Radfahren

Nicht bremsen für die nächste Etappe

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Bernhard Schomm (ADFC) im Alltagstest an der Hansbergstraße: Der schöne Radweg endet abrupt, von allen Seiten kommen Autos.

Bernhard Schomm (ADFC) im Alltagstest an der Hansbergstraße: Der schöne Radweg endet abrupt, von allen Seiten kommen Autos.

Foto: Alexander Barth

Iserlohn.  Trotz schlechterer Benotung beim neuen Fahrradklimatest macht Iserlohn Fortschritte, sagt der ADFC.

Eine starke Verschlechterung der Radfahrfreundlichkeit bescheinigt der ADFC der Stadt Iserlohn in dem gerade veröffentlichten Fahrradklimatest: Die Wertung ist abgerutscht von 3,5 (2016) auf eine glatte 4 – Schulnoten. Dieses Ergebnis überrascht vor dem Hintergrund, dass die Waldstadt beim letzten Mal in der Aufsteigerwertung der Mittelstädte besonders gut abgeschnitten hatte. Bernhard Schomm, Ortsgruppensprecher des ADFC in Iserlohn, hat eine Erklärung: „Nicht die Situation vor Ort hat sich verschlechtert, die Teilnehmer sind kritischer geworden.“ Die Bürger seien inzwischen sensibler für die Radinfrastruktur. „Manche sind vielleicht auch verwöhnt aus dem Urlaub, weil sie gesehen haben, was andere Städte heute anbieten“, vermutet Schomm.

Unfair findet er das Prädikat „ausreichend“ allerdings nicht: „Ich glaube, die Leute haben realistischer bewertet. Diesmal waren auch deutlich mehr Teilnehmer dabei.“ Daran könne man das gewachsene Interesse ablesen, denn die Mobilität verändere sich zusehends. „Demnächst kommt noch der E-Scooter als neuer Player dazu, darauf sollten wir uns einstellen“, erklärt der Ortsgruppensprecher. Dafür sei ein Umdenken erforderlich, zu dem viele aber noch nicht bereit seien. „Der Verkehrsraum ist 40 Jahre lang für Automobile priorisiert worden, eine Neuordnung ist überfällig. Das Fahrrad muss seinen gebührenden Anteil daran bekommen.“

Mit Blick auf die Zeit seit dem letzten Test erkennt der ADFCler Bemühungen der Verwaltung, die er im Ergebnis jedoch als „Flickenteppich“ bemängelt. Das Radverkehrskonzept für Iserlohn stecke noch in den Kinderschuhen, gebraucht würden ganzheitliche Maßnahmen statt Insellösungen. Positiv hebt er hervor, dass schon einige Einbahnstraßen gegen die Fahrtrichtung für Radfahrer geöffnet worden sind. Auch lobt er den geplanten Ausbau der Lenneroute Richtung Hohenlimburg, ein Anschluss des Baartal-Radwegs an den Ruhrtal-Radweg sei ebenfalls in der Diskussion – derzeit müssen sich Fernradler dafür noch durch Hennen zwängen. „So ein Anschluss wäre touristisch wertvoll.“

City schlecht erreichbar, Parkmöglichkeiten fehlen

Baustellen gibt es auch im Zentrum genug, sagt Bernhard Schomm: „Die Innenstadt ist mit dem Fahrrad schwer erreichbar, egal, aus welcher Richtung man kommt. Und wenn man es dorthin geschafft hat, weiß man nicht, wo man das Rad sicher abstellen kann.“ Da der Trend zu immer hochwertigen Drahteseln und E-Bikes geht, müsste in der City eigentlich eine spezielle Parkgarage zur Verfügung stehen. „Es gab schon Pläne, so etwas im Saturn-Parkhaus umzusetzen, das ist inzwischen ins Stocken geraten“, berichtet Schomm mit Verweis auf den Einzug des Sportfachgeschäfts Decathlon.

Exemplarisch für den Stand in Iserlohn kann eine Stelle an der Hansbergstraße hinter dem Toom-Baumarkt stehen, wo ein abschüssiger Radweg vor einem Geländer endet; von allen Seiten kommen Autos, hier auch viele Lastwagen und Busse. „Der Radweg ist wirklich gut, da hat die Stadt ganze Arbeit geleistet. Aber hier ist Schluss, die Situation ist unübersichtlich und riskant für Radfahrer.“ Es gebe viele solche Bereiche, die Fortschritte erkennen ließen, gleichzeitig aber verdeutlichten: „Darauf dürfen wir uns nicht ausruhen.“

Das gelte derzeit auch, wenn man von der Baarstraße oder von Genna über die Lenneroute fahren möchte. „Das soll ein familienfreundlicher Fernradweg sein, aber da können Sie kein Kind alleine fahren lassen.“ Auch Erwachsene bräuchten nicht nur Infrastruktur, sondern auch Training, sonst werde E-Bike-Fahren schnell gefährlich. Der ADFC will für die Stadt ein guter Berater sein und hofft, dass die Entwicklung gemeinsam vorangetrieben werden kann. Der Bedarf sei da: „Iserlohn möchte Fahrrad fahren.“

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