Geburtstag

Mit 95 denkt der ehemalige IKZ-Redakteur an die Demokratie

Familienfoto auf dem geliebten Balkon in Wermingsen: Karl Heinz Anders (kurz -ers, in der Mitte mit Rollator), langjähriger Redakteur der Heimatzeitung, hat am Donnerstag seinen 95. Geburtstag mit seiner Familie und dem stellvertretenden Bürgermeister Michael Scheffler gefeiert.

Familienfoto auf dem geliebten Balkon in Wermingsen: Karl Heinz Anders (kurz -ers, in der Mitte mit Rollator), langjähriger Redakteur der Heimatzeitung, hat am Donnerstag seinen 95. Geburtstag mit seiner Familie und dem stellvertretenden Bürgermeister Michael Scheffler gefeiert.

Foto: Andreas Drees / IKZ

Iserlohn.  Karl Heinz Anders, langjähriger Redakteur beim Iserlohner Kreisanzeiger, hat sich auch im hohen Alter seinen wachen Geist bewahrt.

„Wenn er so weiter geraucht hätte, wie er geraucht hat, wäre er heute nicht 95 geworden“, kommentiert die Schwiegertochter schlagfertig den nicht ganz ernst gemeinten Hinweis, dass Journalisten ja eigentlich gar nicht so alt würden. Karl Heinz Anders, zu Dienstzeiten als Redakteur beim Iserlohner Kreisanzeiger meist nur mit dem Kürzel „-ers“ und danach noch viele Jahre mit Berichten von Messen im Blatt präsent, hat jedenfalls bislang eine gewisse Zähigkeit und einen wachen Geist bewiesen. Das Rauchen habe er schon mit 50 Jahren aufgegeben, ergänzt der Jubilar, äußert dann aber Zweifel, ob diese Entscheidung sein Lebensalter ermöglicht habe. Gestern konnte er den stolzen Geburtstag feiern – neben der Familie hatten sich auch einige Freunde in seinem Haus am Waldrand in Wermingsen eingefunden, und damit den Hinweis ignoriert, dass in diesem Jahr wegen Corona später gefeiert werden sollte.

Die Glückwünsche im Namen der Stadt überbrachte Michael Scheffler als stellvertretender Bürgermeister, der selbst schon in der Kommunalpolitik aktiv war, als Karl Heinz Anders diese noch journalistisch begleitet hatte. Doch anstatt diese Zeiten anzusprechen, erinnerte sich der Jubilar im Gespräch an seine Kindheit in Neisse, seiner Heimatstadt in Oberschlesien, und an das Erstarken der Nationalsozialisten. Er habe erlebt, wie Nazis damals überall durch die Stadt gerannt sind, erinnere sich an die Repressalien gegen Andersdenkende auch innerhalb der Familie und die Auswirkungen auf das Leben in der Stadt. Zwei Jahre lang musste Karl Heinz Anders selbst an die Front, wurde in Finnland verwundet, kam später im Osten in russische Kriegsgefangenschaft. „75 Jahre Frieden, das ist so ein Glück, das kann sich niemand vorstellen“, betonte der Jubilar und formulierte Scheffler gegenüber auch sein Unbehagen und seine Sorgen, dass rechte Kräfte mittlerweile wieder an Bedeutung zugelegt haben. Er wünsche sind ein schärferes Vorgehen des Staates dagegen, ein vehementeres Eintreten für die Demokratie.

Berufsleben als Redakteur war ein Glücksfall

1952 war Karl Heinz Anders nach Iserlohn gekommen und arbeitete zunächst als Fabrikarbeiter. „Nach Feierabend bin ich dann bei den Redaktionen vorbeigegangen und habe gefragt, was ich tun kann.“ Der damalige IKZ-Verleger Walther Wichelhoven bot ihm ein Volontariat an. „Das war ein Glücksfall für mich“, bewertet der Jubilar rückblickend die Entscheidung für den Beruf und den Verlag. Ob er mit seinem Journalismus etwas habe bewegen können in der Stadt? Nein, dieser Anspruch sei überzogen. „Manches in Iserlohn sähe anders aus, wenn man mir gefolgt wäre“, sagt Karl Heinz Anders, der in seinen aktiven Zeiten viel über die Stadtentwicklung geschrieben hatte. Baurat Brasse habe einmal ein halbes Jahr lang mit ihm kein Wort gesprochen, erinnert er sich. Und an das Sanierungsgebiet VI, heute der Kaufland-Komplex in der Stadt: Wäre es nach -ers und seiner Kommentierung gegangen, wäre dort heute eine Grünfläche.

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