Drogenzüchter

Marihuanaplantage abgebrannt: Geständnis vor dem Landgericht

Bei einem Brand im Juni 2018 wurde die Marihuanaplantage entdeckt.

Bei einem Brand im Juni 2018 wurde die Marihuanaplantage entdeckt.

Foto: Freiwillige Feuerwehr Kleve

Kleve/Wesel.   Durch einen Brand flog im Juni 2018 eine professionelle Marihuanaplantage in Kleve-Materborn auf. Die Betreiber sind vor Gericht geständig.

Kurvige Lebenswege haben die beiden Männer auf die Anklagebank im stickigen Saal A 103 des Klever Landgerichts geführt. Der eine, ein 53-jähriger Niederländer, wuchs auf einem Schiff auf, wechselte häufig die Schule, wurde Fotograf, verkaufte sein Studio in Arnheim, fing mit einem Entrümpelungsunternehmen in Deutschland noch einmal neu an und kämpfte mit Medikamenten gegen die Folgen einer Depression.

Der andere, ein 45-jähriger Pole, arbeitete nach seinem Abitur erst bei der Bahn, dann in einer Werft in Danzig, diente dem polnischen Militär, kehrte mit einer Schädelverletzung und psychischen Problemen aus einem Kampfeinsatz im Irak zurück, zog um nach Deutschland und stieg in das Geschäft seines alten Freundes aus den Niederlanden ein.

Professionelle Marihuanaplantage in Materborn

Die beiden Männer sitzen nun neben Verteidigern, Dolmetscherinnen und zwei weiteren Angeklagten in Kleve auf der Anklagebank, weil im Juni 2018 ihre auf einem Bauernhof in Materborn versteckte Marihuanaplantage bei einem Brand in Flammen aufging und die Ermittler schnell die Spuren zu ihnen als Betreiber der professionellen Anlage fanden.

Der Niederländer und der Pole gestanden am zweiten Verhandlungstag ihre Taten. Sie hätten die Hallen an der Sackstraße zunächst als Lager für Möbel aus Haushaltsauflösungen genutzt, ließen sie über ihre Anwälte mitteilen. Als sich der 53-Jährige wegen seiner Depression immer mehr zurückzog, führte sein Kollege das Geschäft weiter.

Niederländer war der Hauptmieter

Mitte des Jahres 2017 habe der Niederländer bei einem der seltener gewordenen Besuche auf dem Hof dann gesehen, dass eine Marihuanaplantage im Rohzustand kurz vor dem Aufbau stehe. „Von diesem Zeitpunkt an wusste er von der Plantage“, sagte sein Verteidiger.

Der ehemalige Fotograf blieb Hauptmieter, bezahlte die Rechnungen und sollte dafür später von den Erlösen der Ernten profitieren. Doch dazu kam es nicht. „Er hatte nicht besonders viel Erfahrung bei der Aufzucht der Pflanzen“, so der Verteidiger über den Mann aus Polen.

Probleme bei der Aufzucht

Parasiten hatten den ersten Versuch beendet, es folgte eine Probesaat mit wenigen Pflänzchen. Und als das Hanf unter Zelten, Lampen und mit Hilfe von Bewässerungs- und Entlüftungsanlagen endlich wuchs, flog die auf mehrere Räume verteilte Plantage durch den Brand auf. Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass die fast 900 nicht vom Löschwasser zerstörten und sichergestellten Pflanzen einen Ertrag von mindestens 26 Kilogramm Marihuana ergeben hätten.

Durch den Brand fiel auch auf, dass die Betreiber den Strom vor dem Zähler umgeleitet hatten. „Theoretisch kann das jeder mutige Laie“, antwortete ein als Zeuge geladener Elektromeister auf Nachfrage des Vorsitzenden Richters Jürgen Ruby. Der Angeklagte aus den Niederlanden steht wegen der fälligen Nachberechnung noch mit rund 81.000 Euro bei den Stadtwerken in der Kreide.

Angeklagter nach Drogenfahrt entlastet

Am zweiten Verhandlungstag zeigte sich auch der dritte Angeklagte, ein in der Ukraine geborener, 30-jähriger Deutscher geständig. Er bestätigte die Aussage des vierten Angeklagten. Der 31-jährige Deutsche hatte beim Prozessauftakt eingeräumt, dass er seinen alten Bekannten Anfang September 2018 nach Wesel gefahren habe – ohne jedoch zu wissen, dass dieser dort 2,4 Kilogramm Marihuana kaufen würde. Ein Deal, den der Niederländer vermittelt hatte.

Fahnder waren durch eine Telefonüberwachung auf die Weseler Spur gekommen und verfolgten den 30- und 31-Jährigen auf dem Rückweg. Auf einem Rastplatz kontrollierten hinzugerufene Polizisten das Auto, fanden die Sporttasche mit den Drogen und nahmen beide Männer fest. „Er wusste nichts davon“, sagte der 31-Jährige über seinen Fahrer.

Der Prozess wird am Mittwoch, 27. März, um 10 Uhr fortgesetzt.

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