NRZ-Klimaserie

Einkaufen ohne Plastik – geht das? Ein Selbstversuch

Der Kunde kann wählen: Füllt er das unverpackte Obst und Gemüse in die ausgehängten Plastiktüten oder entscheidet er sich für die Packs mit Mehrweg-Frischenetzen für 99 Cent?

Der Kunde kann wählen: Füllt er das unverpackte Obst und Gemüse in die ausgehängten Plastiktüten oder entscheidet er sich für die Packs mit Mehrweg-Frischenetzen für 99 Cent?

Foto: Anke Gellert-Helpenstein / NRZ

Kreis Kleve.  Ausgerechnet Bio-Ware ist aber vielfach in Folie verpackt. Die NRZ startete den Selbsttest: Kann man in Supermärkten klima-freundlich einkaufen?

Die Einkaufslisten für den regelmäßigen Wocheneinkauf ähneln immer einander. Obst, Gemüse, Milchprodukte, Käse, Süßigkeiten, Getränke sind da nur ein paar Beispiele für die lange Liste. Heute aber lautet die Herausforderung: Die Einkaufsliste umweltschonend und plastikfrei – bestenfalls überhaupt verpackungsfrei – in einem Supermarkt abarbeiten. Unverpacktläden sind im Kreis Kleve noch Mangelware, der nächste ist in Geldern.

Einkaufstouren werden mit dem Auto unternommen

Bezahlbar sollte es auch noch sein. Ich scheitere schon bei der Anfahrt. Denn Einkaufstouren werden mit dem Auto unternommen – wir leben zu weit ab vom Schuss, im Outback sozusagen, um für den Wocheneinkauf das Fahrrad oder den Tretroller zu nutzen. Also keine umweltschonende Fahrt.

Je nach dem, was die Familie zum obligatorischen Einkauf noch benötigt, wird außerdem routinemäßig oft in unterschiedlichen Supermärkten eingekauft. Auch heute.

Als Tragehilfe reicht der Weidenflechtkorb

Als Tragehilfe reicht der Weidenflechtkorb – die Plastikkörbe passen zum Umweltgedanken nicht wirklich gut. Verpackungstechnisch gesehen macht es einen Unterschied, ob ich Bio oder konventionell kaufe. Außer bei Bananen – die gibt’s immer plastikfrei. Interessant ist nur, dass fast überall Biotomaten, -gurken, -äpfel, -kiwis und -salat nur verpackt zu bekommen sind! Jede Menge Plastik – gerade bei Bioprodukten. Ein Irrsinn. Bei konventionellen Produkten geht’s doch auch ohne Plastik!

Das bedeutet für den Selbsttest: Auf viele Bioartikel greife ich beim „Kein-Plastik“-Einkauf nicht zurück – es gibt plastikfreie Alternativen. Hier bediene ich mich – in diesem Fall im Rewe Narzynski in Kalkar – an unverpackten Produkten aus konventionellem Anbau.

Gedankenlos reißen viele Kunden eine Tüte nach der anderen von der Rolle ab

Ich lege sie selbstverständlich pur in den Einkaufskorb und reiße mir keine Plastiktüte vom Ständer ab, die übrigens in allen Supermärkten neben dem unverpackten Gemüse zur freien Verfügung stehen. Aber da bin ich zumindest heute die Ausnahme – gedankenlos wird von vielen Kunden eine Tüte nach der anderen von der Rolle abgerissen und als Tragehilfe genommen.

Rewe: Wiederverwertbare Netze hängen genau daneben

Aber Daniel van Dyck vom Rewe Narzynski-Team versichert: „Es funktioniert – wenn auch nur langsam. Der Kunde hat die Wahl – wiederverwertbare Netze hängen genau daneben und kosten nur 99 Cent (zwei Stück), die werden viel genommen. Lose Ware müssen wir oft auffüllen.“

Aldi: Unser Ziel ist es, ein Bewusstsein zu schaffen

An diesem Thema arbeiten auch andere Discounter. „Ab Anfang September werden wir die Knotenbeutel sukzessive gegen Tüten aus nachwachsenden Rohstoffen für einen Cent austauschen“, kündigt Carolin Kunsleben von der Pressestelle von Aldi Süd auf Anfrage der NRZ Kleve, an. „Unser Ziel ist es, ein Bewusstsein für den nachhaltigen Umgang mit Ressourcen beim Verbraucher zu schaffen. Seit Ende 2018 gibt es im Kassenbereich der Aldi Filialen keine Tragetaschen aus Plastik mehr zu kaufen“, so Carolin Kunsleben.

Lidl: Wir prüfen Einsatzmöglichkeiten von Gefäßen aus Biopolymer oder Grasfaser

Melanie Pötter von der Pressestelle Lidl Deutschland erklärte zum selben Thema: „Unser Ziel ist es unter anderem, bis 2025 den Kunststoffeinsatz um 20 Prozent zu reduzieren.“ Ziel sei es auch, den Anteil unverpackter Obst- und Gemüseartikel weiter auszubauen. „Zudem verwenden wir alternative Verpackungsmittel und testen Zellulosenetze aus 100 Prozent PEFC-zertifiziertem Buchenholz für Bio-Kartoffeln und Bio-Zwiebeln sowie eine gartenkompostierbare Folie auf Zellulose-Basis für Bio-Tomaten und Bio-Paprika. Darüber hinaus prüfen wir Einsatzmöglichkeiten von Gefäßen aus Biopolymer oder Grasfaser. Ab Ende August gibt’s als Alternative zum Knotenbeutel ein Vitaminnetz für den Mehrfach-Gebrauch zum Transport von Obst- und Gemüse.“

Zurück zum Einkauf: Beim Käse entscheide ich mich für die Frischtheke, um den Gouda unverpackt zu bekommen. Beim Rewe in Kalkar ist es noch nicht möglich, die Schnittware direkt in mitgebrachte Dosen zu füllen. Aber es ist kein Problem, auf Plastik zu verzichten: Die Mitarbeiter legen die Ware auf Wunsch auf Papier.

Edeka: Plastikfreier Einkauf ist auch bei Fleisch und Wurst problemlos möglich

Edeka Brüggemeier ist in Sachen Mehrwegsysteme an der Frischetheke den anderen Supermärkten hier im Testeinkaufsbereich überlegen – plastikfreier Einkauf ist dort auch bei Fleisch und Wurstwaren problemlos möglich. Mitgebrachte Boxen werden gewogen und mit frischer Waren befüllt.

Milch und Yoghurt bekomme ich fast überall auch in Glasflaschen – wobei es in der Regel keine Mehrwegsysteme sind. Da ist es fraglich, ob Glas dann „besser“ als Plastik ist. Grundsätzlich wäre ein Mehrwegsystem bei Produkten in Gläsern (Saft, Milch, Yoghurt…) wirklich wünschenswert.

Wie immer entscheidet der Kunde!

Leider gingen auch einige regionale Anbieter wieder weg vom Mehrwegsystem und hin zu Wegwerf-Plastikflaschen. Süßigkeiten fehlen bei diesem Einkauf ganz. Sie sind nicht lebenswichtig und im Supermarkt immer plastikverpackt.

Als Fazit bleibt die Erkenntnis, dass plastikfreier Einkauf in vielen Bereichen im Supermarkt möglich ist. Wie immer entscheidet der Kunde! Wer weniger Plastik möchte, der muss plastikfrei einkaufen. Die Verantwortung liegt bei uns und kann nicht nur auf die Anbieter abgewälzt werden. Wir haben die Wahl! Doch das kann anstrengend sein.

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