Mensch am Mittwoch

Auf dem Weg zur Bioregion

ybille Sonderfeldhat für einen großen Pharmakonzern in der Schweiz gearbeitet. Heute betreibt sie einen kleinen Hofladen.

ybille Sonderfeldhat für einen großen Pharmakonzern in der Schweiz gearbeitet. Heute betreibt sie einen kleinen Hofladen.

Foto: Kleve

Kleve.   Sybille Sonderfeld vertreibt biologisch erzeugte Lebensmittel aus Überzeugung: Mit ihrem Bruder führt sie den biologischen Hofladen „Die am Deich“

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Der Hof liegt direkt am Deich, dort, wo die Straßen nicht mehr weitergehen. Hier ist Sybille Sonderfeld aufgewachsen. Ihr Vater war Landwirt und zeitweise auch Bürgermeister von Kellen. „DAD - Die am Deich“ haben sie und ihr Bruder den Hofladen genannt, der sich heute in einer Scheune auf dem Bauernhof befindet. Den hat einer ihrer drei Brüder übernommen und schon früh zum Biohof umgewandelt. Sybille Sonderfeld hatte da schon eine ganz andere Welt kennengelernt. Die Welt der Gentechnik, der Konzerne, der großen Hoffnungen in die Industrie, die man in den 80er Jahren noch hatte.

Denn nach dem Abitur am Johanna-Sebus-Gymnasium studierte Sybille Sonderfeld Biochemie in Bonn. Sie beschäftigte sich ausführlich mit genetisch bedingten Stoffwechselkrankheiten, promovierte hierüber und arbeitete einige Jahre in den Vereinigten Staaten. „Damals habe ich auch Vorträge von Firmen gehört, die Wachstumshormone von Rindern gentechnisch hergestellt haben“, erinnert sie sich. Die Euphorie war groß. „Aber ich als Kind vom Bauernhof habe gedacht: Das kann doch nicht sein, wie sehen die Tiere denn danach aus!“ Nach ihrer Rückkehr arbeitete sie bei einem großen Pharmakonzern in der Schweiz, wobei es um gentechnisch hergestellte Arzneimittel ging. Ihr Mann lebte und arbeitete in Essen, eine Fernbeziehung, und als dann ihr Sohn geboren wurde, musste sie sich entscheiden: zurück in die Industrie -- oder etwas Eigenes aufbauen.

Sybille Sonderfeld entschied sich für das Eigene. Mit großer Überzeugung, viel Individualismus und der Gewissheit, dass das große Geld hierbei nicht zu verdienen ist. Als ihr Bruder überlegte, auf dem elterlichen Hof einen Laden aufzumachen, stieg sie mit ein. Inzwischen hat sie die komplette Vermarktung der Erzeugnisse mit Hofladen und Lieferservice übernommen. Rindfleisch produzieren sie selber, Kartoffeln, Gemüse, Schweinefleisch und Geflügel kommen von Höfen aus der Region. Darauf legt sie Wert: Dass man nicht nur als Alibi ein paar regionale Produkte im Sortiment hat, sondern dass alles Wesentliche regional produziert wird.

Dabei ist Transparenz oberstes Gebot. „Besucher können sich ansehen, wie die Rinder hier leben“, sagt sie. Und um die regionalen und biologischen Erzeuger zu bündeln, hat sie mit 33 anderen Betrieben die „Bioregion Niederrhein“ ins Leben gerufen. „Wir wollen uns als Direktvermarkter stärken“, erläutert sie. Ein Alleinstellungsmerkmal, das nicht nur ökologisch bewusste Kunden anzieht, sondern auch solche, die Wert auf Geschmack legen. „In unserer Wurst ist wirkliches Fleisch und nicht nur Fett und Sehnen“, betont sie. In ihren Augen ost die Bioregion Niederrhein ein guter Anfang. „Im Vergleich zu Bayern sind wir noch wenige“, sagt sie. „Aber immerhin.“

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