Energiepreise

Unterm Strich wird Strom erneut teurer

Peter Grabowsky (re.), seit November neuer Leiter Vertrieb bei den Iserlohner Stadtwerken, und David Jackson, Leiter Vertrieb Privat- und Geschäftskunden, erläutern die neuen Preise im Strom-Grundversorgungstarif ab 1. Juni 2019.

Peter Grabowsky (re.), seit November neuer Leiter Vertrieb bei den Iserlohner Stadtwerken, und David Jackson, Leiter Vertrieb Privat- und Geschäftskunden, erläutern die neuen Preise im Strom-Grundversorgungstarif ab 1. Juni 2019.

Foto: Michael May

Iserlohn.   Stadtwerke Iserlohn kalkulieren den Netznutzungspreis neu und geben erhöhte Beschaffungskosten weiter.

Wirtschaftsverbände hatten den Trend schon im vergangenen Jahr benannt, inzwischen hat er bundesweit auch die Verbraucher erreicht: Strom wird teurer. Zum 1. Juni erhöhen auch die Stadtwerke Iserlohn die Preise in ihrem Grundversorgungstarif „SauerlandStrom“, verändern dabei aber auch die Preisstruktur zwischen Grund- und Arbeitspreis. Eine Beispiel-Familie, die 4000 Kilowattstunden pro Jahr verbraucht, zahlt demnächst 31,32 Euro (brutto) oder 2,5 Prozent mehr. Je nach Verbrauch liegen die Werte aufgrund der neuen Preissystematik aber auch höher (bei geringerem Verbrauch) oder niedriger.

„Es hat eine Veränderung gegeben, dass man den Grundpreis angehoben und gleichzeitig den Arbeitspreis abgesenkt hat“, erklärt Peter Grabowsky, seit 1. November neuer Bereichsleiter Vertrieb der Stadtwerke Iserlohn. Grund dafür sei eine Vorgabe der Bundesnetzagentur, die eine gerechtere Kostenverteilung anstrebe. „Selbsterzeuger hätten sonst nur eine geringe Grundgebühr zu zahlen“, sagt Grabowski mit Blick zum Beispiel auf Besitzer von Photovoltaikanlagen. Alle anderen zahlten sonst mehr fürs Netz. Die noch recht neue Empfehlung der Bundesnetzagentur sei daher in den neuen Tarif eingearbeitet worden. Praktisch steigt der Grundpreis für die Netznutzung pro Kunde nun von 8 auf 25 Euro (brutto) an, im Gegenzug wird der Netznutzungspreis pro Kilowattstunde um 0,7 Cent netto (0,83 Cent brutto) ermäßigt. Die Kosten für die Netznutzung – der Bereich wird innerhalb der Stadtwerke als separater Bereich geführt – dienen als Basis für alle Stromlieferanten. „Das was die Kollegen verrechnen, hat die Bundesnetzagentur genehmigt, das hat jeder Anbieter zu zahlen“, sagt Grabowsky.

Die Ermäßigung der Netznutzung pro Kilowattstunde Strom sorge dann in der Praxis aber nicht für eine Ermäßigung, sondern bremse den Preisanstieg, den Grabowsky gemeinsam mit David Jackson als Leiter Vertrieb Privat- und Gewerbekunden mit einer Differenz von 1,056 Cent beziffert. Verrechnet mit den sich jedes Jahr verändernden Abgaben wie EEG- und Offshore-Umlage ergebe das unterm Strich einen Mehrpreis von 0,252 Cent (brutto) pro Kilowattstunde, der dann mit dem neuen Arbeitspreis weitergegeben werde.

Bereits zum 1. August 2018 hatten die Stadtwerke ihre Strompreise erhöht, nach eigenen Angaben dabei Preissteigerungen des Übertragungsnetzbetreibers Amprion weitergegeben. Jetzt sei der Grundpreis neu berechnet worden. „Hätten wir damals schon gewusst, dass die Bundesnetzagentur das so möchte, hätten wir das damals schon gemacht“, betont Grabowsky, der von den Stadtwerken Düsseldorf nach Iserlohn gewechselt ist und sich über flinkere Strukturen im neuen Unternehmen freut. In den neuen Preis seien auch Mehrkosten eingerechnet, die durch den in den kommenden Jahren anstehenden Umstieg auf elektronische Zähleinrichtungen in der Basisversion entstünden. Ein bisher dafür erhobener Mehrpreis entfällt.

Ein Drittel der Kunden sind im Grundversorgungstarif

Der Grundversorgungstarif betrifft nach Angaben von Jackson etwa ein Drittel aller Iserlohner Kunden, die ihren Strom von den Stadtwerken beziehen. Andere Rechenbeispiele zu den Preisen ab 1. Juni: Für Kunden, die 3500 Kilowattstunden verbrauchen, wird es 2,6 Prozent teurer, bei 2500 kostet es 3,3 Prozent mehr. Wer weniger verbraucht, wird prozentual stärker belastet. Bei nur 1000 Kilowattstunden kostet der Strom beispielsweise 6,0 Prozent oder 23,42 Euro brutto mehr.

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