Umwelt

Waldpflege als Katastrophen-Management

„Es ist ein Rundumschlag“, sagt Stadtförsterin Julia Borghoff beim Waldspaziergang mit CDU-Mitgliedern. Fichte, Buche, Lärche, Kiefer, Ahorn und Esche – die anhaltende Dürre seit 2019 hat allen Bäumen zugesetzt.

„Es ist ein Rundumschlag“, sagt Stadtförsterin Julia Borghoff beim Waldspaziergang mit CDU-Mitgliedern. Fichte, Buche, Lärche, Kiefer, Ahorn und Esche – die anhaltende Dürre seit 2019 hat allen Bäumen zugesetzt.

Foto: Michael May

Iserlohn.  Bis Anfang 2020 sollen die durch Dürre geschädigten Bäume im Wald gefällt sein. Beim CDU-Termin erklärt die Stadtförsterin, wie es weitergeht

Noch stehen die meisten der Baumriesen, deren Ende aber eigentlich schon besiegelt ist. „Bis Ende dieses oder Anfang nächsten Jahres“, erklärt Stadtförsterin Julia Borghoff bei einem CDU-Ortstermin im Stadtwald, „wird alles aufgearbeitet sein“.

Aufgearbeitet – das meint in diesem Fall hauptsächlich „gefällt“. Der Abtransport könnte noch mehr Zeit in Anspruch nehmen. Denn auch im Stadtwald ist der Fachkräftemangel inzwischen angekommen. Außerdem ist der Preis für Holz bekanntlich im Keller. Im September laufen Verträge mit Abnehmern aus. „Die Konditionen ändern sich monatlich“, sagt Julia Borghoff. So lange kein Verlust gemacht werde, soll weiter aufgearbeitet werden. „Doch es kommt der Punkt, wo alles liegen bleiben muss.“ Die Möglichkeit, Schadholz zur Energiegewinnung in ein Kraftwerk zu bringen, wie von einer CDU-Angehörigen nachgefragt, gibt es indes nicht. „Da haben wir aktuell keine Möglichkeit.“

Aufforstung erfolgt wohl nicht so schnell wie erhofft

Wie berichtet, sind 40 Prozent der städtischen Waldflächen durch Dürre und Borkenkäfer-Befall irreparabel geschädigt. Wer jetzt noch durch den Wald geht, dürfte die Flächen also schon in wenigen Monaten kaum mehr wiedererkennen. Die CDU hatte im Juli einen Antrag auf Aufforstung und Unterstützung privater Waldbesitzer durch die Stadt gestellt. Jörg Teckhaus und die anderen anwesenden CDU-Mitglieder zeigten sich beim Rundgang entsetzt vom Zustand des Waldes.

„Fast 100 Prozent des Fichtenbestandes fallen weg“, erklärt Julia Borghoff weiter. Doch damit nicht genug: Buche, Lärche, Kiefer, Ahorn, Esche – „es ist ein Rundumschlag“, so die Stadtförsterin.

Der Sterbeprozess der Bäume vollziehe sich dabei oft rasant. „Es gibt Bäume, die sind heute grün, morgen braun und noch einen weiteren Tag später fast kahl“, sagt Julia Borghoff. Die Försterei – nach Kyrill und vor allem den letzten Jahren mit Friederike, Dürre und Käfer – sei eigentlich fast nur noch „Katastrophen-Management“.

Die rasche Aufforstung indes, für die sich nicht nur lokal ein politischer Konsens auf allen Ebenen abzeichnet, könnte schwieriger und vor allem zeitaufwendiger werden, als von vielen erhofft. Das Pflanzgutgesetz legt hier nämlich strenge Regeln fest. Unter anderem darf eigentlich nur geprüftes Saatgut aus dem Herkunftsgebiet – in diesem Fall das mitteldeutsche Berg- und Hügelland – verwendet werden. Da landauf landab die gleiche Problematik besteht, dürfte es also schnell an geeignetem Pflanzgut mangeln.

Und was überhaupt pflanzen, weiß man doch nicht, wie sich das Klima entwickelt? „Vermutlich verschiedene Tannen- und wärmeliebende Baumarten“, sagt Julia Borghoff. Douglasien, Esskastanien, Linde -- „man wird zunächst auf kleinen Raum experimentieren müssen“.

Mindereinnahme von hunderttausenden Euro

Die Höhe des finanziellen Schadens in Bezug auf den Stadtwald ist noch nicht klar. Wenn etwa vor zwei Jahren 6000 Festmeter Holz geschlagen wurden, konnten 70 Euro je Festmeter erzielt werden – ein Erlös von 420.000 Euro. Nun werden allenfalls vier bis sieben Euro je Festmeter erzielt. Als Erlös verblieben zwischen 24.000 und 56.000 Euro – eine Mindereinnahme von mehreren hunderttausend Euro.

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