Revolutionstheater

„Schranken und Mauern entzwei“

Aufstand gegen die Obrigkeit: Das Revolutionstheater am Fritz- Kühn Platz

Aufstand gegen die Obrigkeit: Das Revolutionstheater am Fritz- Kühn Platz

Foto: Max Winkler

Iserlohn.   Am Himmelfahrtstag 1849 schossen preußische Truppen die Iserlohner Revolution zusammen. Das Friedensplenum erinnert an den Aufstand.

Die Revolution kommt schleichend. Sie kriecht in die Stadt, wird besungen und herbeigesehnt. Sie wächst, wird stark, immer mehr Unterstützer kommen. Sie alle hatten einen Traum im Mai 1849, vor 170 Jahren. Den Traum, freie Bürger zu werden, die wählen können. Den Traum, Arbeiter und Angestellte zu sein, die von ihrem Lohn leben können. Den Traum, dass Frauen gleiche Rechte haben und Kinder nicht mehr arbeiten müssen. So war das im reichen, armen Iserlohn 1849.

Die Revolution 1848/49 in Iserlohn
Die Revolution 1848/49 in Iserlohn

Die sozialen Unterschiede sind gewaltig in der damals größten Stadt der Region. In Iserlohn ist sie schon, die industrielle Revolution, Metallverarbeitung, Bergbau und Nadelindustrie. Reiche Unternehmer und Kaufleute gibt es, deshalb sagt man der Stadt Wohlstand nach, aber in ihren Mauern leben tausende die davon nur ein paar Silbergroschen abbekommen. Familien, die im Elend leben, Kinder, die mit neun oder zehn Jahren in den Fabriken 12 Stunden am Tag für einen Hungerlohn schuften. Das ist auch Teil der Wahrheit.

Dass das besser und anders werde, auch dafür streiten die Frauen und Männer, Kinder und Großeltern vor 170 Jahren als die Revolution nach Iserlohn kam. Mit den Schauspielerinnen und Schauspielern des Friedensplenums, dessen Akteure das Stück nach 20 Jahren wieder auf die große Freilichtbühne Fritz-Kühn-Platz gebracht haben, lebt die Geschichte wieder auf.

„Wir hatten keinen Regisseur“, gesteht Monika Behlau, die als Else eine der revolutionären Vorkämpferinnen mimt. „Ich muss sagen, es ist uns trotzdem am Ende besser gelungen, als wird dachten“, ist sie zufrieden. Gut 500 Besucher dürften es gewesen sein, die am Freitag und am Samstag Zuschauer der Erinnerung an einen Schicksalstag in der Stadtgeschichte gewesen sind.

„Wir zeigen mit dem Stück vor allem auch, was damals hier in Iserlohn los war und was das mit dem Leben heute hier zu tun hat“, sagt Johann Stock (17), der mit rotem Bart und schwarzem Hut den Rädelsführer Willi spielt. Sein Großvater Peter Mühlenhoff spielt den Obertelegraphisten Karl, der die Signalanlage auf dem Fröndenberg bedient, um die Preußen zu informieren, die wissen wollen, was die Iserlohner Revolutionäre vor haben. Als sie kommen am 17. Mai 1849, die preußischen Füsiliere, schießen sie wild um sich, stürmen die Barrikaden und jagen die Menschen durch die Stadt.

Denn die Preußen fanden zwar verlassene Barrikaden vor, die in den Wochen zuvor mit Aufständischen besetzt waren, die ursprünglich gegen die Einkleidung von Iserlohner Landwehrmännern, einer Miliz aus Zivilisten, opponierten, weil der König sie gegen Revolutionäre in Baden aufmarschieren lassen wollte – aber eine Kugel fegte den Kommandeur der Füsiliere, Oberstleutnant Friedrich von Schroetter, vom Pferd.

„Schieß ihn um, denHund von Demokraten“

Die Rache war furchtbar, preußische Truppen durchsuchten hunderte Häuser in der damals knapp 10.000 Einwohner großen Stadt. Ihr Schlachtruf: „Schieß ihn um, den Hund von Demokraten.“ Was folgte, war ein Blutbad, das eine und eine halbe Stunde dauerte. Auch Frauen und Kinder wurden von Soldaten ermordet. Die Bürgerlichen kamen den Handwerkern und Arbeitern kaum zu Hilfe. Weil rote Fahnen wehten, befand die Obrigkeit, es sei ein Aufstand des Pöbels.

100 Iserlohner starben, die Namen von 40 von ihnen, sind am Ende des sehenswerten Revolutionstheaters verlesen worden. Karl Schuchart, der das zu verhindern suchte, wurde der Prozess gemacht, aber er kam wieder frei. Der Kampf der Iserlohner gilt als der größte unter den Maiaufständen in den deutschen Landen 1849.

Z Der Kommandant war zwar nicht begeistert von unseren Forderungen, aber wir haben bis übermorgen Zeit, unsere Waffen zu strecken. Ich persönlich finde, das ist in sehr großzügiges Angebot. Darauf könnte man sich doch einlassen.

Z Die Fahne, die ich heute hier trage, hat schon andere Demonstrationen gesehen. Vor 51 Jahren, als die 68er in Iserlohn auf der Straße waren, habe ich die schon getragen. Unser Stück ist Erinnerung an den Kampf und das Engagement für mehr Rechte. Damals wie heute.

Z Wir sind zufrieden mit dem großen Zuspruch der Zuschauerinnen und Zuschauer. Die viele Arbeit der vergangenen Monate hat sich gelohnt. Natürlich wäre es schön gewesen, wenn wir Samstag ohne Regen gespielt hätten.

Z Große Konkurrenz zwischen den Unternehmen in der Stadt und schließlich auch Verteuerungen haben in Iserlohn dazu geführt, dass es allen schlechter geht. Wir können doch nicht zulassen, dass bei uns in Iserlohn das Chaos regiert.

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