Bahnhofsmorde

Staatsanwaltschaft: Täter war nüchtern und ging grausam vor

Teile des Tatgeschehens wurden von Überwachungskameras im Parkhaus und am Bahnsteig aufgezeichnet. Wie umfänglich dieses Beweismittel ist, wollen die Ermittler vorerst nicht enthüllen.

Teile des Tatgeschehens wurden von Überwachungskameras im Parkhaus und am Bahnsteig aufgezeichnet. Wie umfänglich dieses Beweismittel ist, wollen die Ermittler vorerst nicht enthüllen.

Foto: Michael May / IKZ

Iserlohn.  Die Ermittler bezweifeln, dass dem Täter die Adresse des Frauenhauses bekannt war. Vermutlich hat er am Bahnhof auf seine Opfer gelauert.

Knapp zwei Monate nach den tödlichen Messerattacken am Stadtbahnhof sind die polizeilichen Ermittlungen abgeschlossen. Die Staatsanwaltschaft Hagen wird noch einige Zeit brauchen, bis die Anklageschrift fertig ist – wenn es soweit ist, wird sich der 43-jährige geständige Tatverdächtige nicht wegen Totschlags, sondern wegen Mordes in zwei Fällen verantworten müssen. „In Bezug auf beide Opfer ist aus unserer Sicht beim Beschuldigten das Merkmal der niedrigen Beweggründe gegeben, bei dem männlichen Opfer außerdem das der Grausamkeit“, erklärte Michael Burggräf, Sprecher der Staatsanwaltschaft, am Freitag auf Anfrage unserer Zeitung.

Bahnhof wohl einziger Anhaltspunkt für den Täter

Der Beschuldigte, ein 43-Jähriger aus Bergisch Gladbach, hatte unmittelbar nach seiner Festnahme eingeräumt, am Samstagnachmittag des 17. August seine von ihm getrennt lebende Ehefrau und deren neuen Partner im Bahnhofsparkhaus bzw. am Gleis 1 mit einem Messer getötet zu haben. Seine Frau war nach Misshandlungen in der Ehe vor ihm ins Frauenhaus geflohen und lebte schon seit einem knappen Jahr in Iserlohn. Ein Baby, wohl das leibliche Kind der beiden Opfer, konnte während des Tatgeschehens von Zeugen gerettet und unverletzt in Sicherheit gebracht werden.

Zu der brisanten Frage, wie der Täter seine Ehefrau ausfindig gemacht hat, haben sich die Ermittler jetzt noch einmal geäußert. Dass dem 43-Jährigen der Standort des Frauenhauses bekannt war, bezweifelt die Staatsanwaltschaft: „Wir wissen, dass er zumindest auch durch die Bargeldabhebungen seiner Frau erahnen konnte, dass sich die Geschädigte von Zeit zu Zeit am Iserlohner Bahnhof aufhielt. Den genauen Aufenthaltsort hat er nach unseren Erkenntnissen im Rahmen des Tatgeschehens nicht ausfindig gemacht.“

Test auf Alkohol und Drogen negativ

Ob und wie lange der 43-Jährige am Bahnhof auf seine Opfer lauerte, ist unklar. Für ein vorheriges Treffen sehen die Ermittler derzeit „keine Anhaltspunkte“. Zum Inhalt der Nachrichten auf den sichergestellten Mobiltelefonen wollte sich Burggräf vorerst nicht äußern und bestätigte nur, dass es im Vorfeld der Tat zu einem Kontakt zwischen dem mutmaßlichen Täter und seiner Ehefrau gekommen war.

Darüber hinaus beantwortete der Sprecher der Staatsanwaltschaft nun die Frage, ob der 43-Jährige zur Tatzeit unter dem Einfluss von Alkohol oder Drogen stand: „Bei den Untersuchungen konnte weder das eine noch das andere festgestellt werden.“ Ferner seien die Zeugenbefragungen inzwischen abgeschlossen.

Im Falle einer Verurteilung wegen Mordes muss der Beschuldigte mit der schwersten Strafe rechnen, die das deutsche Rechtssystem kennt: lebenslange Haft. Ob bei dem Verfahren Angehörige als Nebenkläger auftreten werden, ist noch nicht abzusehen.

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