Beruf

Mehr als nur eine Warteschleife

Lewin Schmitz (li.) an seinem Arbeitsplatz im Betrieb von Andreas (2. v. li.) und Cedric Weise (re.). Mit dabei Christiane Schulte (3. v. li.) und Margarethe Halaczkiewicz, die ihn auf dem Weg dorthin begleitet haben.

Lewin Schmitz (li.) an seinem Arbeitsplatz im Betrieb von Andreas (2. v. li.) und Cedric Weise (re.). Mit dabei Christiane Schulte (3. v. li.) und Margarethe Halaczkiewicz, die ihn auf dem Weg dorthin begleitet haben.

Foto: Michael May

Iserlohn.  Berufsvorbereitende Bildungsmaßnahmen werden oft als Abstellgleis abgestempelt, dabei helfen sie Jugendlichen bei der beruflichen Orientierung.

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Es war ein holpriger, ja gar steiniger Weg, mit vielen Aufs und Abs, den Lewin Schmitz da hinter sich hat. Nach der Grundschule geht es für ihn auf das Gymnasium in Letmathe. Erst läuft alles gut, dann muss er die neunte Klasse wiederholen. Danach geht er von der Schule, wechselt auf ein Berufskolleg in Menden. Doch auch da läuft es nicht wirklich, Lewin bricht ab und steht ohne irgendeinen Abschluss da.

Mittlerweile sieht das anders aus. Der 18-Jährige hat den Hauptschulabschluss nach Klasse 10 nachgeholt, hat seit August 2019 bei der Andreas Weise GmbH einen Ausbildungsplatz – auch dank der berufsvorbereitenden Bildungsmaßnahme (bvB) beim Berufsbildungszentrum (bbz) der Kreishandwerkerschaft.

Gespräche und Praktika helfen bei der Berufsorientierung

Dort können Jugendliche, die die Schulpflicht erfüllt haben, aber noch keine Ausbildungsstelle gefunden oder diese wieder verloren haben, neue Berufe kennenlernen und die eigenen Berufswünsche besser einschätzen. „Ich wollte eigentlich Industriemechaniker werden“, sagt Lewin. Doch Gespräche mit seiner Bildungsberaterin Christiane Schulte im Rahmen der bvB und die dazugehörigen Praktika haben gezeigt, dass andere Berufe vielleicht besser zu ihm passen: so wie der des Modellbauers.

„Das bbz ist eine tolle Schnittstelle“, sagt Andreas Weise. Er war es, der Lewin nach einem Praktikum in seinem Handwerksbetrieb in Sümmern den Ausbildungsvertrag angeboten hat. „Es gibt viele gute junge Leute. Aber den richtigen Platz zu finden, ist für sie eine schwierige Sache.“ Daher seien Praktika enorm wichtig – für beide Seiten. Denn so können auch die Betriebe sehen, ob jemand mit Willen und Spaß an die Sache rangeht. „Das ist wichtiger als gute Noten.“

Die gehören aber natürlich auch irgendwie dazu. Im Fall von Lewin hieß das, den Hauptschulabschluss nachzuholen. „Das war in diesem Fall das erste große Ziel. Und dann über Praktika den richtigen Arbeitgeber zu finden“, sagt Margarethe Halaczkiewicz, Berufsberaterin der Agentur für Arbeit. Beides hat geklappt. Darüber sind alle Seiten froh. „Es war von Anfang an eine Win-Win-Situation“, sagt Christiane Schulte.

bvB geht über einen Zeitraum von rund einem Jahr

Mittlerweile dient Lewin als gutes Beispiel, auch für die Jugendlichen, die jetzt gerade in die neue Maßnahme gestartet sind. 54 sind es derzeit, einige Plätze sind sogar noch frei. Bei einer Informationsveranstaltung wurde ihnen der genaue Ablauf der bvB vorgestellt, dazu die fünf Gewerke, aus denen sie wählen können: Farb- und Raumgestaltung, Metallwerkstatt, Lager und Handel, Kosmetik, Körperpflege und Wellness sowie Wirtschaft und Verwaltung. Ausbilder, Lehrkräfte und Sozialpädagogen beim Bildungsträger arbeiten nun an fünf Tagen in der Woche über einen Zeitraum von einem Jahr zusammen – um mit ihnen gemeinsam den perfekten Ausbildungsplatz zu finden und sie dafür optimal vorzubereiten. So wie Lewin.

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