Umwelt

Medikamenten-Rückstände im Rhein bei Kleve gemessen

Im Rhein lassen sich immer mehr Rückstände von Medikamenten finden.

Im Rhein lassen sich immer mehr Rückstände von Medikamenten finden.

Foto: Thorsten Lindekamp / WAZ FotoPool

Kreis Kleve.  Schmerz- und Diabetesmittel, Betablocker und Röntgenkontrastmittel wurden vermehrt in Kleve-Bimmen gemessen. Hiesige Klärwerke sind überfordert.

Im Rhein gibt es nach wie vor viel zu viele Rückstände von Medikamenten. Obwohl nach den verpflichtenden Vorgaben der europäischen Wasserrahmenrichtlinie die Qualität der Flüsse und Seen besser werden soll, misst die internationale Messstelle in Kleve-Bimmen/Lobith stets mehr Reststoffe von schmerzstillenden und fiebersenkenden Mitteln, von Betablockern, Diabetes-Medikamenten oder Röntgenkontrastmittel. Gerard Stroomberg, Vorsitzender des europäischen Wasserwerkverbandes Riwa, konstatiert: „Leider ist der Rhein noch nicht so sauber, wie wir es gerne hätten.“

Im Jahr 2018 wurden in Bimmen/Lobith 437 Stoffe analysiert und insgesamt 7693 Messungen durchgeführt. Eine deutliche Überschreitung gab es zum Beispiel für den Stoff Metformin, der von Diabetes-Patienten über den Urin ausgestoßen wird. Der von den Wasserwerken vereinbarte Zielwert liegt bei 0,1 Mikrogramm je Liter. Gemessen wurden aber 0,99 Mikrogramm. Gesetzliche Grenzwerte für Medikamentenrückstände gibt es allerdings noch nicht.

Blutdrucksenker im Wasser

Ebenfalls deutlich überhöht sind die Werte für das Blutdrucksenkungsmittel Valsaratsäure: Gemessen wurden 0,66 Mikrogramm, der Zielwert liegt auch hier bei 0,1. Das Röntgenkontrastmittel Iopromid wurden ebenfalls vermehrt nachgewiesen: 0,89 Mikrogramm je Liter statt der Zielvorgabe 0,1.

Karsten Koppetsch, Leiter der Klever Umweltbetriebe und Betreiber des örtlichen Abwasserwerkes, erläutert im Gespräch mit der NRZ, dass das Klever Klärwerk die vierte Reinigungsstufe noch nicht eingeführt habe. Die Rückstände von Medikamente sind nur sehr aufwendig mit Hilfe von Aktivkohlefiltern dem Wasser zu entziehen. „Und das ist sehr, sehr teuer. Wir müssten dafür quasi ein eigenes Klärwerk bauen. Da sind die 18 Millionen, die wir jetzt investieren, nur Peanuts“, so Koppetsch.

Er weiß um die zunehmende Problematik: „Wir werden älter und entsprechend mehr Medikamente gelangen ins Abwasser“, sagt er. Koppetsch weiß sogar zu berichten, dass durch die Rückstände der Anti-Babypille im Wasser einige Fischarten in den Meeren sich schlechter vermehren.

Keine gesetzlichen Grenzwerte

Auch das Emmericher Klärwerk ist noch nicht in der Lage Medikamentenrückstände aus dem Wasser zu filtern. Mark Antoni, Leiter der Kommunalbetriebe: „Es ist schwer in eine Anlage zu investieren, wenn es noch keine gesetzlichen Vorgaben und verbindliche Grenzwerte gibt.“ Neben den Aktivkohlefiltern gebe es noch weitere, sehr aufwendig Reinigungsmöglichkeiten, etwa die Ozonung. Jede Maßnahme sei allerdings sehr kostspielig. Letztendlich sei dies eine politische Frage: Welche Stoffe wollen wir nicht im Rhein haben?

Alarm schlagen hingegen die niederländischen Wasserwerksbetreiber. Denn entlang des Flusses gibt es viele Städte, die ihr Trinkwasser aus dem Rhein gewinnen und in der Tat mit teuren Aktivkohlefilter-Anlagen die Reststoffe entfernen müssen. Gerard Stroomberg: „Medikamente sind zu einem neuen Problemstoff geworden. Und als Rheinunterlieger müssen die Niederlande viel Geld investieren, um sauberes Trinkwasser zu erhalten.“

Stroomberg geht davon aus, dass die jetzige Praxis einer Überprüfung der Wasserrahmenrichtlinie durch die EU-Kommission nicht Stand hält: „Wir müssen feststellen, dass sich die Situation in den vergangenen 18 Jahren nicht verbessert hat. Obwohl die europäischen Vorgaben eindeutig sind. Wir wollen, dass sich die Wasserqualität verbessert, damit wir weniger klären müssen.“

Neue Messmethoden

Birgit Kaiser de Garcia, Sprecherin des Landesumweltamtes, hält fest, dass auch immer mehr Stoffe gefunden werden, dank einer verbesserter technischer Messinstrumente. Gleichwohl gibt sie zu: „Wir rennen mit unserer Technik der Industrie hinterher.“ Seit 2014 betreibe das Lanuv ein hochauflösendes Massenspektrometer, welches die Messung einer exakten Masse eines Moleküls ermöglicht. Dadurch könne man auch bislang unbekannte Verbindungen in Wasserproben identifizieren. Neben den stationären Messstellen verfüge man auch über ein Messboot, welches Wasserproben direkt aus dem Rheinstrom entnehmen könne.

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