Tag der Architektur

„Discounter-Wohnen“ in Kleve ist ein Vorzeigeprojekt

Der Nettomarkt auf dem Bensdorpgelände mit zehn Stadthäusern auf dem Dach.

Der Nettomarkt auf dem Bensdorpgelände mit zehn Stadthäusern auf dem Dach.

Foto: htm / HTM

Kleve.  Noch gibt es nicht viele Wohnungen auf Supermärkten. In Kleve lässt sich ein gelungenes Beispiel auf dem Bensdorp-Gelände studieren.

Günstig einkaufen, günstig wohnen – eine Kombination, die sich viele Klever wünschen. Auf dem Nettomarkt an der Wiesenstraße wurde diese Idee jetzt umgesetzt und ist damit deutschlandweit zu einem Vorzeigeprojekt geworden. „Discounter-Wohnen“ gibt es noch nicht so oft in der Republik. Wer möchte, der kann sich heute das zukunftsweisende Bauprojekt auf dem Supermarkt des Bensdorp-Geländes ansehen – beim Tag der Architektur.

Tag der offenen Tür am Samstag

Die Architekten Friedhelm Hülsmann, Christian Thieme und Kevin Minor bieten einen Blick hinter die Kulissen. Drei Führungen stehen auf dem Programm (14 Uhr, 15.30 Uhr und 17 Uhr), in denen sie erklären, wie man künftig vermehrt die brachliegenden Dachflächen von Discountern und anderen Industriehallen nutzen kann. „Das ist ein riesiges Potential“, sagt Hülsmann. Bislang ist allerdings die Bereitschaft, Dachflächen für Wohnhäuser zu nutzen, in Deutschland nicht sehr ausgeprägt. Es fehlen einfach gute Beispiele – die Klever Architekten wollen daher mutig voran gehen und auf ihr Projekt aufmerksam machen.

Das Ganze ließ sich nur durch die Weitsicht des Investors planen. Die Architekten loben den Willen des Projektmanagers Jan Holtfester, der mutig genug war, etwas Neues auszuprobieren. Die Wohnungen seien nicht überteuert, sondern könnten auch von Menschen mit einem normalen Portemonnaie gemietet werden. Auch die Gestaltung des Daches sei vorbildlich: Nicht jeden Quadratmeter habe man ausnutzen wollen, sondern es blieb für eine offene Gestaltung Platz. So öffnet sich die Dachgestaltung in Richtung Wiesenstraße und bietet einen traumhaften Blick auf den Klever Berg mit seinem Grünzug.

Besucher können eine Beispielwohnung besichtigen

Beim heutigen Tag der Architektur können die Besucher eine Beispielwohnung ansehen und sich von den Qualitäten der Holzständerwohnungen überzeugen. Sämtliche Wände wurden in Leichtbauweise errichtet, für die Fassadengestaltung wurde auf Zementplatten zurückgegriffen.

Die Wohnungen sind zwischen 60 und 120 Quadratmeter groß und bieten alle eine gute Aussicht auf die Stadt. Die Häuser besitzen eine Dachterrasse und sind auch über einen Fahrstuhl zu erreichen. Das Budget in Höhe von vier Millionen Euro habe man eingehalten, versichern die Architekten. Und auch der Zeitplan geriet nicht in Verzug.

Auf architektonische Qualität achten

Zum Tag der Architektur betont Friedhelm Hülsmann, dass es gerade in Kleve sehr wichtig sei, sich auf neue Projekte einzulassen. In der Stadt werde viel gebaut, daher müsse zwangsläufig auch mehr auf die architektonische Qualität geachtet werden. Dabei muss geschmackvolles Bauen nicht teuer sein. Entscheidend sind gute Ideen, ein Wechsel von Materialien, mutige Baukörper. In Kleve findet man hingegen zu häufig Standardbauweisen und nullachtfünfzehn Architektur. Es ist Zeit für mehr Qualität.

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