Umweltschutz

Zusammen für den Erhalt der Artenvielfalt

Natürliche Kooperation: Die Firma Medice und der Stadtbetrieb Iserlohn/Hemer lassen 3600 Quadratmeter für Insekten aufblühen.

Natürliche Kooperation: Die Firma Medice und der Stadtbetrieb Iserlohn/Hemer lassen 3600 Quadratmeter für Insekten aufblühen.

Foto: Privat

Iserlohn.  Viele bedrohte Insekten brauchen bestimmte Pflanzenarten zum Überleben. Hier setzt eine Aktion von SIH und der Firma Medice an.

Insekten, ganz gleich, ob Schmetterlinge, Hummeln oder Wildbienen, finden immer weniger Nahrung in Iserlohn. Dies bedroht die Artenvielfalt, vielfach die Ernte und schließlich auch die Menschen unmittelbar. Viele der mit der Tierwelt im Märkischen Kreis vertrauten Bürger stellen einen auffälligen Rückgang von Insekten und insektenfressenden Wirbeltieren fest. Ein Hauptgrund für diesen Rückgang ist das fehlende Nahrungsangebot für Insekten.

Auch wenn mediterrane oder andere typische Zierpflanzen mit großen auffälligen Blüten auf sich aufmerksam machen: Unsere Insekten können damit oft nichts anfangen. An heimische Pflanzen dagegen sind sie in ihrer langen Entwicklungsgeschichte perfekt angepasst. Viele bedrohte Insekten brauchen eine bestimmte Pflanzenart zum Überleben, so ist die Raupe des Hauhechel-Bläulings, eines kleinen Schmetterlings, auf Hornklee angewiesen.

Kleine Inseln mit gezieltausgewählten Wildpflanzen

Was kann man also gegen den Nahrungsmangel tun? An geeigneten Stellen können kleine Inseln mit gezielt ausgesäten heimischen Wildpflanzen als Starter gesetzt werden. Gemäht wird nur einmal im Jahr und zwar im Herbst. Dadurch kommen Pflanzen wie Ochsenzunge, Natternkopf und Sandnelke zum Blühen und zur Aussaat. Die Folge: mehr Insekten und somit auch mehr Vögel. Wenn Agrarflächen für den Artenschutz nicht zur Verfügung stehen, dann sollten eben private und öffentliche Grünflächen aber auch Flächen auf Firmengeländen in blütenreiche Habitate umgewandelt werden.

Axel Raue, Vorstand des Märkischen Stadtbetriebs Iserlohn/Hemer (SIH), dankt besonders seinem zuständigen Meister in der Stadtbild- und Grünpflege, Eckehardt Schröder, für dessen Projektidee und die Umsetzung: „Bei diesem Mitarbeiterengagement wurde viel Zeit investiert, die sich für das Stadtbild besonders lohnen wird, denn für sich genommen hat jede dieser Maßnahmen Symbolcharakter und setzt so ein sichtbares Zeichen für die Forderung nach mehr Artenschutz, ein Umdenken über den Umgang des Menschen mit seinen Lebensgrundlagen und eine Diskussion über weitere ökologische Projekte.“

Zudem sollte man die Bedeutung eines aus einer Vielzahl kleiner benachbarter Flächen bestehenden Biotopverbunds nicht unterschätzen. Absolut einig ist sich Raue mit Dr. med. Katja Pütter, geschäftsführende Gesellschafterin des Pharmaunternehmens Medice: „Die Mobilität der Insekten ist für den Erhalt von Populationen entscheidend. Diese Mobilität ist nicht gegeben, wenn Naturschutzgebiete wie Oasen in der Wüste sich in einer insektenfeindlichen Umgebung verlieren.“ Durch die Anlage eines möglichst engmaschigen Netzes von Privatgärten, Firmen- und Industriegeländen sowie öffentlichen Flächen könnten funktionierende Kleinhabitate geschaffen werden.

Weil Dr. Katja Pütter und Axel Raue nicht nur theoretisch an einem Strang ziehen, wird jetzt eine konkrete Kooperation der beiden Unternehmen realisiert und bald sichtbar. Auf mehr als 3600 Quadratmetern Firmengrundstück und benachbartem öffentlichen Grünbereich wird die so genannte Märkische Blühwiesenmischung gedeihen. Pflanzfest, in Corona-Virus-Zeiten ohne feiernde Bürger- und Belegschaft, war in der vergangenen Woche.

Weitere Unternehmen fürähnliche Projekte gewinnen

Im Bereich der steinigen Böschungen der Medice-Allee wird das Verfahren der Anspritzbegrünung angewendet, mit dem Rohböden, erosionsgefährdete Steilhänge und Böschungen sowie Extrem- und Problemflächen zuverlässig und dauerhaft begrünt und gesichert werden. Mit den ersten Blüten ist noch in diesem Jahr zu rechnen. Die ganze Pracht der Maßnahme ist aber frühestens 2021 zu erwarten.

Nach Abschluss des Neubaus eines großen Versandgebäudes auf dem Gelände am Kuhlo sollen weitere Flächen insektenfreundlich begrünt werden. Und auch Axel Raue kündigt an: „Nach diesem großartigen Startschuss freuen wir uns über den Auftrag des SIH-Verwaltungsrates, in Iserlohn und Hemer weitere Flächen mit mehr als 20.000 Quadratmetern aufblühen zu lassen. Besonders danken wir der Firma Medice für ihr natürliches Engagement und können mit dieser Kooperation vielleicht weitere Unternehmen für ähnliche Projekte gewinnen.“

Dr. Katja Pütter unterstützt übrigens ökologische Medice-Projekte ausdrücklich und geht noch einen Schritt weiter: Das Unternehmen hat den grünen Standort am Stadtrand genutzt und mit der Ansiedlung eigener Bienenvölker auf dem Firmengelände einen Beitrag zum Bienenschutz geleistet. „Gleichzeitig nehmen wir mit der Imkerei eine alte Familientradition wieder auf,” verrät Dr. Katja Pütter, „schon mein Großvater hat hier Bienen gehalten und Honig produziert.” Damals wie heute finden die Bienen auf dem baum- und wiesenreichen Firmengelände optimale Lebensbedingungen. Auch die Außenanlagen um das neue Verwaltungsgebäude wurden mit einer Obstbaumwiese und blühenden Stauden gezielt bienenfreundlich gestaltet. Hierbei haben die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in einer großen gemeinsamen Pflanzaktion selbst Hand angelegt.

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