel-Staatsvertrag das Schlimmste. Auch die Zahl der Medien- beziehungsweise Internetabhängigen wachse stetig, insbesondere auch bei Jugendlichen.

451 Menschen haben 2019 den Kontakt zur Caritas-Suchtberatung gesucht. Bei 300 Fällen handelte es sich um Einmalkontakte, die übrigen Personen wurden längerfristig betreut. Bei den 151 längerfristigen Betreuungen liegt der Frauenanteil bei 40 Prozent. Generell ist die Altersgruppe der 41- bis 60-Jährigen am stärksten vertreten. Das hat einen Grund, wie Thomas Kreklau sagt: „Es vergehen 20 bis 25 Jahre, bevor Abhängige eine Beratungsstelle aufsuchen.“ 124 Frauen und Männer, die sich an die beiden Fachleute gewandt hatten, sind alkoholabhängig. Ratsuchende, die vorrangig illegale Substanzen konsumieren, werden an die Anonyme Drogenberatungsstelle (Drobs) verwiesen. Ein relativ hoher Anteil – 40 Prozent – der Klienten lebt ohne festen Partner und meist auch ansonsten sozial isoliert. Uta von Holten skizziert ein weiteres Problem: „Weniger Bildung bedeutet leider auch ein höheres Suchtrisiko.“ Und auch die Zahl der Grundsicherungsempfänger unter den Hilfesuchenden steige langsam, aber stetig. Wer den Weg in die Abstinenz suche, habe häufig auch Schwierigkeiten, wieder auf dem ersten Arbeitsmarkt Fuß zu fassen. „Zeitarbeit wird von den meisten abgelehnt“, erzählt Uta von Holten. Sie hat Verständnis dafür, dass die Suchterkrankten bei solchen Firmen ungern anfangen möchten. „Sie bekommen kaum Möglichkeiten, sich weiterzuentwickeln“, so die Di­plom-Sozialtherapeutin. Bei den jüngeren Schützlingen sei es zwar erfreulich, wenn sie bereits während oder kurz nach einer Therapie in Umschulungen oder Ähnliches vermittelt würden, jedoch bedeute dies wiederum Druck, dem die Betroffenen mit Rückfällen begegneten. „Sie brauchen erst einmal Stabilität“, so Thomas Kreklau.

Steiniger und harterWeg in die Abstinenz

Dies gelte auch, weil ein großer Teil der Klienten nicht nur abhängig ist, sondern auch unter psychischen Erkrankungen leidet. „Jeder Zweite hat einen erhöhten Beratungs- und Behandlungsbedarf“, betont Uta von Holten. 16 Vermittlungen in Ambulant betreutes Wohnen, 15 in Entgiftungsbehandlungen, elf in stationäre Rehabilitationseinrichtungen und zehn in eine ambulante Reha weist der Jahresbericht für 2019 aus. Bei 52 Prozent der Hilfesuchenden hat sich die Suchtpro­blematik positiv verbessert, bei 34 Prozent blieb sie unverändert. „Es ist oft ein harter und steiniger Weg. Zwei Jahre Zeit muss man sich schon geben“, so Kreklau.

Das Beratungsangebot wird spätestens in der zweiten Jahreshälfte um die Beratung zur MPU (Medizinisch-Psychologischen Untersuchung) bei Verlust des Führerscheins beispielsweise durch Alkoholmissbrauch ergänzt.

Weitere Informationen gibt es unter www.caritas-iserlohn.de.

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