Coronakrise

Flughafen-Chef Ludger van Bebber verlässt Weeze

Ludger van Bebber in seinem Büro, das er in wenigen Tagen aufgibt, um nach Dortmund zu wechseln.

Ludger van Bebber in seinem Büro, das er in wenigen Tagen aufgibt, um nach Dortmund zu wechseln.

Foto: settnik

Kreis Kleve.  Der langjährige Weezer Geschäftsführer wechselt zum Flughafen nach Dortmund. Die wirtschaftlichen Probleme haben sich durch Corona verschärft.

Wenn künftig Reisende aus anderen Ländern mit Ryanair nach „Düsseldorf“ fliegen, dürfte Weeze gemeint sein, denn den internationalen Flughafen der Landeshauptstadt fliegt die irische Airline nicht mehr an. Bekanntlich hat sich Ryanair aus Zorn über hohe Gebühren von „DUS“ verabschiedet.

„NRN“ hingegen scheint noch einmal davongekommen zu sein. Bislang ist keine Rede mehr davon, die Basis des Niederrhein-Airports dicht zu machen. Wer in diesen Zeiten noch fliegen will, kann das tun, der Winterflugplan ist in Teilen schon freigeschaltet. In Düsseldorf hat Eurowings angekündigt, die meisten Slots des Mitbewerbers zu übernehmen. Was bedeutet all das für Weeze? Der scheidende Airport-Geschäftsführer Ludger van Bebber hat darüber mit uns gesprochen.

Es sind die letzten Arbeitstage des Kalkarers, der 1995 von Duisburg an den Niederrhein kam, um die Kreis Klever Baugesellschaft (KKB) aufzubauen. Unter andrem war Konversion ein Thema. In Weeze mussten nach dem Abzug der Briten 260 Wohnungen abgerissen oder saniert werden, ein Riesenprojekt. Das hat er damals anscheinend so gut gemacht, dass der damalige Landrat Rudolf Kersting ihn zehn Jahre später zunächst neben einen weiteren Mann, dann alleine auf den Stuhl des Airport-Geschäftsführers hob.

Alles war vage im Jahr 2006, als die Genehmigung für den jungen, zivilen Flughafen wackelte, es gab viel Protest, Klagen von Flughafengegnern und einer niederländischen Grenzkommune. Als alles geklärt war, startete der Airport durch. Ryanair eröffnete 2007 seine Basis, von da an waren die Reisefreudigen der Region daran gewohnt, dass von Flugplan zu Flugplan mehr Ziele zur Auswahl standen. Ein Gutachten, das Kreis und Niederrhein-IHK in Auftrag gegeben hatten, ließ bis zum Jahr 2015 drei Millionen Passagiere erwarten. Es kam anders.

Die ersten Betriebsjahre des Flughafens sind gelungen

Die ersten Betriebsjahre waren „hervorragend gelungen“, sagt van Bebber rückblickend. Es gab damals auch mehrere Charterverbindungen, die allerdings nicht langfristig funktionierten. Optimistisch gestartete Newcomer wie Hamburg International boten mit Berlin sogar ein innerdeutsches Ziel an – und scheiterten. Eine Weile flog Eurowings von Weeze nach München – und stellte das Angebot 2018 wieder ein.

Was blieb, war und ist Ryanair und damit die stetige Sorge, die Iren könnten sich ebenfalls vom Niederrhein abwenden. Deutlich gedrosselt haben sie ihr Programm schon längst.

Ist der Abschied von Düsseldorf günstig für Weeze? Da ist van Bebber vorsichtig, denn „die Entscheidungen von Ryanair sind vor allem Entscheidungen gegen den Standort Deutschland“, sagt van Bebber. Auch in Weeze seien die Kosten gestiegen, und die Wiederbelebung des Fluggeschehens passiere zögerlicher als erhofft. Zwar heben seit Juli wieder Maschinen ab und kommen rein, aber das Buchungsverhalten der Kunden ist bescheiden, die Preise sind im Keller. Immer mehr Corona-Risikogebiete lassen selbst Vielflieger zögern.

Das mag oft ein nicht besonders logisches Bauchgefühl sein, das die Kunden vom Fliegen abhält, aber ob logisch oder nicht – unterm Strich seien die Reisewarnungen „ein Killer“. Gebucht werde, wenn überhaupt, nur noch sehr kurzfristig. Denn niemand möchte zu Hause in Quarantäne. Ein verlängertes Wochenende und dann mindestens fünf Tage daheim bleiben, bis das negative Testergebnis vorliegt? So viele Urlaubstage möchte kaum jemand vergeuden.

Der Verkehr in Weeze ging in diesem Jahr um 75 Prozent zurück

Der Verkehr in Weeze ging in diesem Jahr um 75 Prozent zurück. Auch für Oktober hat Ryanair noch einmal reduziert. An welchen Airports was zurückgenommen wird, ist noch ungewiss. Dank des Zuschusses vom Kreis Kleve und der Gemeinde Weeze sei der Airport im Prinzip bis 2024 „durchfinanziert“, sagt Ludger van Bebber. „Wenn es aber 2021 mit den Corona-Folgen so weiter geht, dann klappt das nicht.“ Corona sei ein Thema, dessen Auswirkungen man kaum managen könne. Genau das wird jedoch die erste Aufgabe des neuen Geschäftsführers sein. Willkommen Andreas Papst.

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