Gesundheit

Rötungen, Schwellungen und Schmerzen

Dr. Jila Schauerte leitet die Kinderklinik am Krankenhaus Bethanien und berichtet von schmerzhaften und gefährlichen Wespenstichen und ihren medizinischen Gegenmaßnahmen.

Dr. Jila Schauerte leitet die Kinderklinik am Krankenhaus Bethanien und berichtet von schmerzhaften und gefährlichen Wespenstichen und ihren medizinischen Gegenmaßnahmen.

Foto: Privat

Iserlohn.  Die Wespensaison ist da und mit ihr steigt die Zahl der schmerzhaften Stiche. Dr. Jila Schauerte gibt Tipps und erläutert medizinische Maßnahmen.

Sie sind nervig, sie sind überall und ihre Stiche sind äußerst schmerzhaft – Wespen. Bereits im Frühling konnte man einzelnen Medien entnehmen, dass uns in diesem Jahr eine Plage erwarten wird, nicht zuletzt auch aufgrund der trockenen und warmen Temperaturen. Doch wie geht man am besten mit den Tierchen um, wenn sie um einen herum schwirren, und was macht man im Ernstfall, wenn es dann doch zu einem Stich kommt? Dr. med. Jila Schauerte, Chefärztin der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin am Agaplesion Ev. Krankenhaus Bethanien Iserlohn, beantwortete einige Fragen zu diesem Thema.

Warum empfinden wir die Tiere als so extrem „anhänglich“ und wieso suchen sie so oft den Kontakt zu uns Menschen?

Wespen werden durch vielerlei Gerüche angelockt, beispielsweise etwas Süßem oder auch durch Fleisch; Nahrungsmittel, die im Sommer ja häufig bei uns in greifbarer Nähe vorhanden sind. Limonade, Eis, Torte oder das Nackensteak vom Grill, all diese Produkte haben eine anziehende Wirkung auf die Insekten, ebenso süßlich riechende Parfüms oder Bodylotions. Hinzu kommt, dass Wespen äußerst kurzsichtig sind, weshalb sie immer sehr nah an das Objekt heran fliegen, welches sie inspizieren und auf Nährstoffe überprüfen wollen. Diese Tatsache empfinden wir Menschen dann als extrem störend, wenn sie so dicht um uns herum kreisen und hektisch vor unserem Gesicht her fliegen.

Wie kann man mögliche Stiche vermeiden, wenn das Insekt dann doch um unseren Tisch herum fliegt?

Ganz wichtig ist vor allem, dass Speisen und Getränke abgedeckt und/oder gut beobachtet werden, denn schnell ist mit einem Schluck Limonade, einem Eisschleck oder einer Gabel voll Essen eine Wespe mit im Mund gelandet und Stiche in den Atemwegen können dann durchaus gefährlich werden, wenn die Schleimhaut anschwillt und dadurch eine Atemnot entsteht. Ansonsten sollte man Wespen vor dem Gesicht nicht wegpusten, denn das erhöhte CO2 in unserer Aus-Atemluft macht Wespen ganz wild, da sie denken, sie würden angegriffen. Dies gilt ebenso für wildes Herumschlagen oder andere hektische Abwehrbewegungen. Am besten reagiert man freundlich und bestimmt und versucht das Insekt mit langsamen Bewegungen „wegzuschieben“. Wichtig bei kleinen Kindern ist auch, die Schokoladen- oder Eisschnütchen schnellstmöglich abzuputzen, auch wenn diese noch so niedlich aussehen, sowie auf saubere Hände nach dem Verzehr von Lebensmitteln zu achten.

Gibt es Tipps, damit Wespen erst gar nicht in unsere Nähe kommen?

Viele Hersteller diverser Produkte werben dafür, dass diese Wespen abschrecken und es gibt auch verschiedenste Repellents gegen Wespenbelagerung am Grillbuffet oder Picknicktisch, die allerdings alle nicht wirklich durchschlagend funktionieren. Aber einen Versuch ist es allemal wert, wie beispielsweise das Aufstellen von Citronella-Kerzen. Auch verschiedene Hausmittel sollen die Plagegeister vertreiben, so kann man zum Beispiel Zitronen mit Nelken bespicken, Basilikum-Töpfe aufstellen, Kaffeepads anzünden oder Kupfermünzen auf dem Tisch ausstreuen. Auch ein zusammengeknautschtes Papier soll den Wespen ein fremdes Nest vorgaukeln und könnte sie daher auf Abstand halten, aber wie gesagt, man muss auch ein Stück weit an diese Abwehr-Methoden glauben. Auf gar keinen Fall sollte man Wespen töten oder in eine Falle locken, denn ganz abgesehen davon, dass es trotz allem Nützlinge sind und man vor jedem noch so kleinen Lebewesen Respekt haben sollte, Wespen in Gefahr senden Botenstoffe aus, die ganz rasch andere Artgenossen auf den Plan rufen. An dem alten Spruch: „Schlägst du eine Wespe tot, kommen fünf zur Beerdigung“, ist also durchaus was dran.

Und wenn es dann doch zum Stich kommt? Welche Gefahr geht dann davon aus?

In den meisten Fällen sind Wespen- oder andere Insektenstiche zwar äußerst schmerzhaft, aber dennoch ungefährlich. Lokale Reaktionen wie Rötungen, Schwellungen und Schmerzen treten häufig auf, zudem kann es zeitlich versetzt zu Entzündungen kommen, wenn durch den Stich Bakterien übertragen worden sind. Akut nach dem Stich helfen handelsübliche Hitzestifte, die das Gift für zwei Sekunden auf knapp über 50 Grad erhitzen und das Gift-Eiweiß so denaturieren. Wenn solch ein Stift gerade nicht zur Hand ist, hilft auch eine halbe Zwiebel oder Knoblauchzehe, die etwas Linderung verschaffen können, und natürlich das Kühlen der betroffenen Stelle. Wirklich brenzlig wird so ein Wespenstich (oder Insektenstich allgemein) erst, wenn Symptome wie Luftnot, Schwellungen im Mund oder Gesicht auftreten, Kreislaufbeschwerden deutlich werden (plötzliche extreme Blässe oder Schwindelgefühl bis hin zum Kollaps) oder Schluckstörungen bestehen. Dann sollte möglichst schnell ein Arzt aufgesucht oder über die Notrufnummer 112 der Notarzt hinzu gerufen werden, denn das sind deutliche Anzeichen für einen anaphylaktischen Schock. Bis zum Eintreffen des Arztes sollte möglichst Ruhe bewahrt werden, denn Aufregung verschlimmert die Reaktion noch mal. Falls vorhanden, kann ein Antihistaminikum eingenommen werden, welches schon etwas Linderung verschaffen kann. Ist dem Allergiker die Unverträglichkeit bekannt, hat dieser häufig einen Adrenalin-Pen dabei, der einfach in den Oberschenkel oder in den Bauch gespritzt werden kann, damit der Schock bekämpft wird.

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