Corona-Pandemie

„Covididioten“: So gehen Klever Betriebe damit um

Cafe Solo-Chef Bayram Altay ärgert sich über die Stadt Kleve, wie auch über Gäste, die sich nicht an die Corona-Auflagen halten.

Cafe Solo-Chef Bayram Altay ärgert sich über die Stadt Kleve, wie auch über Gäste, die sich nicht an die Corona-Auflagen halten.

Foto: Markus van Offern (mvo)

Kleve.  Wie gehen die Betriebe im Kleverland mit den „Covididioten“ um? Antworten geben Gastronomen, Bäckermeister und auch Kinonetreiber.

In Berlin haben am vergangenen Wochenende tausende Menschen gegen die Corona-Beschränkungen demonstriert. Die meisten ohne Sicherheitsabstand und Mundschutz. Doch muss man nicht bis in die Bundeshauptstadt gucken. Die Zahl der Verstöße gegen die Auflagen zur Bekämpfung der Pandemie nimmt auch vor Ort zu.

Einer, der darüber klagt, ist Altay Bayram. Er führt das Café Solo am Koekkoek-Platz. Zentral gelegen, mit einer schönen Außengastronomie. Auf der weitläufigen Fläche gibt es keine Probleme, die Abstandsregeln einzuhalten. Neben dieser Maßnahme erfülle er auch alle anderen, so Bayram. Was ihn ärgert, ist das Verhalten einiger Gäste: „Nachdem vor Wochen Einschränkungen abgebaut wurden, meinen viele, sie müssten sich an nichts mehr halten. Einige rennen hier einfach ohne Maske durchs ganze Café zur Toilette.“

Viele setzen sich einfach irgendwo hin

Neben Nichteinhaltung der Maskenpflicht würden die Besucher auch nicht mehr darauf warten, dass ihnen ein Tisch zugewiesen wird. „Die setzen sich irgendwo hin und Ende. Das kostet uns Zeit, Nerven und Geld, weil wir mehr Personal brauchen. Die Zahl derer, die sich nicht an die Vorgaben hält, steigt definitiv“, sagt Bayram.

So bewertet auch Robert Scholz von der Venga Lounge in Kleve die Situation. „Die Leute sind unvorsichtiger geworden. Wenn wir auf bestimmte Vorschriften hinweisen, wird man kaum noch für voll genommen“, sagt er. Vor allem beim Ausfüllen der Namens- und Adressliste ist reichlich Überzeugungsarbeit gefragt. „Manche schütteln den Kopf und wollen wissen, was das überhaupt noch soll.“

Die Stadt kontrolliert regelmäßig

Die Frage kann Ralph van Hoof vom Klever Ordnungsamt beantworten: „Wir kontrollieren alle 130 gewerbetreibenden Betriebe. Es gibt hier Kandidaten, die wir bereits mehrmals besucht und zur Kasse gebeten haben.“ Der Bußgeldkatalog der Landesregierung sieht hier eine Strafe ab 2000 Euro aufwärts vor. So gab es unter anderem ein Lokal, das seine Gästeliste auf Bierdeckeln aufgeschrieben hatte. „Es gibt Restaurants, mit denen wir überhaupt kein Problem haben. Was in den Lokalen passiert, dafür ist der Wirt verantwortlich. Wer auffällt, muss mit einer Nachkontrolle rechnen“, sagt van Hoof. Auch Geschäfte sind für ihre Kunden verantwortlich.

215 Einzelverstöße sind in Kleve bislang geahndet worden. Bis zu 200 Euro werden hier von den Mitarbeitern der Stadt kassiert. Trotz der gelockerten Auflagen gibt es immer noch reichlich Personen, die sich über die Regeln hinwegsetzen. Das seien vor allem jüngere Leute, so van Hoof. Aus seiner Sicht trägt die geringe Zahl an Neuinfektion zu der lascheren Haltung bei.

Ein Ort, an dem bislang kein Verstoß gegen die Vorgaben zum Infektionsschutz festgestellt wurde, ist das Kino. Reinhard Berens von den Tichelpark Kinos erklärt: „Bei uns achten die Gäste darauf, dass die vorgeschriebenen Abstände zwischen den Sitzen eingehalten werden. Da kommen sogar welche aus dem Saal und beschweren sich, wenn jemand falsch sitzt.“ Doch räumt Berens auch ein: „Derzeit laufen bei uns noch keine Blockbuster, so dass wir die Besucher über alle Säle gut verteilen können.“ Am 26. August wird es dann ernst für Berens, wenn der neue Film von Christopher Nolan anläuft.

Eintragen in eine Liste? Von wegen

Obwohl sich die Verordnungen für die Gaststätten wenig verändert haben, so haben die Diskussionen mit dem Kunden zugenommen. Christian Heicks von der Bäcker- und Konditorei Heicks und Teutenberg, sagt: „Es ist zu spüren, dass die Bereitschaft und Akzeptanz die Maßnahmen einzuhalten, abnimmt.“ Eine Gruppe, die Probleme bereitet, sind die Niederländer. „Jenseits der Grenze gibt es ganz andere Vorschriften. Die Niederländer sind überrascht, wenn sie hier aufgefordert werden, eine Maske zu tragen“, erklärt Heicks. Vergangene Woche war er in Nimwegen unterwegs. Dort habe er kaum jemanden mit einem Mund-Masen-Schutz gesehen. „Und die einen trugen, das waren Deutsche“, sagt er.

Aber auch hierzulande habe er die Erfahrungen gesammelt, dass die Vorschriften mittlerweile allein noch auf dem Papier bestehen. Drei Lokale hätte er zuletzt besucht, in keinem musste er sich in eine Liste eingetragen.

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