Natur pur

Hummeln bestäuben Nutzpflanzen

Bei vielen Steinhummeln kann man eine Art Glatze erkennen: Alte Arbeiterinnen haben weniger Behaarung auf dem Chitinpanzer.

Bei vielen Steinhummeln kann man eine Art Glatze erkennen: Alte Arbeiterinnen haben weniger Behaarung auf dem Chitinpanzer.

Foto: privat

Kreis Kleve.   Steinhummeln trotzen dem Wind und fliegen emsig nektarsaugend und pollenbeladen von Blüte zu Blüte – wo Bienen nicht hinkommen

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Wenn es draußen trotz Sommers mal wieder windig und kühl ist, bleiben die Bienen doch gerne im Stock. Schmetterlinge und Libellen fliegen auch nicht. Dennoch herrscht geschäftiges Brummen an den Blüten von Klee und Habichtskraut: Hummeln trotzen dem Wind und fliegen emsig nektarsaugend und pollenbeladen von Blüte zu Blüte.

Die bei uns häufig zu beobachtende Steinhummel ist ein robustes Kerlchen. Der Gattungsname „Bombus“ klingt auch ein bisschen so. Und in dem Tierbuch „Schatzkammer der Natur“ habe ich gelesen, dass Wissenschaftler berechnet haben, dass Hummeln nach den Gesetzen der Aerodynamik und Schwerkraft eigentlich gar nicht fliegen können: Viel zu großer Körper und viel zu kleine Flügel. Wie gut, dass Hummeln keine Ahnung von Wissenschaft haben, vielleicht würden sie sich sonst gar nicht in die Luft trauen.

Der Körper ist ganz schwarz, nur der hintere Teil des Abdomens ist wie in glutorangene Farbe getunkt. Die nur ungefähr einen Zentimeter kleinen Arbeiterinnen fliegen tatsächlich wie in eifriger Hast von einem Blütenkelch zum nächsten. Dabei bevorzugen sie neben allerlei Nutzpflanzen, wie zum Beispiel Erbsen und Bohnen, vor allem Kleeblüten. Die tiefen Röhrenblüten können von Bienen gar nicht bestäubt werden. Der Blütenkopf des Weißklees senkt sich unter dem Gewicht der kleinen Hummel nach unten und erst wenn die Hummel die Blüte wechselt, ist ihr rötlicher Hinterleib wieder gut zu erkennen.

Im Spätsommer tauchen Steinhummeln mit einem hellen Brustring auf. Das sind die Männchen. Bei vielen Arbeiterinnen hingegen kann man dann eine Art Glatze erkennen: Alte Arbeiterinnen haben weniger Behaarung auf dem Chitinpanzer. Man muss aber schon genau hinsehen, denn auch das Chitinkorsett der Steinhummel ist schwarz.

Im Hummelnest können etwa 200 bis 300 Tiere leben. Dass aus den Eiern Arbeiterinnen werden, die selbst unfruchtbar sind, liegt an einem Hemmstoff, den die Königin absondert. Wenn die Königin keine Arbeiterinnen mehr braucht, legt sie Eier ohne diesen Hemmstoff. Daraus entwickeln sich dann die neuen Königinnen. Diese verlassen das Hummelnest, ohne sich an der täglichen Hausarbeit einer Arbeiterin zu beteiligen, verpaaren sich mit männlichen Steinhummeln und suchen sich dann ein Versteck, um darin zu überwintern. Nur diese Jungköniginnen überleben den Winter und gründen im nächsten Frühjahr einen neuen Hummelstaat.

Die großen Hummeln, die wir im März oder im frühen April beobachten, sind dann allesamt Königinnen, die auf der Suche nach einer geeigneten Behausung für ihren neu zu gründenden Hummelstaat sind. Das können alle möglichen Unterschlupfe sein: Hohlräume in Steinmauern, Erdlöcher, die zum Beispiel von einer Maus gegraben worden sind, oder verlassene Nisthöhlen von Vögeln. Die Hummeln sind da wenig wählerisch. Dunkel und trocken müssen die Unterschlupfe sein.

Zurzeit können wir aber vor allem die ungeschlechtlichen Arbeiterinnen beobachten. Wenn man genau hinsieht, erkennt man, dass viele Hummeln an ihren Hinterbeinen kleine Päckchen tragen: Das sind Pollenpakete, die sie zur Versorgung der Larven in das Hummelnest eintragen. Und wer noch genauer hinsieht, findet vielleicht auch hin und wieder eine schwarze Steinhummel, die ein kleines Brustband trägt. Das sind dann die Männchen, die keine Pollen sammeln, sondern auf der Suche nach einer Prinzessin sind, die sie begatten können.

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