Starkregen-Katastrophe

Goch: Die richtigen Schlüsse ziehen aus dem Niers-Hochwasser

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Das eingestaute Hochwasserrückhaltebecken Geneicken in Mönchengladbach nach dem Starkregen. Auf der linken Seite zu erkennen, die Niers mit dem Wasserstand vor und hinter dem regulierenden Wehr.

Das eingestaute Hochwasserrückhaltebecken Geneicken in Mönchengladbach nach dem Starkregen. Auf der linken Seite zu erkennen, die Niers mit dem Wasserstand vor und hinter dem regulierenden Wehr.

Foto: Niersverband / Martin Hochbruck

Kreis Kleve.  Der heftige und anhaltende Niederschlag hat auch im Einzugsgebiet der Niers deutliche Spuren hinterlassen. Der Niersverband erfasst die Schäden.

Der heftige und vor allem lang anhaltende Starkregen hat auch im Einzugsgebiet der Niers seine Spuren hinterlassen (die NRZ berichtete). Mittlerweile ziehen sich die Wassermassen zurück und die Wasserstände sinken. „Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Niersverbandes waren in den letzten Tagen in höchster Alarmbereitschaft und teilweise im Dauereinsatz“, sagt Sabine Brinkmann, Vorständin des Verbandes. „Nachdem sich die Lage nun entspannt hat und trockenes Wetter angekündigt ist, hoffen wir, das Schlimmste überstanden zu haben.“ Zwar seien schon einige Schäden festgestellt, „die sind jedoch überschaubar. Das Wichtigste ist, dass alle Anlagen, vor allem unsere Hochwasserrückhaltebecken in Mönchengladbach gut funktioniert haben.“

Aktuell geht der Rückstau der Maas in die Niers, der zu einem Hochwasser im westlichen Bereich der Stadt Goch führte, langsam wieder zurück

Aktuell geht der Rückstau der Maas in die Niers, der zu einem Hochwasser im westlichen Bereich der Stadt Goch führte, langsam wieder zurück. Nachdem die Maas an der Niersmündung in Gennep am Sonntagabend ihren Höchststand erreicht hat und der Pegel dort wieder sinkt, wird mit einem langsamen Ablaufen der Niers in den nächsten ein bis zwei Tagen gerechnet. Vorsorglich wurde im Bereich der Ortschaft Goch-Kessel die Kläranlage des Niersverbandes teilentleert und Abwasser und Schlamm mit Lkw zu anderen Kläranlagen gefahren. Eine Überflutung der kleinen Anlage konnte nicht ausgeschlossen werden, ist aber nicht erfolgt. Die Lage auf der Kläranlage beruhigt sich mittlerweile wieder. Der Zufluss liegt zwar weiterhin oberhalb des Üblichen, fällt aber langsam. Nach und nach wird die Kläranlage wieder in Normalbetrieb genommen.

Alarmierend für den Niersverband ist vor allem, dass es bereits zum vierten Mal innerhalb der letzten sechs Wochen, vom 13. bis 15. Juli, zu dem heftigen Starkregen im Einzugsgebiet der Niers kam. Besonders betroffen waren diesmal wieder die Bereiche um Mönchengladbach, Viersen und Tönisberg. Dabei war der Starkregen über einen Zeitraum von rund 48 Stunden verteilt und erfasste eine wesentlich größere Fläche. Die intensiven Niederschläge innerhalb kurzer Zeit führten vor allem auf den versiegelten Flächen und in den Kanälen zu Problemen. Dies war bereits bei den Starkregen-Ereignissen im Juni der Fall. Das Regenwasser floss von den versiegelten Flächen wie Hausdächer und Straßen in die Kanalisation. Diese ist für die enormen Wassermengen aber nicht ausgelegt. Das Wasser konnte nicht über die Kanäle abfließen und suchte sich seinen Weg über Straßen und angrenzende Flächen.

Beim jüngsten Starkregen konnte ein großer Teil der enormen Regenmengen in den vier Hochwasserrückhaltebecken des Niersverbandes in Mönchengladbach zurückgehalten werden. Trotzdem kam es im weiteren Verlauf der Niers zu Hochwasser. Insgesamt ist die Niers jedoch nicht wesentlich über die Ufer getreten. Nachdem in Mönchengladbach die Regenfälle aufgehört hatten, wurden ab Freitag die Hochwasserrückhaltebecken langsam und geregelt wieder entleert. Die Hochwasserlage in der Niers im weiteren Verlauf bis zum Unterlauf in Goch wurde dabei vom Niersverband besonders im Auge behalten.

„Es war wichtig, dass die Entleerung der Hochwasserrückhaltebecken nicht eine neue Hochwasserwelle verursacht, die mit der Hochwasserwelle in der Maas zusammentreffen könnte. Das hätte deutlich negative Auswirkungen auf die Wasserstände im Unterlauf der Niers gehabt“, teilt der Verband mit. Durch die gezielte Regelung der Entleerung konnte dies verhindert werden. Auf den Anlagen des Niersverbandes kam es durch die großen zufließenden Wassermassen vereinzelt zu Schäden, die jedoch nicht die Funktionsweise der jeweiligen Anlage beeinträchtigte.

Klimawandel ist auch am Niederrhein deutlich spürbar

Der Klimawandel ist auch am Niederrhein mit seinen Folgen angekommen. So rechnen Fachleute zukünftig mit häufigeren Trockenwetterphasen sowie Starkregenereignissen. Eine Möglichkeit, Starkregenereignisse abfedern und angrenzende Flächen schützen zu können, bieten Rückhalteräume an der Niers – an denen der Niersverband seit über einem Jahrzehnt mit seinen Masterplan Niersgebiet arbeitet. So konnten mehrere Gewässerprojekte an der Niers, zum Beispiel in Geldern oder Goch-Kessel, umgesetzt werden. Damit wurden bisher rund 200.000 Kubikmeter naturnaher Rückhalteraum geschaffen. Für den weiteren Ausbau mangelt es jedoch oft an Flächen.

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