Menschen

Vor Schreck die Kaffeetasse abgesetzt

Margot Stock heute und damals: Sie ist die junge Frau mittig rechts, deren Kopf an das Fensterkreuz grenzt.

Margot Stock heute und damals: Sie ist die junge Frau mittig rechts, deren Kopf an das Fensterkreuz grenzt.

Foto: Jennifer Katz

Iserlohn/Hemer.  Margot Stock erkennt sich und ihren Mann auf einem historischen Foto in der Kamp-Filiale.

Es ist einige Wochen her, da wollte Margot Stock „nur einen Kaffee trinken“ in der Kamp-Filiale an der Wermingser Straße. Nachdem sie einen Augenblick mit ihrer Bekannten gesessen hatte, wurde die 80-Jährige auf einmal stutzig. „Das ist doch mein Mann“, entfuhr es der gebürtigen Hemeranerin beim Blick an die Wand mit dem stilisierten Fenster an der Wand. Und wenige Sekunden später: „Davor stehe ja ich.“ Margot Stock war nach eigenen Angaben so überrascht vom „Wiedersehen“, dass sie erst einmal ihre Kaffeetasse abstellen musste.

Bereits zu Jahresbeginn hatte die Heimatzeitung mit der Bäckerei aufgerufen, dass Menschen, die sich auf dem Foto erkennen, sich melden können. Das Bild von 1959, das die Kommunikationsdesignagentur Klein & Neumann zusammen mit dem Stadtmuseum ausgewählt hatte, hängt wie berichtet seit dem vergangenen Jahr an der Wand des sanierten Geschäfts mit Café. Bernd Wortmann und Michael Brackmann hatten sich kurz danach bereits mit der Heimatzeitung in Verbindung gesetzt. „Als ich einer Freundin davon erzählt habe, dass ich mich und meinen Mann erkannt habe, wies sie mich auf die Aktion hin“, erzählt Margot Stock, die sich zunächst bei der Stadtverwaltung gemeldet hatte, bevor sie Kontakt zur Redaktion suchte.

Dass sie im Dezember 1959 fotografiert worden ist, hat Margot Stock damals nicht bemerkt. „Mein Mann und ich haben in dieser Zeit gerade unser Tapetengeschäft in Sundwig aufgebaut, 1960 haben wir geheiratet“, blickt die rüstige Seniorin zurück. Dass sie überhaupt bei Kamp einen Kaffee getrunken und sich dabei entdeckt hat, ist übrigens purer Zufall: „Ich gehe eigentlich nicht dorthin, weil ich meinen Hund nicht mit reinnehmen darf“, erklärt sie. Hundedame Fee, Biewer-Yorkshire und selbst dafür recht klein gewachsen, begleitet sie nämlich seit sieben Jahren überall hin.

Stocks sind viele Jahre Straßenbahn gefahren

Aber zurück zum Foto: Margot Stock erinnert sich nicht genau, warum sie damals mit ihrem Winfried nach Iserlohn gekommen ist. „Weihnachtsmarktbesuch oder Einkaufen – in Hemer war zu dieser Zeit ja nichts los“, mutmaßt sie. Ein Auto haben Stocks Anfang der 60er-Jahre noch nicht besessen, waren zunächst viel mit der Straßenbahn, später mit dem Schienenbus unterwegs. Bis 1993 führte das Paar das Tapetengeschäft, das Winfried Stock aus gesundheitliche Gründen aufgeben musste. Drei Jahre später ist er gestorben.

Margot Stock verbringt heute viel Zeit mit Freunden, ist oft mit ihrer kleinen Fee unterwegs und lebt wieder in ihrem Elternhaus. Dort hängen jede Menge bunte Bilder an den Wänden – allesamt Werke von Margot Stock, die in dieser Hinsicht deutlich zu tief stapelt. „Ich male ein bisschen“, sagt die Autodidaktin, die die Acryltechnik bevorzugt. Ebenso wie das „Zocken“ am Computer. „Das hält mich geistig fit“, erzählt sie mit einem Schmunzeln, nachdem ihre Bekannte die Leidenschaft für das elektronische Spielen verraten hat.

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