Klever Köpfe

Erfolg mit rechtem und linkem Fuß

Schuhfabrikant Gustav Hoffmann war ein Unternehmer mit einer sozialen Ader.

Schuhfabrikant Gustav Hoffmann war ein Unternehmer mit einer sozialen Ader.

Foto: NRZ

Kleve.   Der Unternehmer Gustav Hoffmann prägte viele Jahre das industrielle Bild Kleves. Zielstrebig und innovativ kümmerte er sich um Kinderschuhe.

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Sein Name steht für eines der erfolgreichsten und langlebigsten Unternehmen in der Schwanenstadt. Gustav Hoffmann, Klever Junge aus etwas besseren Verhältnissen, leuchtet als großes Kleinod im hellen Glanz einer wirtschaftlichen Blütezeit – der traditionsreichen Klever Schuhindustrie.

Ein sozialer Menschenfreund

Das von Hoffmann auf den Weg gebrachte „Große Werk für kleine Füße“ (Titel einer Firmenbroschüre) entwickelte sich am Anfang des zwanzigsten Jahrhunderts zum wichtigsten und größten Arbeitgeber in Kleve. Von einem kapitalistisch geprägten Großunternehmer war Gustav Hoffmann jedoch weit entfernt. Er lenkte nicht nur eine expandierende Firma, die vielen tausend Menschen Arbeit und damit Brot und Butter gab. Er war auch ein sozialer Menschenfreund, der am eigenen Fuß erfahren „durfte“, was es bedeutet, wenn Kinder zu kleine Schuhe tragen: nicht passende Burschenschuhe verkrümmten seine Zehen.

Gustav Hoffmann hatte Visionen, die er als industrieller Wohltäter in praktische Erfindungen umsetzte, um die Lebensqualität vieler Kinder zu verbessern. Die Produktion von Kinderschuhen war am Anfang des vergangenen Jahrhunderts ein „Stiefkind“. Erst durch Hoffmanns Einsatz erlebte der Kinderschuh ein beachtliches Aufblühen. Der Klever wurde zum Pionier für die Interessen kleiner Füsse, seine Kreationen waren weltweit begehrt. Das Schuh-Imperium wuchs, wobei sich Hoffmann sich nie als Imperialist verstand.

Roter Elefant

Später wurde ein roter Elefant zum Marken- und Gütezeichen Hoffmannschen Schuhwerkes. Das mächtige Tier vermittelt Robustheit und kontrollierte Kraft, Attribute, die Hoffmann für die bahnbrechende Produktion von erstmals anatomisch geformten rechten und linken Kinderschuhen nutzte. Die Neugestaltung der Kinderschuhe garantierten Fußfreiheit im Schuh und Schutz der Zehen vor seitlichem Druck.

Das Schusterhandwerk in Kleve wurde bereits 1295 in einer Urkunde erwähnt. Seitdem entwickelte es sich zu einem einträglichen Gewerbe. Die sogenannten Schluffenschuster (Pantoffelmacher) prägten das Bild der Stadt, in der Gustav Hoffmann am 10. Mai 1872 als ältestes von sieben Hoffmann-Kindern geboren wurde. Der Sohn eines Händlers für Schusterausstattung besuchte das humanistische Gymnasium (Freiherr-vom-Stein-Gymnasium) machte das „Einjährige“ und erlernte in einer Brackweder Gerberei den Kaufmannsberuf. An die Ausbildung schloss sich ein einjähriger Militärdienst im 56. Infanterieregiment in Kleve an, danach arbeitete er im Geschäft seines Vaters. Gustav Hoffmann zählte gerade einmal vierundzwanzig Lenze, als er mit seinem Schwager Fritz Pannier an der Großen Straße die Kinderschuhfabrik Pannier & Hoffmann gründete. Mitten in der Stadt und nicht draußen auf einer ehemals grünen Wiese.

Eine starke Persönlichkeit

Nach der Trennung von Fritz Pannier im Jahr 1908 (aus Gründen der Spezialisierung) führte Gustav Hoffmann an der damaligen Materborner Allee seine eigene Firma weiter.

Er war Hoffmann, „der Bär“. Später hieß so auch die Sirene, die zur Arbeit rief (heute noch mitten auf dem Parkplatz des Elefanten-Oberstadt-Centrums EOC). Er war eine starke Persönlichkeit, setzte seinen Willen um mit autokratischer Macht. Wenn er mit seinen beiden Dackeln an der Seite und einer dicken Zigarre im Mund über das Werksgelände ging, packte er auch mal beim Abbruch einer Mauer mit an oder half, einen Schornstein umzulegen. Voller Dynamik und Energie setzte er sich für das Werk ein. Bei allem unternehmerischen Denken und zunehmendem Reichtum zeigte Gustav Hoffmann weiter soziale Nähe. Bereits in den 20er Jahren nutzen die Beschäftigten eine Werksküche, kauften in einer firmeneigenen Konsumanstalt ein. Hoffmann spendierte einer Arbeiterin sogar ein paar Schuhe, damit sie die Kirmes besuchen konnte. Und alle Mitarbeiter hatten am Tag nach der Materborner Kirmes frei. Unrast begleitete den Firmenchef auch in der Freizeit. So makaber es klingen mag, so typisch war für Gustav Hoffmann sein Tod: Er starb 63-jährig am 2. Januar 1935 im Hotel Maywald – das ihm seit 1920 gehörte – bei einem Tanzvergnügen an einem Herzinfarkt.

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