Jürgens-Verlagerung

Verkehrslehrgarten rückt in den Fokus

Das Gelände des Verkehrslehrgartens an der Ecke Mendener/Schlesische Straße ist offenbar der „Favorit“ für eine Jürgens-Verlagerung.

Das Gelände des Verkehrslehrgartens an der Ecke Mendener/Schlesische Straße ist offenbar der „Favorit“ für eine Jürgens-Verlagerung.

Foto: Stefan Drees / IKZ

Iserlohn.  Der Festplatz und der Hemberg-Parkplatz scheinen aus dem Rennen für eine Jürgens-Verlagerung zu sein.

Bei der möglichen Verlagerung des Autohauses Jürgens deutet immer mehr darauf hin, dass das Areal des Verkehrslehrgartens an der Ecke Mendener/Schlesische Straße die wahrscheinlichste Variante ist. So soll der Planungsausschuss am Mittwoch (17 Uhr, Ratssaal) einen Beschluss fassen, dass die Alternativstandorte Festplatz Seilersee und Hemberg-Parkplatz nicht mehr weiter geprüft werden sollen. Alternativen sieht die Verwaltung derweil für den Standort Verkehrslehrgarten selbst. Es könnte zur Verlagerung des Autohauses kommen, um am jetzigen Standort einen Parkplatz zu bauen, um den Stellplatzmangel im Bereich Eissporthalle/Seilerseebad/Schleddenhof zu heilen. Die Alternative: Der Parkplatz wird am Verkehrslehrgarten gebaut, Jürgens verbleibt am Standort.

In Sachen Festplatz Seilersee verdichtet sich das, was bereits wiederholt angeklungen war: Das Verfahren zur Aufstellung eines Bebauungsplans mit der Zielsetzung einer Ausweisung einer gewerblichen Baufläche kann erst nach einer Neuaufstellung des Regionalplanes erfolgen. Das entsprechende Verfahren wäre aber wohl erst im Laufe des Jahres 2022 abgeschlossen. Weitere anderthalb bis zwei Jahre würde es laut Verwaltungsdrucksache dauern, bis dann auch auf kommunaler Ebene die planungsrechtlichen Voraussetzungen geschaffen wären, also erst 2024. Zudem soll es Signale der Bezirksregierung geben, wonach eine gewünschte Änderung des Regionalplanes auch abgelehnt werden könnte. Im Ergebnis möchte die Verwaltung daher vom Festplatz als möglichem Jürgens-Standort Abstand nehmen. Ein Vorteil: Die Fläche bleibe als leistungsstarker Parkplatz erhalten.

Zum Hemberg-Parkplatz: Dort sieht die Verwaltung zwei wesentliche Gründe, die gegen eine Jürgens-Ansiedlung sprechen: Denn dann würde sich am Hemberg-Parkplatz die Zahl öffentlicher Stellplätze derart reduzieren, dass diese beispielsweise bei Sportveranstaltungen in der Matthias-Grothe-Halle nicht mehr ausreichen würden. Außerdem wird dem Hemberg-Parkplatz bei der Entwicklung neuer Mobilitätskonzepte und dem Ausbau des ÖPNV eine wichtige Rolle zugedacht, aber dazu später.

Gelände auffüllen,Kanal verlegen

Zum „Favoriten“ Verkehrslehrgarten: Eine Erschließung von der Mendener Straße aus wird als möglich erachtet. Aber auch dieses Areal hat Makel. Ein in dem Bereich angesiedeltes Regenrückhaltebecken kann nicht überbaut werden, außerdem wäre eine Kanalleitung zu verlegen. Das senkenartige Gelände müsste aufgefüllt werden. Das produziert zusätzliche Kosten: Die Kanalverlegung könnte mit 850.000 Euro zu Buche schlagen, die Bodenauffüllung mit 550.000 Euro. Und Jürgens hat laut Drucksache betont, „dass Buchwertverlust und Abbruchkosten für die bestehenden Anlagen des Autohauses in Höhe einer siebenstelligen Summe in jedem Falle im Grundstücksgeschäft einzupreisen sind.“ Und dann muss ja auch noch ein neuer Standort für den Verkehrslehrgarten gefunden werden, ein geeignetes Areal müsste gegebenenfalls erworben werden. Am Ende muss ja auch noch der Parkplatz gebaut werden, was ja der eigentliche Ausgangspunkt aller Überlegungen ist. Und die ganz schnelle Lösung winkt auch hier nicht: Mit dem Bau eines neuen Autohauses am Verkehrslehrgarten könnte nach Einschätzung der Verwaltung frühestens Ende 2023 begonnen werden.

Ringbuslinie könnte ÖPNVim Seilerseegebiet stärken

Die Alternative – keine Jürgens-Verlagerung und Bau eines Parkplatzes auf dem Gelände des Verkehrslehrgartens – wäre wohl preiswerter zu haben. Allerdings meldet die Verwaltung hier große Bedenken bezüglich einer zusätzlichen Belastung des Knotenpunktes Seilerseestraße/Mendener Straße an. Das Verkehrsgutachten zur Gesamtschule habe gezeigt, dass der Knotenpunkt schon heute am Limit angekommen sei. Und: Ein Parkplatz am Verkehrslehrgarten läge zwar nah am Rande des Seilerseegebietes, aber eben nicht mitten drin, wie es am Jürgens-Standort der Fall wäre.

Durchaus interessant sind die Überlegungen zur Stärkung des ÖPNV im Seilerseegebiet. Nachgedacht wird hier über zwei Varianten einer Ringbuslinie, wobei die weitergehende Variante die Strecke Stadtbahnhof, Schillerplatz, Mendener Straße, Seilerseebad, Hembergstraße, Hemberg-Parkplatz, Nußberg, Dördel und zurück zum Stadtbahnhof umfasst. Bislang ist es ja so, dass die Haltestelle Seilerseebad die beste Lage im Seilersseegebiet hat, aber eben auch das dünnste Angebot. Das würde sich durch die Ringbuslinie ändern und so Innenstadt und Seilerseegebiet gut durch den ÖPNV verbinden. Und der Hemberg-Parkplatz könnte dabei elementarer Baustein sein – als zentrale Umsteigemöglichkeit am nördlichen Stadtzentrum und Ankerpunkt für Shuttleverkehre während der Nachfragespitzen bei Veranstaltungen (Eishockey, große Innenstadt-Veran- staltungen, Weihnachtsmarkt Barendorf).

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