Kultur

Das Klever Panniergelände steht vor dem Verkauf

Junge Schauspieler des Theater im Fluss wünschen sich ein Kulturzentrum.

Junge Schauspieler des Theater im Fluss wünschen sich ein Kulturzentrum.

Foto: Andreas Daams / NRZ Kleve

Kleve.   Das Panniergelände an der Ackerstraße steht vor dem Verkauf. Es wäre ein idealer Ort für ein Kulturzentrum. Investor hat jedoch Vorkaufsrecht.

Etwa 8500 Quadratmeter ist es groß und zwischen 1,2 und 1,4 Millionen Euro wert, das Pannier-Gelände an der Ackerstraße. Einst stand hier eine der großen Klever Schuhfabriken. Heute befinden sich hier Ateliers für Künstler und Fotografen, Heimstätten für mehrere Bands, einige Handwerksbetriebe, Sportclubs beispielsweise für Karate und Tischfußball. Und das „Theater im Fluss“, das sich durch seine Jugendarbeit auszeichnet und 2017 den Johann-Moritz-Kulturpreis der Stadt Kleve erhielt.

Idee: Eine Stiftung könnte das Gelände kaufen

Die Besitzerin des Geländes, eine ältere Dame, möchte das Gelände verkaufen. Daher haben sich mehrere Kulturschaffende in Kleve darüber Gedanken gemacht, wie sie es erwerben könnten. Darunter Theater im Fluss, Haus Mifgash und Cinque. Und sie haben eine Vision: Eine Stiftung kaufe das Gelände, eine gemeinnützige Genossenschaft bewirtschafte es – mit einem Kulturzentrum, sozialem Wohnungsbau und anderen sozialen Zwecken. Die Tochter der Besitzerin, die den Verkauf durchführt, fand die Idee nach übereinstimmendem Bericht mehrerer Beteiligter gut.

Interessen der Kulturschaffenden und des Investors scheinen nicht deckungsgleich

Doch erst in der letzten Woche hat sich herausgestellt: Der Klever Investor Clemens Wilmsen hat sich ein Vorkaufsrecht einräumen lassen. Wilmsen hat die benachbarte Mozartstraße, einst eher ein verrufener Schandfleck, umfassend saniert. Auch das alte Post-Gebäude in der Hagschen Straße hat er wieder mit Leben gefüllt. „Beim Post-Gebäude am Bahnhof, in dem Flüchtlinge untergebracht sind, habe ich ihn als sehr kooperativ erlebt“, betont Bürgermeisterin Sonja Northing. Doch in Sachen Pannier scheinen die Interessen der Kulturschaffenden und des möglichen Investors nun nicht deckungsgleich zu sein. „Unsere Arbeit ist auf Jahrzehnte angelegt“, sagt Harald Kleinecke vom Theater im Fluss. Seit zweieinhalb Jahren arbeite man an einer Lösung – und nun das. „Das ist das letzte Objekt, das als Kulturzentrum noch zur Verfügung stünde.“

Jugendliche wollen Unterschriftenliste und Appell überreichen

Am Dienstag wollen Jugendliche dem potenziellen Investor eine Unterschriftenliste mitsamt Appell überreichen: „Ziehen Sie das Vorkaufsrecht zugunsten einer gemeinnützigen Stiftung zurück und geben Sie uns die Möglichkeit, Kleves kulturelle Zukunft hier zu gestalten!“ „Ich habe schon einmal einen Umzug miterlebt. Das ist mit extrem viel Aufwand verbunden. Da frage ich mich schon, ob sich das alles noch lohnt. Wir machen hier vieles ehrenamtlich, haben bislang 10.000 Euro hier reingesteckt.“ Am Montagabend, so Kleinecke, gebe es eine Sitzung der Kulturschaffenden, dann werden man ausführlich darüber reden.

Was Wilmsen eigentlich beabsichtigt, ist nicht bekannt. Er war am Wochenende für eine Stellungnahme nicht zu erreichen. Bürgermeisterin Sonja Northing hat den Kulturraum Kleverland schon vor einiger Zeit gebeten, ein Konzept für ein Kulturzentrum vorzulegen, aber unabhängig von der Verortung. „Wir haben keinen offiziellen Kontakt zu der Besitzerin, wir haben auch kein Vorkaufsrecht, es haben noch nicht mal Beratungen zu dem Gelände stattgefunden“, sagt sie.

Besitzerin wollte keinen Kontakt mit der Stadt

Im Gegenteil: Als es um ein Flächenprüfverfahren ging, habe die Besitzerin gerade nicht mit der Stadt in Kontakt treten wollen. Northing findet es allerdings ärgerlich, dass die Kulturschaffenden sich bereits um das Förderprogramm „Dritte Orte“ des Landes NRW beworben haben, das exakt das Panniergelände und die benachbarte Schule umfasst. Hierzu sollte sie einen sogenannten „Letter of Intent“ verfassen, was sie aber abgelehnt hat: „Die Ausweichgebäude der Joseph-Beuys-Gesamtschule werden bis 2024 oder 2026 gebraucht, und außerdem hat es bislang zu dem ganzen Komplex keine politische Willensbildung gegeben. Die ist aber Voraussetzung.“ Sie mahnt zur Besonnenheit. Die Stadt werde jetzt mit allen Akteuren Kontakt aufnehmen.

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