Theater

Landestheater schafft Nähe zu entfernter Krisenregion

Jugendtheaterreihe "Echt Krass! Theater 4You" "Malala"

Jugendtheaterreihe "Echt Krass! Theater 4You" "Malala"

Foto: Hendrik Schulze Zumhülsen

Iserlohn.   Inszenierung über das Leben der Friedensnobelpreisträgerin Malala Yousafzai beeindruckt Iserlohner und Hemeraner Schüler.

Krisenregionen wie Pakistan, Afghanistan und Syrien sind nicht nur aufgrund ihrer riesigen Entfernung zur Waldstadt weit weg. Über Anschläge oder Menschenrechtsverletzungen erfährt man häufig aus einer nachrichtlichen Distanz, Einzelschicksale werden nicht wirklich abgebildet. Da ist es umso erfrischender, wenn das Westfälische Landestheater mit dem Stück „Malala“ von Flo Staffelmayr diese Grenze durchbricht. Zwei siebte Klassen des Hemeraner Woeste-Gymnasiums und Berufsschüler des Hansakollegs aus dem ersten Lehrjahr der Fachrichtung Kinderpflege haben gestern die Aufführung über die junge pakistanische Friedensnobelpreisträgerin auf der Studio-Bühne des Parktheaters gesehen.

Und das Stück beginnt gleich mit etwas Bekanntem. Schauspielerin Sabrina Sauer krakeelt als Busfahrer in kölnischem Akzent über die Bühne und erinnert sehr stark an Comedy-Auftritte von Carolin Kebekus. Um die Illusion aufrecht zu erhalten, hat sie sich mit einem Filzstift einen Schnurrbart auf den Finger gemalt und hält den Finger an die passenden Stelle über der Oberlippe. Es ist ein Ein-Personen-Stück. Insgesamt mimt sie sieben Rollen inklusive Malala, ihrem Vater, ihrem Bruder und einem pakistanischen Stammesvorsteher, immer mit recht einfachen Verkleidungen.

Pakistanerin singt Lieder von Popstar Justin Bieber

Das Stück gelingt, weil sie die Zuschauer miteinbezieht und Malala und ihr ganzes Umfeld wie normale Menschen darstellt. Kaum jemand würde sich die überlebensgroße Malala Yousafzai, die sich gegen die Taliban aufgelehnt hat, als kichernde Teenagerin vorstellen. Sabrina Sauer spielt die Nobelpreisträgerin als Mädchen, das die Buchreihe „Twilight“ mag und begeistert und ein wenig verschüchtert den Pop-Song „Baby“ von Sänger Justin Bie­ber singt. Sie setzt sich zu den Zuschauern, quatscht über Tücher aus dem Basar und bietet den Jugendlichen Feigen an.

Besonders aber in den düsteren Momenten zieht die Handlung die Zuschauer in ihren Bann. Original-Aufnahmen aus der Radio-Propaganda der Taliban schallen über die Bühne. Die Frauen und Bildung verachtende Politik der Extremisten wird durch eine pakistanische Stammesversammlung deutlich, in denen auch die Zuschauer Sätze wie „Die Fremden schauen unsere Frauen an“ oder „Unsere Töchter und Frauen gehören uns“ vorgelesen haben. Durch Stroboskoplicht und geschickt eingesetzte Dunkelheit wird das Klima der Angst im von den Taliban besetzten Swat-Tal deutlich. Alles gipfelt in dem Attentat der Taliban auf die damals 15-jährige Ma­lala, das sie nur knapp überlebt.

Am Ende der Aufführung klingt ein Auszug aus der Rede der heutigen Friedensnobelpreisträgerin vor der UNO über die Bühne, die der Busfahrer mit einem flapsigen: „Uno, das ist aber nicht das Katenspiel von der Oma“ einführt. Die Rede ist auf Englisch, die entscheidenden Worte schreibt Sabrina Sauer auf die Tafel: „Ein Kind, ein Lehrer, ein Buch und ein Stift können die Welt verändern.“

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