Corona-Krise

Podologie: Praxis-Besuch ist weiter problemlos möglich

Foto: Torsten Lehmann / IKZ

Iserlohn.  Beim Podologen Björn Freiburg und seinen Kollegen ist für ausreichenden Schutz und umfassende Desinfektion gesorgt.

Björn Freiburg geht immer erst vom Schlimmsten aus, ganz gleich ob privat oder beruflich. „Denn dann kann es ja nur besser werden“, sagt der 42-jährige Podologe mit einem Schmunzeln und macht damit deutlich, dass er alles andere als ein „Berufspessimist“ ist.

Auch als die ersten Anzeichen der Corona-Krise am Horizont auftauchten, habe er schon direkt gedacht: „Du musst aufpassen!“ Schließlich trägt er nicht nur Verantwortung für seine Frau und die beiden Kinder daheim in Balve-Mellen, sondern auch für 35 Mitarbeiter in fünf Praxen. Nach dem Einstieg und der späteren Übernahme der medizinischen Fußpflege-Praxis seiner Mutter 2001 hat er kontinuierlich expandiert: zunächst 2005 in Iserlohn an der Albecke, 2008 an der Hauptstraße in Hemer, 2010 dann in Menden und zuletzt vor fünf Jahren in Sundern. Und muss nun wie alle anderen zusehen, dass der „Laden“ auch und gerade in diesen Zeiten weiterläuft.

„Uns sind 50 Prozent der Kundschaft weggebrochen“, bilanziert Freiburg. Wohlwissend, dass es anderen aus der Branche noch schlechter geht, weil sie als rein kosmetische Fußpflege oder als Podologie ohne entsprechende Zulassung komplett schließen müssen. Er hingegen kann weiterhin mit seinem Team alle Patienten behandeln, denen der Arzt die notwendige Verordnung verschrieben hat. „Denn wir müssen uns ja auch weiter um die ,Problemfüße‘ beispielsweise von Diabetikern kümmern“, verdeutlicht Freiburg.

Das eigentliche Problem sei nun aber, dass viele der älteren Patienten den allgemein ja geltenden und auch gültigen Rat befolgen und zuhause bleiben und deswegen auch trotz medizinischer Notwendigkeit ihre Termine absagen würden. Wozu aber gar keinerlei Anlass bestehe: „Wir haben ja schon vor der Corona-Krise klar geregelte, umfassende Hygiene-Vorschriften gehabt, die wir nun zum Schutz des Patienten und dem der Mitarbeiter noch einmal entsprechend weiter verschärft haben.“

Schon mit Bekanntwerden der ersten Einschränkungen des öffentlichen Lebens wurden so beispielsweise die Empfangsbereiche mit Desinfektionsmitteln und mit Plexiglas-Scheiben ausgestattet. Das improvisierte System hat sich der Ehemann von Verwaltungsmitarbeiterin Sandra Vogler ausgedacht.

Um die Wartezeiten so kurz und das Wartezimmer so leer wie möglich zu halten, wurden die Termine, deren Gesamtzahl durch den Wegfall der sonstigen Behandlungen reduziert ist, noch einmal neu getaktet. „Zudem haben wir das Glück, dass wir ja mehrere Behandlungsräume haben, die wir jetzt immer nacheinander nutzen, so dass das Desinfektionsmittel einwirken kann.“ Das für den einzelnen Patienten benötigte Instrumentarium sei sowieso steril eingeschweißt und deswegen absolut keimfrei. Und bei den Behandlungen wären für seine Mitarbeiter und ihn die Handschuhe und der Mundschutz immer schon obligatorisch gewesen. „Wir lernen schon in der Ausbildung, dass uns Patienten, wenn sie zum ersten Mal bei uns sind, möglicherweise nicht sagen, wenn sie unter ansteckenden Krankheiten leiden. Deswegen dienen die Sicherheitsmaßnahmen seit jeher auch unserem eigenen Schutz.“

Gleichwohl hat er den älteren Mitarbeitern freigestellt, in der aktuellen Lage nicht arbeiten zu müssen, wovon auch Reinigungskräfte und Verwaltungsmitarbeiterinnen Gebrauch gemacht hätten. Die beiden Auszubildenden im ersten Jahr wären derzeit sowieso wegen eines Praktikums nicht in den Praxen. Drei im zweiten Ausbildungsjahr würden aber normal arbeiten wie auch ihre beiden Kollegen, die gerade mit der Ausbildung fertig sind und auch übernommen wurden und nun zusammen mit ihren zwölf Kollegen Dienst tun würden. Gerade die fünf „Podologen-Mamas“ im Team haben arbeiten wollen, weil ihr Gehalt eben fest in der Haushaltskasse der Familie eingeplant sei. „Daher habe ich mich auch dafür stark gemacht, dass ihre Kinder zumindest einen Halbtagsbetreuung haben“, sagt Björn Freiburg. Schließlich sei man aufgrund der medizinischen Komponente auch ein systemrelevanter Beruf.

„Ich habe aber für alle 35 Mitarbeiter vorsorglich Kurzarbeit angemeldet“, musste auch Freiburg auf die aktuelle Situation reagieren. Zudem habe er mit seinen Vermietern Kontakt aufgenommen und auch schon mit seiner Hausbank. „Man muss ja immer auf das Schlimmste vorbereitet sein“, unterstreicht er noch einmal. Vor Herausforderungen habe er sich auch noch nie bange gemacht. Seine Frau Carina sage immer, dass der Spruch, der deswegen auch als Deko-Schild ihr Zuhause ziere, besonders zu ihm passe: „Alle sagten: Das geht nicht. Dann kam einer, der wusste das nicht, und hat’s einfach gemacht.“

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