Gedenken

Rund 150 zeigen Flagge

Untermalt wurde der Start der Gedenkveranstaltung von dem Iserlohner Musikschüler Tobias Henke, der jüdische Weisen auf dem Saxophon spielte.

Untermalt wurde der Start der Gedenkveranstaltung von dem Iserlohner Musikschüler Tobias Henke, der jüdische Weisen auf dem Saxophon spielte.

Foto: Ralf Tiemann / IKZ

Iserlohn.  Gute Resonanz beim Gedenken an die Reichspogromnacht.

„Es wird aber auch Zeit, dass wir mal Flagge zeigen“, konnte man am Samstag eine Frau beim Marsch durch die Innenstadt sagen hören, und mit dieser Ansicht war sie nicht alleine: Rund 150 Menschen waren 81 Jahre nach der Reichspogromnacht, in der auch in Iserlohn das jüdische Leben zerstört wurde, dem Aufruf von Pax Christi, Friedensplenum und den im Rat der Stadt vertretenen Parteien gefolgt, um an den Opfern des Dritten Reiches zu gedenken.

Flagge zeigen, weil die jüngsten Ereignisse – der Anschlag auf die Synagoge in Halle, die vielen rassistisch und von Rechts motivierten Straftaten sowie die Wahlergebnisse der AfD, die bemüht ist, die Nazi-Verbrechen zu verharmlosen – für viele Menschen bedrohliche Ausmaße annehmen. Das wurde auch in den vielen Redebeiträgen deutlich. An der Gedenktafel am Standort der früheren Synagoge an der Mendener Straße ergriff zunächst der stellvertretende Bürgermeister Thorsten Schick das Wort und unterfütterte den rechten Terror in Deutschland mit beängstigenden Zahlen: Die Zahl der rechtsmotivierten Straftaten seien in NRW in diesem Jahr um 22 Prozent gestiegen, mehr als 3000 Menschen NRW würden als rechtsextrem geführt, 2000 von ihnen gelten als gewaltbereit.

Auch die Historikerin Alexandra Lehmann, die eine Forschungsarbeit zum Gedenken in Iserlohn vorgelegt hat, mahnte, dass diejenigen, die NS-Verbrechen verleugnen oder verharmlosen, keinen Platz in unserer Gesellschaft haben dürfen. Sie machte die Iserlohner Geschehnisse aus der Reichspogromnacht ganz plastisch, versetzte sich in die Lage der verfolgten Juden, ihre Angst und ihren Schmerz. Untermalt wurde der Start der Gedenkveranstaltung von dem Iserlohner Musikschüler Tobias Henke, der jüdische Weisen auf dem Saxophon spielte.

Beeindruckende Aktion des Kinder- und Jugendrates

Der anschließende Marsch durch die Innenstadt zum Mahnmal am Poth wurde von Mitgliedern des Kinder-Jugendrates angeführt, die Spruchtafeln für diesen Tag gestaltet hatten. Außerdem wurde der Poth von den lebensgroßen Holzpuppen des Jugendrates gesäumt, mit denen sie für Kinderrechte demonstrieren. Am Mahnmal, wo Thorsten Schick einen Kranz niederlegte, sprachen noch Pfarrer Dr. Gottfried Abrath und Vertreter der Kinder- und Jugendrates. Abrath erklärte unter anderem, dass es unerträglich sei, dass das Mahnmal kürzlich mit Farbe besprüht worden sei.

Vom Kinder- und Jugendrat war zu hören, dass es wichtig sei, dass sich alle an den Kinderrechten orientieren, damit Kinder und Jugendliche einen Platz in der Gesellschaft finden und nicht auf rechtsradikale Parolen hereinfallen.

Leserkommentare (0) Kommentar schreiben