IT-Branche

Gocher Christoph Kühnapfel ist ein Motor der Digitalisierung

Christoph Kühnapfel ist Geschäftsführer der Team-IT Group mit Sitz in Goch.

Christoph Kühnapfel ist Geschäftsführer der Team-IT Group mit Sitz in Goch.

Foto: Niklas Preuten

Goch.   Christoph Kühnapfel möchte mit seiner Team-IT Group aus Goch den Mittelstand im Kreis Kleve fit für den digitalen Wandel machen.

Das Gewerbegebiet Goch-West hat auf den ersten Blick wenig mit dem Silicon Valley, der legendären Heimat von Technologie-Giganten wie Apple, Facebook oder Google, gemein. Doch in einem modernen Bürogebäude an der Daimlerstraße kommen sich Kalifornien und der Niederrhein näher als gedacht. „Was hindert mich, eine Delle ins Universum zu schlagen?“, fragt Christoph Kühnapfel rhetorisch und klingt dabei eher nach mutigem US-Start-up-Unternehmer als nach abwartendem deutschen Mittelständler. „Wenn ich wirklich an mein Geschäftsmodell glaube, dann kann ich es von überall betreiben“, sagt der Geschäftsführer der Team-IT Group. Auch oder gerade im Gewerbegebiet Goch-West.

Neun Unternehmen, 160 Mitarbeiter

Dort hat die vor zwei Jahren gegründete und seitdem stark wachsende Holding ihren Hauptsitz, zu der mittlerweile neun Unternehmen mit 160 Mitarbeitern aus der IT-Branche gehören. Softwareentwicklung, Hardwareimplementierung, Zusammenarbeit mit namhaften Herstellern: Die Gruppe ist einer der Motoren der Digitalisierung für den Mittelstand im Kreis Kleve.

Kühnapfel berät NRW-Wirtschaftsminister Pinkwart

Der Gocher IT-Unternehmer Christoph Kühnapfel tauscht sich regelmäßig mit dem NRW-Wirtschaftsminister Andreas Pinkwart aus, der auch für die Digitalisierung zuständig ist.
Kühnapfel berät NRW-Wirtschaftsminister Pinkwart

Für Christoph Kühnapfel ist der digitale Wandel „die größte Evolution in der Zeitgeschichte der Menschheit“. Tiefgreifender noch als die Industrielle Revolution, die im 18. und 19. Jahrhundert das Leben und Arbeiten veränderte. „Die Digitalisierung kennt keine Landes- und Ressourcengrenzen und auch kein Ende“, stellt Kühnapfel klar. „Die Chancen und Möglichkeiten sind viel größer, das Wachstum schneller.“

Digitalisierung für den Mittelstand

Ist das für den kleinen Handwerksbetrieb wirklich so wichtig? Der 39-Jährige, der seinen unerschütterlichen Fortschrittsglauben landauf, landab auch als Redner in mittelständische Unternehmen trägt, hat diese Frage schon oft gehört. „Natürlich muss der Elektriker seine Handwerksarbeit verrichten“, sagt Kühnapfel. „Aber wenn die Baustellenorganisation und -dokumentation digital vorliegt und nicht mehr auf einem Zettel irgendwo im Auto verloren gehen kann, sondern per Chat an alle Kollegen geschickt wird, dann macht dies das Arbeiten leichter. Und die Kosten dafür sind extrem gering.“

Eine ernsthafte Alternative, sich der Digitalisierung zu verschließen hätten die Unternehmer ohnehin nicht, meint Kühnapfel und formuliert es drastisch: „Wer es nicht kapiert, wird untergehen.“ Noch sei die Digitalisierung in einer frühen Phase und Deutschland nicht abgehängt, doch es werde Zeit, die Ängste vor dem Wandel zu bewältigen. Auf der Suche nach Vorbildern müsse man den Blick auch gar nicht immer weit bis in die USA schweifen lassen. „Die Niederländer sind wesentlicher aufgeschlossener als die Deutschen. Sie probieren viel mehr aus und gestehen sich auch ein Scheitern zu, während wir häufig zunächst das Negative sehen“, so Kühnapfel.

Delegationsreise in die USA

Er möchte mithelfen, diese Haltung zu ändern und hat darüber im vergangenen Jahr ein Buch mit dem Titel „Zukunft nachholen“ veröffentlicht. Jeweils ein Exemplar schickte der Gocher zusammen mit einem mehrseitigen Brief, in dem er aus seiner Sicht sinnvolle Maßnahmen zur Unterstützung der Digitalisierung schilderte, an Bundeskanzlerin Angela Merkel und NRW-Wirtschaftsminister Andreas Pinkwart. Während aus dem Berliner Kanzleramt warme Worte als Antwort zurückkamen, erhielt Kühnapfel aus dem Düsseldorfer Ministerium, das auch für die Digitalisierung zuständig ist, eine Einladung zu einer Delegationsreise.

Der IT-Fachmann begleitete den Minister, junge Start-up-Unternehmer und Wissenschaftler im Herbst in die USA, wo die Gruppe unter anderem tiefe Einblicke in die Entwicklung Künstlicher Intelligenz bei Google erhielt. „Daraus ist ein intensiver Austausch mit Minister Pinkwart entstanden“, sagt Christoph Kühnapfel, der sich erst vor wenige Wochen erneut mit dem FDP-Politiker traf.

Der Gocher sieht seine Rolle darin, Start-ups, kleine und mittlere Unternehmen sowie die Politik miteinander zu verbinden, und verfolgt damit ein Ziel: „Ich möchte etwas hinterlassen und mir später nicht vorwerfen müssen, dabei zugesehen zu haben, wie etablierte Firmen verschwunden sind.“

Unterstützung für Start-ups

Der mühsame Kampf um eine Anbindung des ländlichen Raums an die neue 5G-Technologie lässt Zweifel wachsen, ob auch der Kreis Kleve den Herausforderungen gewachsen ist. Optimist Kühnapfel wischt die Sorgen weg: „Ich sehe für unsere Region mindestens das gleiche Potenzial wie in ganz Deutschland. Es gibt sehr gute Förderprogramme in NRW, die Mitarbeiter können das Gleiche wie in den Großstädten verdienen und hier sogar günstiger wohnen.“ Um Start-ups in der Region anzusiedeln, brauche es jedoch mehr Angebote wie Co-Working-Spaces. Darin erhalten junge Unternehmer mit guten Ideen Unterstützung, bis sie komplett auf eigenen Füßen stehen können.

Dass erst die Politik die Rahmenbedingungen schaffen müsse, lässt Kühnapfel jedoch nicht gelten: „Das ist eine Ausrede, um nicht selbst handeln zu müssen.“ Als er 2009 eine neue Zentrale für seine damalige IT-Firma baute, habe er sich nicht über die dürftige Internetverbindung beklagt, sondern die Erde an der Daimlerstraße aufreißen und Glasfaser verlegen lassen. Seitdem ist das Gewerbegebiet Goch-West auf schnellerem Weg mit dem Silicon Valley verbunden.

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